Sonntag, 23. Dezember 2007

Weihnachten im Krankenhaus

Maria?“ – „Ja.“ – „Kommst Du bitte mit?“ Gesagt, getan. Und zwar gefolgt der Krankenschwester ins steril-weiße Behandlungszimmer der Notaufnahme in Hawera. Aber keine Angst, der Titel ist natürlich nur Effekthascherei und Augenwischerei. Alles halb so schlimm. Angefangen hat alles bereits letzte Woche, ständiges Wuchten der Fleischbatzen sollte nicht ungestraft vom Körper bleiben, ein leichtes Ziehen im linken Arm war die Folge. Mit ein bisschen Ruhe sollte das schon gehen, dachte ich, aber es muss ja immer anders kommen, als man denkt. Die letzten vier Tage Frei hat sich leider nicht viel an der Situation geändert, im Gegenteil. Jeder Kreisverkehr wurde zur Qual, angesichts der Tatsache, dass unser Blusterfisch keine Servolenkung hat, ist das ein überaus hässliches Gefühl. Die nächsten Arbeitstage hatte ich mir einen Verband angelegt und ein wenig Salbe aufgetragen, aber der Arm wollte sich dennoch nicht beruhigen. Ein Hinweis im Erste-Hilfe-Raum von Riverlands bot Schmerztabletten an, die der Hausmeister auch wohlwollend herausgab- anscheinend werden die wie Bonbons eingeworfen, dementsprechend war aber auch die Wirkung: keine. So hat mein Supervisor Drew drängelnd darauf bestanden, dass ich unbedingt zum Arzt gehe. Klasse Idee, Drew. Heute ist Sonntag. Egal, fahr doch einfach ins Krankenhaus. Also hab ich mich heut Mittag auf ins Krankenhaus gemacht, eigentlich ist heute erst unser dritter von vier Arbeitstagen, aber Drew hat sich nicht davon abringen lassen. Dabei ist unsere Personallage auf Arbeit alles andere als rosig: meine Arbeitskollegin (bei der wir letztens asiatisch Essen waren – lecker!) hat sich kurz verabschiedet und ist mal eben sich übergeben gegangen, der andere Rest kränkelt auf seine Art und Weise vor sich her. Während die einen körperlich zu schaffen haben, scheinen ein paar der Anderen leichte psychische Treffer weg zu haben. Am Band, wo Gehacktes verarbeitet wird (dort, wo auch Willi arbeitet), scheint es einige zu geben, die auch mal gern ohne Grund und Sinn aufs Fleisch einstechen bzw. einfach diabolisch lachen (bei beidem bekommt man Angst). Oder man wird fünfmal am Tag gefragt, wie denn selbiger ist. Man antwortet: „Er hat gerade erst begonnen. Mal sehen, wie er sich entwickelt.“ – „Es ist anstrengend“ – „Es ist immer noch anstrengend.“ – „Es ist wahnsinnig anstrengend.“ – „DER TAG IST VORBEI, DARREN!!!“ (Darren ist der Name unseres nicht ganz so geistig-fitten Mitarbeiters). Willi und ich benutzen bei unseren Gesprächen während der Pausen nur innovative Decknamen wie: „Irrer Nummer 1“ (der, der aufs Fleisch einhackt) und „Irrer Nummer 2“ (Darren).

Nun ja, jedenfalls musste ich mich durch tausende und abertausende Dokumente kämpfen, ehe man mich einem Arzt vorgestellt hat. Dieser hat mich flugs mit ein paar Schmerzmitteln versorgt, die hier liebevoll „Painkillers“ genannt werden, also „Schmerzkiller“. Dann noch schnell eine Schiene angelegt und für die nächsten Tage krankgeschrieben, sodass ich Weihachten nicht arbeiten muss und auch die nächsten arbeitsfreien Tage zum Auskurieren habe.

Jedenfalls wollte ich diesen Blog-Eintrag nur schnell dazu nutzen, Euch allen ein besinnliches Fest im Kreise Eurer Liebsten zu wünschen, sowie einen prallen Sack an Geschenken, wenigen Hieben mit der Rute und natürlich noch einen feuchtfröhlichen Rutsch ins Neujahr!

Lasst Euch lieb grüßen von Eurer

Tochter, Enkelin, Nichte, Urgroßcousine, Freundin, Torhüterin, Blusterfisch

Maria



PS: Letzter Blog-Eintrag nicht allzu lange her, siehe dazu gleich unter diesem hier!

Donnerstag, 20. Dezember 2007

Krankenakte Blusterfisch

Armer, armer Blusterfisch. Was hat er in den letzten Tagen über sich ergehen lassen müssen. Angefangen hat es eines Morgens, als er schon ein wenig hüstelte und nicht so recht starten wollte (für neu dazugestoßene Leser: Blusterfisch ist der Kosename für unser mittlerweile 21 Jahre altes Automobil)- für nähere Details wird der letzte Blog-Eintrag wärmstens empfohlen.

Jedenfalls hatte ich ja versprochen, erlösende Entwarnung zu geben, falls es dem Blusterfisch wieder besser geht. Das ist nun endlich der Fall, aber bis dahin war es ein weiter Weg. Es wurde rumgedoktert, Organe wurden entnommen, neue eingesetzt- dies klingt professionell, war aber doch eher Resultat aus Frankensteins Versuchskabinett. Marvyn, unser Gastgeber und passionierter Autobastler, gab uns den Rat, den Anlasser auszubauen (nachdem er einige andere Dinge ausgeschlossen hatte)- gesagt, getan. Was dann folgte, scheint wie eine Szene aus einem Film: „Rollt doch einfach den Hügel herunter, legt nen Gang ein und startet den Motor.“- Bitte? Das ganze Procedere nennt sich „Kickstart“ oder auch „Jumpstart“, man zündet nicht den Motor, sondern belässt den Autoschlüssel in der vorigen Position. Und Hügel gibt es in Neuseeland en masse, also das Auto vom Hof auf die Strasse gerollt, geschoben, schnell reingesprungen und alles so gemacht, wie anfangs empfohlen- und es hat tatsächlich funktioniert! Man stelle sich das vor! Wie im Film, man zieht sich mithilfe des Karosseriebügels am Fenster schwungvoll ins Autoinnere, klemmt sich hinters Steuer und fährt los (das ist mal Stil!). Lasst Euch sagen, fragende Blicke und Achselzucken der umstehenden Zaungenossen sind Euch sicher. Garantiert. Auf jeden Fall wurde so ein etwaiger Getriebe- oder Motorschaden ausgeschlossen, es konnte nur noch am Anlasser liegen. Den hat Marvyn dann auch gereinigt und die Zahnräder etwas angefeilt, aber nach erneutem Einbauen mochte der Motor dennoch nicht so recht starten (die Antwort unserer Gastgeber war typisch neuseeländisch: „Ach egal, zumindest könnt ihr immer noch schieben und kickstarten. Ist doch nicht so schlimm.“ – „Genau…“). Nach weiterem Ursachenforschen wurde dann auch fix die Batterie ins Auge gefasst, die mit ihren zwanzig Lenzen nun vermutlich ihre Lebensdauer überschritten hatte. Also das Auto in alter Gewohnheit vom Hof gerollt und in die Stadt gefahren, um eine neue Batterie zu kaufen (inzwischen waren wir richtig geübt, sind so auch zum Einkaufen gefahren, einer ist schnell in den Supermarkt gesprintet und hat binnen fünf Minuten alles eingekauft, während der andere im Auto gewartet hat, der Motor lief, und ab und zu Gas gegeben hat- wer will schon einen Van auf einem vollen Parkplatz anschieben und sich zum Obst machen?). Gut, also bei einer hiesigen Werkstatt die Batterie gekauft und eingebaut. Aber das wäre jetzt an dieser Stelle auch zu einfach gewesen, wäre der Motor sofort angesprungen. Nein, natürlich nicht. Was nun? Der Automechaniker hat uns gleich zu einer weiteren Werkstatt mit Spezialisierung auf Anlasser dirigiert, nur eine Straße weiter. Doch den Motor hatte ich mittlerweile abgestellt, wie vom Werkstatthof kommen? Richtig, schnell ein weiteres Auto vor unseren Blusterfisch gespannt, Abschleppseil gestrafft und angeruckt (das mit dem Schieben wollte nicht so recht klappen, der Anlasser bzw. ein Teil der Zahnräder war vermutlich noch im Motor verkantet). Jedenfalls kann ich nun auch per Abschleppen den Motor starten, wobei ich dabei wieder Blut und Wasser geschwitzt habe, dem Vordermann nicht in den Kofferraum zu fahren. Herrje- sind dann gleich zur empfohlenen Werkstatt gefahren und haben einem echten Fachmann Einblick in unser Heiligstes gewährt. Er meinte nach einer fünfminütigen Analyse recht trocken, dass es der Anlasser ist (ach wirklich?) und er das bis zum Nachmittag repariert hätte. Nun ja, bis zur wirklichen Abholung sollte es noch bis zum nächsten Tag dauern, die bestellten Ersatzteile konnten erst über Nacht geliefert werden. Es stelle sich weiter heraus, dass das Urproblem die Zündung war (es wurde irgendwie immer mehr, die Krankenakte unseres Blusterfisches füllte sich unweigerlich zu einem kleinen Buch). Nach Zünden des Motors sollte der Schlüssel an und für sich wieder in die Schaltposition davor springen, das hat diese Zündung aber nicht mehr gemacht. Dies hat nun vermutlich dazu geführt, dass der Anlasser nach Antreiben des Motors weiterhin im Motor geblieben ist und sich so die Zahnräder rasant verschlissen haben- man hätte einen Anlasser nach dem anderen einbauen können, die defekte Zündung hätte sie alle umgehend ruiniert. Glücklicherweise sind die Gegenstücke der Zahnräder im Motor nicht weiter beschädigt worden – ein Wunder. Ende vom Lied: neue Zündung, neuer Anlasser, neue Batterie und unser Blusterfisch rauscht nun wieder über die Straßen wie eh und je. Gekostet hat uns der Spaß jeden umgerechnet 100€, das ist angesichts der „Schwere“ der Schäden noch recht vertretbar.

Nun denn, ich hoffe der kleine Ausflug in Automobilkunde hat Euch nicht zu sehr gelangweilt und ihr bleibt mir weiterhin als treuer Leser erhalten :)

Ansonsten haben heute wieder vier Tage Frei begonnen, angesichts der schlauchenden Arbeit im Schlachtgewerbe sind die auch dringend notwendig. Fahren morgen nach Waitara, das Haus der Eltern von unserem Supervisor Drew besuchen, wo uns ein Einzug offeriert worden ist. Weiterhin werden wir am Donnerstag unser, wie bereits im letzten Blog-Eintrag erwähnt, typisch asiatisches Abendessen haben. Apropos Arbeit bei Riverlands: gestern wurde anlässlich Weihnachtsfeier in den nächstgelegenen Pub geladen- Freibier und Barbecue. Das Bier ist nach der elfstündigen Schicht auch sehr gut vom Körper aufgenommen worden, wobei das Bier hier eher mit leicht trübem Wasser zu vergleichen ist. Heute morgen war dann auch endlich (dieses „endlich“ kommt von Herzen) der letzte Tag zum Spargelstechen und das Feld wurde anschließend versiegelt (so eine Knochenarbeit, werde demnächst bei ThyssenKrupp mal anfragen, ob die noch Stahl brauchen- hätte welchen in meinen Oberschenkeln). Dennoch, erst einmal erholen und ausspannen, eventuell sogar am Strand, und Energie für den Weihnachtsmarathon tanken.

Bis dahin, liebste Grüße aus Taranaki (so heißt die Region, in der wir uns befinden), natürlich wie immer verbunden mit ein paar Sonnenstrahlen ins kalte Deutschland!


Eure Maria


Ein paar Bilder noch als Nachtrag:

Strand von Waitara


Abendstimmung, Spargelfarm

Sonntag, 9. Dezember 2007

Rotkäppchen allein auf weiter Flur.

Meine Lieben, seit dem letzten Eintrag ist ja schon eine kleine Weile ins Land gegangen, dies war aber einfach der Tatsache geschuldet, dass wir neuerdings arbeitstechnisch sehr eingespannt sind.

Denn seit ca. zwei Wochen sind wir Angestellte bei Riverlands Ltd., einer Fleischverarbeitungsfirma mit Spezialisierung auf Rind. Unser Supervisor Maui rief uns natürlich nicht wie vereinbart an, um uns das Ergebnis des Drogentest mitzuteilen, und so sind wir auf eigene Faust zu Riverlands gefahren und haben mal deutsche Pünktlichkeit demonstriert. Dies hat auch ordentliche Eindruck geschunden und außerdem fiel der Drogentest negativ aus und das hieß für uns: angestellt. Der Übergang von „Drogentest i.O“ zur anschließenden Arbeit verlief äußerst fließend, um 10 Uhr früh am gleichen Tag fanden wir uns bereits am Arbeitsplatz wieder. Und zwar ohne Einführung und ohne Arbeitsschutz (ich würde an dieser Stelle mal behaupten, des deutschen Beamten liebstes Kind heißt neben Gleitzeit Arbeitsschutz). Man stelle sich dies einmal in einem deutschen Lebensmittelbetrieb vor! Einfach von der Straße weg an den Arbeitsplatz! Herrje! Nun aber mal ein paar Sätze zu den Verhältnissen und Modalitäten: zu Beginn des Arbeitstages kleidet man sich mit Overall, Gummistiefeln, Handschuhen, wasserabweisender Schürze, Ärmelüberzügen, Kopfhaube, darüber farbige Kopfhaube und Ohrschützern ein. (Als Schlachter kommen dann noch Kettenanzug und spezielle Handschuhe dazu). Mit diesen Utensilien ausgestattet, geht es in die Umkleiden. Lasst Euch an dieser Stelle sagen, dass der Männer-Frauen-Anteil bei ca. 50%-50% liegt (was man gar nicht denkt), aber bei Betreten der Frauenumkleide durchaus der Eindruck entsteht, dass das „Hinter-Gittern“-Frauenknast-Team sich hier in der Drehpause aufhält. Oje. Die Rinder durchlaufen zuerst den „Slaughterfloor“ (Schlachthaus), dann geht es weiter in den „Boning Room“, wo dann nun das Letzte aus der Kuh rausgeholt wird. Und schließlich werden die diversen Fleischstücke dann im „Packing Room“ verpackt, dort, wo auch wir arbeiten.

Meine Arbeit besteht darin, im Team von drei Leuten am Fließband die Fleischpakete in Kartons zu verpacken. Das klingt leicht. Ist es aber nicht. Der Arbeitstag beginnt mit „Prime“ (es gibt keine 1-1 Übersetzung ins Deutsche dafür, es ist in etwa so etwas wie „Erstklassige Ware“), dann wird zu „Bull“ (Bulle) übergegangen und anschließend kommt „Cow“ (Kuh). Nun lasst mich das Ganze mal am Beispiel von Tetris erklären. Bei Tetris kommen die virtuellen Spielsteinchen von oben herabgerieselt, hier das Fleisch auf dem Band. „Prime“ ist in etwa der Fortgeschrittenen-Modus, man hat zu tun, schafft es aber noch mal kurz zu verschnaufen. Dies geht so seine 4-5h, dann kommt Bull. Und mit Bull ist es auch mit der neuseeländischen Gelassenheit vorbei. Kurz: es bricht Panik aus. Gibt es noch eine höhere Stufe als „Experte“ – hier wäre sie anzubringen. Es ist leider keine Seltenheit, dass die Fleischbatzen links und rechts einfach vom Band runterklatschen. So geschehen an meinem ersten Arbeitstag: erst ging es recht relaxt voran, dann wurde auf Bulle umgeschalten und das komplette Chaos brach aus. Mittlerweile schalte ich in solchen Momenten die deutsche Sorgfalt in mir einfach aus, die Fleischbrocken werden nur noch in die Kartons geschmissen. Anbei eine kleine Bemerkung: es lässt sich nirgends schneller das Fluchen auf neuseeländische Art und Weise erlernen, als während Bulle auf dem Band läuft. Nach weiteren nie enden wollenden Stunden wird dann auf Kuh umgestellt, was endlich wieder Ruhe einkehren lässt.

Zwischendurch hat man drei Pausen und was man so zusammengewürfelt in der Kantine sieht- kurz: Knast. Zwielichtige Gestalten mit Oberarmen wie meine Oberschenkel, tätowiert, unrasiert, kantiges Gesicht, schlürfender Gang und schlechte Zähne. Man sitzt nun dort inmitten der Schnitzelakrobaten und Schnetzelästheten und versucht zu essen. Die Betonung liegt auf „versucht“, denn dies fiel in den ersten Tagen etwas schwer. Allein der latente Fleischgeruch mag ja noch gehen, aber das mitunter gegenübersitzende Tischgenossen noch Knochenknorpel und Fleischstücken am Arm kleben haben und der Durchschnittsoverall mit mindestens drei Litern Rindsblut getränkt ist- Guten Appetit. Aber mittlerweile geht auch das (der Hunger treibt’s rein).

Natürlich stechen wir aus der Menge wie bunte Hunde, als Europäer sowieso und außerdem wegen einem strahlend roten Häubchen. (Es gibt zwei Teams, Rot und Blau, und alle die im „Packing Room“ arbeiten, haben so ein Häubchen zu tragen. Da wir vier Tage à 10 Stunden arbeiten und die nächsten vier Tage frei haben, springt an unseren freien Tagen das blaue Team ein.). Daher kommt auch der liebevolle Name „Rotkäppchen“. Aber nicht nur wir stechen aus der Menge heraus, nein, es gibt auch noch eine Handvoll Asiaten, zu denen wir uns gleich gesellt haben. Unsere kleine asiatische Triade besteht aus – im Gegensatz zum Rest der in der Kantine sitzt – drei kleinen Muttis und ein bis zwei andere Asiaten. Und lasst euch sagen: die Muttis sind der Hit. Die eine hat von uns den Spitznamen „Erdhörnchen“ bekommen, die gesamte Pause nur am Lachen und Reden wie ein Schnellfeuergewehr. Ein Traum. Zum Glück arbeiten wir im Packraum mit zwei von den drei Muttis zusammen, alle natürlich gewohnt fleißig am Werkeln und immer erstaunlich gut informiert. So ist man stets im Bilde, wer gerade schwanger ist, was wo passiert und warum. Das hat so seine Vorteile.

Wie dem auch sei, so arbeiten wir seit ca. zwei Wochen schon bei Riverlands, an die Arbeit und andere Abläufe gewöhnt man sich so langsam und auch sonst hat sich ein wenig Routine eingestellt- sollte man meinen.

Gestern wollten wir zu unserem letzten der vier Tage andauernden Arbeitsperiode fahren und stiegen ins Auto ein und fuhren los. Doch schon da tuckerte der Motor seltsam und gab auch sonst eigenartige Geräusche von sich. Merkwürdig, aber dies scheint wohl an der Kälte zu liegen, der zwanzig Jahre alte Motor muss wohl erst noch ein wenig warm laufen. So sind wir erstmal weiter gefahren, und ihr ahnt es schon was gleich passieren wird- kurz vor dem Highway besser mal links auf einen Parkplatz gefahren, da der Motor jetzt absolut so klingt, als ob man besser ganz schnell anhält und nach dem Rechten sieht. Herzrasen. Wir müssen auf Arbeit. Das Auto. Kaputt? Warum? Vollgetankt? Ja. Wie kommen wir auf Arbeit? Nochmal den Motor starten. –Dies ging schon gar nicht mehr, es folgte nur ein „Klick, klick, klick“ solange man den Schlüssel gedreht hielt. Verdammte … . Wäre eine Kekspackung in Maria-Reichweite gewesen- ich hätte sie wie damals, als wir an der Kreuzung in New Plymouth liegen geblieben waren, restlos aufgenagt. Haben uns aber gezwungen ruhig zu bleiben (ist mir nur bedingt gelungen) und sind erstmal zurück zur Spargelfarm gelaufen (wir allein auf weiter Flur). Sofort unseren Vorgesetzten angerufen und glücklicherweise hat uns Judy auf Arbeit gefahren, sodass wir gerade einmal eine halbe Stunde zu spät auf Arbeit angekommen sind. Was dann passiert, kann man sich nur schemenhaft vorstellen: eine derartige Welle der Hilfsbereitschaft rollte auf uns zu, wir wussten gar nicht, wie uns geschah. Dass mich Leute (die ich nur vom Gesicht her kenne) mit „Hi Mary, wie geht’s? Was macht das Spargelstechen?“ ansprechen, ist schon eigenartig genug. Aber wie aufopferungsvoll die Menschen uns an diesem Tag begegneten- unvorstellbar (Willi meinte daraufhin, dass wir doch öfters mal so eine kleine Panne haben sollten). Wir wurden von der einen Asiatin zum traditionellen Essen eingeladen, das Erdhörnchen hat uns wieder zurück nach Hause gefahren, ein Arbeiter hat uns noch eine DVD vorbeigebracht und unser Vorgesetzter Drew (ein Mischung aus Surfer Boy und Kumpel von nebenan) hat uns angeboten, seine Eltern mal zu fragen deren Haus in Waterua (ca. eine halbe Stunde von Arbeit entfernt) mit Surferstrand an uns zu vermieten- kostenfrei. Wahnsinn, sollte das klappen, ziehen wir bald um, Drew würde uns dann mit noch einem anderen Mitarbeiter auf Arbeit mitnehmen. Abends hat uns dann noch unser Gastsohn Joseph mit dem Jeep abgeschleppt. Klingt banal, ist es an und für sich eigentlich auch, aber Frodo brettert doch nicht etwa mit einer 60 (!!!) den Hügel hinab! Das Abschleppseil ist 1,5m lang gewesen und ich mit Schweißausbrauch und zittrigen Fingern grapschte ständig nach der Handbremse (die Fußbremse geht nicht, muss wohl irgendwas mit der Hydraulik zu tun haben, dass wenn der Motor ausgeschalten ist, die Fußbremse nicht funktioniert- fragt mich bitte nicht). Jedenfalls haben wir dann den Blusterfisch wieder gut vor dem Schuppen geparkt und somit unser Nachtquartier sichergestellt. Abends gab es dann ein wohlverdientes Feierabendbier und Kopfschütteln beim Resümieren des Tages. Marvyn, der Gastvater und passionierter Autoschrauber, nimmt sich in den nächsten Tagen den kränkelnden Blusterfisch vor und bekommt ihn hoffentlich wieder repariert. Ansonsten haben wir aber eine Mitfahrgelegenheit auf Arbeit (Erdhörnchen)- sobald wir Genaueres wissen, gebe ich hier nochmal schnell Entwarnung (hoffentlich Entwarnung- drückt die Daumen, dass es nichts Größeres bzw. Kostspieliges ist).

Ja, ihr seht, es ist wohl oder übel immer eine Menge los, zu Weihnachten hätte ich gerne ein kleines Paket mit Ruhe unterm Baum.

Wie immer liebe Grüße in die vorweihnachtliche Heimat,

Eure Maria


PS: Rechts in der Leiste finden sich seit Neuestem die „Top-Ten-darauf-wird-sich-am-meisten-gefreut“ (bei Wiederkehr) und eine kleine Personencharakteristika, da ich beim Buchlesen nichts mehr hasse, als mich fragen zu müssen, wer welche Person war :)

Samstag, 24. November 2007

Das Schweigen der Lämmer.

Euch weiterhin mit Blog-Einträgen zu bombardieren zu können, ist einzig und allein der Tatsache geschuldet, dass nach nun bereits drei vergangenen Wochen die Ruhe nicht so recht einkehren mag. Wie hätte es auch sein können? Aber erst einmal alles der Reihe nach.

Nach tagelangen Fasten bzw. Diäten mit Toast zum Frühstück, Lunch (Mittag) und Abendbrot überraschten uns unsere neuen Gastgeber und gleichzeitigen Arbeitgeber Judy und Marvyn Towers mit einer Einladung zum Abendessen. Sie hatten ein paar Freunde eingeladen und meinten, wir sollten doch auch einfach rüberkommen. Gesagt, getan. Die Towers kann man sich als eingespielte Familie vorstellen, die Eltern beide in den Endvierzigern, eine Tochter mit eigenem Friseursalon und mit einem Sohn, Physik- und Mathestudent (endlich haben wir den schon arg vermissten neuseeländischen Frodo gefunden). Freundlicherweise haben sie uns das zum Spargelfeld dazugehörigen Packhaus überlassen, sodass wir jederzeit auf fließend Wasser, Toilette, Strom und einem Dach über dem Kopf zurückgreifen können. Neuerdings dürfen wir auch ihre Waschmaschine und das Internet mit benutzen, haben uns hier also recht gut eingelebt.

Jedenfalls sind wir besagten Abends zur Runde dazugestoßen und uns erwartete ein Festmahl (verglichen zu 3x täglich Toast ist nahezu alles ein Festmahl) mit Fleisch, Kartoffeln und typisch neuseeländischem Allerlei. Marvyn bot uns auch erstmal ein Heineken an („Trinkst Du auch ein Bier?“ – „Klar, ich bin Deutsche!“ – „Brauchst Du ein Glas?“ – „Wozu? Ich bin Deutsche!“), was – das wirkt jetzt vielleicht nicht ganz so feminin, aber das musste sein – erstmal zügig geleert wurde. Herrlich (es sollten noch einige Heineken folgen). Nachdem wir uns den Wanst vollgeschlagen hatten, nahm man auch eine bequemere Sitzhaltung ein und wie mit einem „Blöp!“ wölbte sich der Bauch schwangerschaftsähnlich nach vorn. Egal – soll schnell würden wir kein Fleisch mehr sehen. Weiter am Abend stand dann das Netball-Finale der Frauen zwischen Neuseeland und Australien an. Netball ist vergleichbar mit Basketball, jedoch ohne Korb und irgendwie verdammt schnell. Da Australien und Neuseeland ein wenig verhasst sind, schnell noch ein paar üble Sprüche gegen Australien und dann gebannt mitgefiebert (das ganze Procedere ist zu mit einem Fußballspiel Deutschland-England oder Deutschland-Holland zu vergleichen). Da Neuseeland dieses Jahr bereits beim Rugby, Segeln und Cricket versagt hat, musste ein Sieg gegen Australien unbedingt her. (Kurze Anmerkung: lässt man im Gespräch mit einem Neuseeländer ein paar abfällige Bemerkungen gegen Australien fallen, ist man auf der Beliebtheitsskala weit nach oben geschossen. Hetzt man dann noch gegen Auckländer, ist man quasi Familienmitglied, denn Auckland ist unter dem Gros der Neuseeländer mehr als verhasst.) Leider kam es natürlich wie es kommen musste, knapp verlor Neuseeland gegen Erzrivalen Australien. So löste sich die Runde dann schnell auf, wir halfen noch ein wenig beim Abwasch und zum Dank haben wir einen Tiegel (bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir nur einen Topf), Eier und Schinken (man stelle sich vor!) bekommen. Wahnsinn, unser Kühlschrank füllte sich langsam aber sicher, die nächsten Tage gab es dann gerösteten Toast mit Käse überbacken und Schinken, dazu Spargel. Ein Wort über die bedingungslose und nahezu aufopfernde Hilfsbereitschaft der Neuseeländer: sowohl Brenda und Jon als auch Judy und Marvyn haben in ihrer Vergangenheit ähnliche Reisen unternommen und bilden damit auch die Mehrheit. Mittlerweile erscheint es, dass nahezu jeder zweite Neuseeländer mal „overseas“ war, und das überwiegend in Europa. So lässt sich diese Hilfsbereitschaft auch sehr gut erklären, sie geben nun das zurück, was man ihnen selber vor 20 oder sogar noch mehr Jahren zu Teil hat werden lassen. (Inzwischen sind wir auch zum Weihnachtsfrühstück bei der Tochter und zum Lunch bei den Eltern eingeladen).

Weiterhin sind wir ein wenig gefrustet gewesen, denn schnell haben wir festgestellt, dass sich mit Spargelpflücken nur recht wenig Geld verdienen lässt bzw. genug um über die Runden zu kommen und die Lebenskosten zu decken, aber zu wenig, um zu sparen oder gar aufgenommene Kredite für diese Reise zurückzuzahlen. So war recht schnell klar, dass wir einen zweiten Job brauchen. Bloß wo? Für Früchte sammeln bzw. Wein lesen ist es noch zu früh, die Saison beginnt erst Anfang nächsten Jahres, und Spargelsaison läuft gegen Weihnachten aus. Also haben wir unsere Fühler ausgestreckt und unser, mittlerweile sehr weitläufig gespanntes, Informationsnetz aktiviert. Heißt soviel wie: Mundpropaganda- irgendjemand kennt immer jemanden, der gerade arbeitswillige Leute braucht oder solche Farmer kennt- ein großer Vorteil einer Kleinstadt. So haben wir auch wirklich gute Tipps bekommen: zum einen Blumen pflücken und bei den zwei großen Fleischverarbeitungsfirmen der Umgebung sowie einer Bäckerei anfragen. Das hieß für uns Anfang der Woche wieder fleißig auf Jobsuche gehen, so langsam ist man geübt. Blumen pflücken fiel leider sehr ernüchternd aus, alle freien Stellen wurden bereits besetzt- ähnliches bei der Bäckerei. Durch die Weihnachtsferien und der gerade andauernden Semesterferien sind solch „seasonal jobs“ a) sehr begehrt und b) meistens schon vergeben. Also weiter zu den Großfleischereien. Einmal PPCS in Hawera und Riverlands in Eltham (ca. 10min von unserer jetzigen Heimat entfernt). Bei PPCS haben wir leider einen entscheidenden Fehler gemacht und angegeben, dass wir Backpaper aus Deutschland sind und nicht vorhaben, hier länger als nötig zu arbeiten. Sofort wurde an der Rezeption der rote Stift gezückt und genau dies vermerkt. Bei Riverlands haben wir uns da schon geschickter angestellt, auf die Frage hin wie lange wir vorhaben bei ihnen zu arbeiten, antworteten wir wie aus der Pistole geschossen: „Also mindestens März. Wenn nicht sogar länger!“. Gebongt. Früher gehen kann man immer, man muss den Firmen lediglich suggerieren, dass es sich rentiert uns anzuwerben. Also gut, Riverlands. Wir gleich die überall ausliegenden „Application forms“ (Bewerbungsformulare) ausgefüllt (Wer fleißig mitgelesen hat, kennt garantiert noch „Raschem“, unseren emsigen Inder aus der ASB-Bank in Auckland. Dieser hat uns damals mit abertausenden Passwortanfragen überhäuft und uns damit an den Rand des Wahnsinns gebracht. Mittlerweile hat sich das geändert- nun sind es die fast ein Dutzend Seiten umfassenden Bewerbungsformulare mit Lebenslauf, medizinischer Historie und abstrusen Fragen („Können Sie lesen und schreiben“ – „Nein, ich fülle dieses Bogen auf gut Glück aus?!“). Ächz.). Nach dem Ausfüllen bot uns die Sekretärin bei der Anmeldung gleich noch ein Gespräch mit dem Supervisor (ähnlich einem Abteilungsleiter) an, welches sich aber dank Lunchtime um ca. eine Stunde verzögerte. „Maui“, der Supervisor, meinte auch gleich, dass durchaus Bedarf an Stellen ist, sie aber mehrere Bewerber hätten. Es folgten Fragen wie „Könnt ihr ein Messer benutzen?“ – „Hä, bitte wie?“ – „Na ja, manche Bewerber hier haben benutzen Messer lediglich zum Brot buttern.“ - Ohne Kommentar. Manche Dinge muss man nicht verstehen. Und kommentieren schon gar nicht.

In den nächsten Tagen folgte dann der erlösende Anruf – genommen. Yes! Sind dann auch gleich zu Riverlands gefahren, unser Chef wurde uns vorgestellt und uns wurde erklärt, dass wir in der gleichen Schicht und in der gleichen Abteilung arbeiten, was natürlich angesichts Schlafen im Van äußert praktisch ist – schließlich gibt es Tag- und Nachtschicht. Außerdem würden wir vier Tage á 10 Stunden arbeiten und dann vier Tage frei haben. Um den Verdienst ranken sich momentan viele Mythen, viele meinen, dass wir nach unserer Zeit keine finanziellen Sorgen mehr haben bräuchten. Es sind teilweise Summen im Raum, die einen ganz schwindelig machen. Mal sehen, was Letztendendes im Vertrag stehen wird. Die nächste Hürde war dann der medizinische und der Drogentest, erster Test war innerhalb weniger Minuten abgehandelt, der zweite Test wird momentan noch im Labor ausgewertet. Sollte dieser negativ auf Drogen ausfallen (es gibt keinen Grund das Gegenteil anzunehmen) fangen wir kommenden Dienstag bei Riverlands an. Willi wird an der Säge arbeiten (und mit hoffentlich zehn Fingern Neuseeland verlassen) und ich werde Fleisch verpacken. Dem Geruch außerhalb der Anlage nach zu urteilen wird das Ganze eher etwas „yacky“ (findet der Neuseeländer etwas angenehm, lecker, schmackhaft heißt das „Yummy!“, etwas Eklig-abstoßendes wird mit „yacky“ ausgedrückt), aber für Geld macht der Mensch bekanntlich viel, wenn nicht sogar alles.

Apropos Fleisch (ja, heut ist viel Text, aber lest wirklich mal den nächsten Absatz zu Ende, es haut einen Städter, wie wir es sind, glatt vom Hocker). Es wird jetzt ein wenig blutig. Sehr blutig. Heute war Schlachttag (yacky). Auf dem Plan standen eine Kuh und zwei Schafe und natürlich findet man das interessant, sowas hat man ja noch nie gesehen- aber ein wenig flau war mir dennoch. Willi, der das ganze schon auf der Farm von Jenny & Jon gesehen hat, hat mir mehrmals eingeredet, dass man sich das unbedingt mal ansehen sollte- wann sonst bietet sich einem mal die Gelegenheit so etwas beizuwohnen? Mir war dennoch nicht ganz wohl, morgendlich von einem „Muh“ geweckt und abends mit einem „Muh“ in den Schlaf begleitet werden- und nun Schlachtung. Aber schließlich wissen wir ja, wo die Wurst herkommt. Willi kribbelte es schon, ich musste noch ein wenig mit mir hadern. (Ich glaube, Jungs müssen so etwas einfach spannend und faszinierend finden, ansonsten büßen sie wohl einen erheblichen Teil ihrer Männlichkeit ein.). Jedenfalls fuhr dann auch der Schlachter vor, der Truck mit „Home Kill“ beschrieben (wie praktisch- er killt zu Hause vor der Tür) und es steigt aus: ein 1a Anthony Hopkins Verschnitt, mit grau melierten Schläfen, einem kleinen untersetzten Bauch, kantigem Gesicht und zerzaustem Haar. Herrje. Nach kurzem Treiben wurde die „Zielkuh“ in die Enge getrieben und ein Kopfschuss aufgesetzt. Also mir ist echt anders geworden, vorher nur eine Banane gegessen und nun das. Ich beschreibe an dieser Stelle jetzt nicht, wie er weiter vorgegangen ist, ich finde, dass ist an dieser Stelle auch ein wenig deplatziert. Der Schlächter jedenfalls hat seine Arbeit relativ schnell erledigt und als die Kuh als solche auch nicht mehr zu erkennen war, wurde es auch einigermaßen erträglicher. Es ist auf jeden Fall eine Erfahrung, die man nicht unbedingt gemacht haben sollte, aber definitiv prägend ist- in jeglicher Auslegung. Der „fun“, wie es unser Mr Hopkins nannte, war aber noch lange nicht vorbei, zwei Schafe sollten folgen (mir hat die Kuh schon gereicht, nun diese niedlichen, kleinen, ungeschorenen Wollknäuel). Doch Schafe sind irgendwie komisch drauf. Von Todesangst durchströmt und Schreckliches witternd, rotteten sie sich zum Rudel zusammen- und als kein Ausweg mehr zu erkennen war: ab durch die Mitte. Heißt hier soviel wie: ab durch den Zaun- egal wie. Jetzt wurde es verdammt hektisch- alle Schafe pressten sich durch ein, in den stromdurchfließenden Zaun gerissenes Loch und rannten raus auf die Kuhweide. Dortige Zäune waren auch kein wirkliches Hindernis, und dann hieß es: „Ab aufs Spargelfeld!“. Glaubt es oder glaubt es nicht, während Mr Hopkins bereits ein Schaf ausweidete (eins konnte er erwischen), rannten wir den ausgebüxten Schafen quer übers Spargelfeld hinterher. Die Schafe, vollends von Panik angetrieben, trampelten wüst übers Feld, wir, zu viert, hoffnungslos hinterher (ich sah die Schafe schon in Freiheit). Eigentlich war heut unser freier Tag und eigentlich dachten wir, so langsam sei Ruhe einkehrt. Wieso kommt es eigentlich immer anders als man denkt? Also weiter den Schafen hinterher. Haben sie nach ewigen Treiben über mehrere Wiesen wieder Richtung Schlachter getrieben (der war jetzt mit dem ersten Schaf fertig und eilte mit Gewehr übers Feld – irgendwie beängstigend) und dann war auch das zweite Schaf in die Enge getrieben und leichte Beute für Hannibal Lector, der zum Kehlenschnitt ansetzte. Ein grausames Spektakel, die 25-jährige Tochter rannte weinend vom Feld, sie könne sich das nicht mit ansehen, und ich stand auch ein wenig verloren und wie Pik 7 da. Vielleicht werde ich in den nächsten Tagen das Ereignis einzuordnen wissen, jedenfalls etwas, was ich kein zweites Mal mit ansehen muss. Jedoch war es durchaus interessant mit anzuschauen, wie der Schlächter mit Kettensäge & Co. voranging. Und außerdem arbeitet man ja zukünftig bei Riverlands und hat dann hauptberuflich mit Fleisch zu tun. Was man nicht alles für Geld macht.

Wie immer gehen liebe Grüße in die Heimat, heute Abend eine geruhsame Nacht (ja, Hannibal war Kannibale) und tschüss bis zum nächsten Mal sagt

Maria

Sonntag, 18. November 2007

Spargelkönigin 2007

Der Titel der Spargelkönigin geht dieses Jahr nach Deutschland. Und das glasklar. Denn seit neuestem sind wir neuseeländische Spargelnahkämpfer und treten in der Königsdisziplin gegen grünen Spargel an. Aber mal Spaß beiseite: Anfang der Woche haben wir uns von Brenda und John Hubbard aus New Plymouth verabschiedet und sind in das eine Stunde entfernte, südlicher gelegene Hawera gefahren. Dort sagte man uns, gibt es Unmengen von Spargel, und ergo: wo Spargel verkauft wird, muss erstmal welcher gepflückt werden. Also nichts wie hin, hatten in der letzten Woche einige mehrere Ausgaben (z.B. Auto, Handy, Versicherung) und natürlich unsere horrenden Lebenserhaltungskosten (dazu später mehr) zu decken. Und Spargelstechen ist die einzigste Farmarbeit, mit der sich momentan Geld verdienen lässt. Die Saison für Grapefruits, Orangen & Co. beginnt erst im Sommer, und das ist in Neuseeland gegen Januar / Februar. In New Plymouth ist es für unsere Verhältnisse ja schon nahezu langweilig geworden- solche Dinge wie nach dem Einkaufen mit unserem Van an der letzten Kreuzung vor Zuhause mit einer defekten Schaltung liegenbleiben zum Beispiel. Das war krass (hier passt nur „krass“), aber fügte sich nahtlos in unseren bisherigen Verlauf ein. Wir fahren ganz entspannt vom Einkaufen nach Hause (man ahnt ja nichts böses) und halten an der Kreuzung an. Ich will den ersten Gang einlegen und denke: „Mmh, irgendwie ist das komisch- der Gang war doch vorhin noch da... wo ist der bloß?“. Nach ein wenig Getrieberühren war klar, das unsere Schaltung hinüber war. Wir sofort ausgestiegen und nach mehreren Minuten Ratlosigkeit boten uns schätzungsweise mehr als ein Dutzend Neuseeländer ihre Hilfe an. Ich habe vor Frust erstmal die gesamte, vorher gekaufte, Kekspackung gegessen, mein Kopfkino funktionierte prächtigst und spielte eine Horrorversion nach der anderen ab- mehrere hundert Dollar einfach mal fort, wir ohne Auto im fremden Land, etc... Oh je. Zum Glück (wir waren ja unweit unseres Hauses) hat Jon, unser Gastvater, das Debakel vom Haus aus gesehen und ist uns zu Hilfe geeilt. Wir wurden sogleich vom altbekannten Holden Monaro abgeschleppt (irgendwie konnt ich das nicht so recht genießen) und anschließend warf Jon einen Blick unters Auto. Nach ein paar Augenblicken urteilte er flink, dass es nix weiter Schlimmes sei und im Nu repariert ist. Kurze Anmerkung: Jon sieht nicht nur aus wie der Weihnachtsmann, in manchen Momenten scheint er es auch tatsächlich zu sein. Im Endeffekt war nur ein kleiner Drahtstift vor Altersschwäche gebrochen. Zum Glück hat er so einen auch noch vorrätig gehabt, und nun wissen wir auch, wie wir eine Schaltung wieder zum funktionieren bringen.
Unseren letzten Abend haben wir dann mit Brenda & Jon am hiesigen Strand verbracht, Barbecue gemacht und bei einem kleinen Strandfeuer dem Sonnenuntergang abgewartet. Ein angenehmer Abend um von New Plymouth und den Hubbards Abschied zu nehmen- die nächste Aufregung sollte nicht lange auf sich warten.
Den nächsten Tag sind wir dann nach Hawera gefahren und uns nach einem Job umgeschaut. Natürlich wusste keiner was vom Spargelstechen, also sind wir in einer Odyssee die Stadt abgewandert- neuseeländisches Arbeitsamt, Touristeninformation, in den Zeitungen geblättert, gelaufen, gelaufen, ... Letztendlich haben wir uns entschlossen nach Normanby zu fahren, einem Vorort von Hawera, bekannt für Spargelanbau. Und zufällig durch Ansprechen der ansässigen Einwohner und Farmern haben wir uns dann durchgefragt, bis wir endlich (da waren schon einige Stunden ins Land gegangen und die Launen gen Null gesunken) ein Schild sahen- „Fresh asparagus“ („Frischer Spargel“). Bombe. Also hin und Judy, die Farmerin, hat auch wirklich noch Bedarf an Arbeitern! Puh, da vielen mir persönlich ja schon sehr viele Steine vom Herzen- erstmal eine Arbeit und das heißt: Geld. Sind aber auch erstmal weitergefahren und haben uns nach weiteren Spargelanbauern erkundigt, jedoch sind wir nur noch auf einen solchen gestoßen und der hat sich aber selber durch eine eher neuseeländisch-untypische Grummeligkeit um zwei willige deutsche Arbeiter gebracht. Und ganz wohl war uns bei dem Gedanken an ihn und seine Familie auch nicht, es gab dafür keine konkreten Anhaltspunkte, aber Willi's und mein Bauchgefühl sagten uns, dass da irgendwas im Argen liegt.
Es wurde also Abend und wir suchten uns ein kleines gemütliches Plätzchen zum Schlafen (ein Glück, das Bett im Van!) und fanden ein kleines Stück Rasen unweit Judy's Farm, wo wir am nächsten Morgen zum Arbeiten auftauchen wollten. Also haben wir uns so langsam bettfertig gemacht und beim Zähneputzen einen Blick auf den in abendrote Stimmung getauchten Mount Taranaki mit Schneekuppe werfen zu können war auch mal was Anderes :). Dumm nur, dass das Plätzchen Rasen scheinbar an einer wirklich vielbesuchten Straße lag, sodass wir fortan von vorbeifahrenden Autos im Minutentakt geblendet wurden („Blend ab du Arsch, wir wollen schlafen!“) und auch nicht unbemerkt darf der alle paar Stunden vorbeifahrende Güterzug bleiben (ja, eine Eisenbahnstrecke lag auch quasi um die Ecke). Fantastisch, die Nacht war einfach nur klasse.
Jedenfalls arbeiten wir seit Montag bei Judy auf der Spargelfarm, ist ein wie sich rausstellt doch körperlich ein wenig anstrengender Job, aber für das Geld machen wir alles. Noch ein kleines Wort zum Essen: momentan ernähren wir uns ausschließlich von Toastbrot mit Käse und zum Frühstück Honig, den einzigen Luxus den wir uns geleistet haben ist ein Pack schwarzen Tee. Am Wochenende gibt es Spargel. Gekocht. Ähm. Trotzdem könnte es uns schlechter gehen, können im angrenzende Spargelpackhaus auf Strom und fließend kaltes Wasser zurückgreifen, haben einen Kühlschrank abgestellt bekommen, parken direkt auf der Plantage und heute konnten wir sogar in Judy's Haus duschen.
Kinder, ich sage euch wie sich die Wertschätzung mancher Dinge ändert: eine Dusche scheint unbezahlbar zu sein. (Und ihr wollt gar nicht wissen, wie lecker und nahrhaft so ein mit Käse belegtes Toastbrot sein kann.)
Wir werden also die nächste Zeit Spargelstechen (bis voraussichtlich Weihnachten) und Geld für weiteres Reisen zu sammeln. Außerdem haben wir auch schon einige Anfragen bei weiteren Firmen laufen (u.a. Fleischverarbeitung), denn mit Spargelstechen lässt sich nur schwer viel Geld erwirtschaften. Maximal deckt dies unsere Unkosten bezüglich Essen und Tanken, lässt aber weiteres Sparen nicht zu. (Und da es entweder regnet, bewölkt ist oder sogar hagelt (!) fällt die Spargelernte immer etwas mager aus, wir ernten nur jeden zweiten Tag und das auch nur für ca. 3-4h).
Nun denn, wir bleiben zuversichtlich und bis zum nächsten Eintrag fühlt Euch wie immer gegrüßt

Eure Maria

PS: Schön fleißig grünen, neuseeländischen Spargel kaufen, da könnt ihr sicher sein, dass ich da meine Griffel dran gehabt habe :)

Und - wie schon sehnsuechtig erwartet - ein paar Bilder:



Unser Auto - der Blusterfisch!

Jetzt wird er ausgeschlachtet:


Der 1972er Holden Monaro (Name: Spohie) und Jon, unser Gastvater in New Plymouth

Letzter Abend in New Plymouth - Barbecue am Strand und Sonnenuntergang:

Am Strand von Hawera (eine Stunde von New Plymouth entfernt), unserer jetztigen Heimat:

Freitag, 9. November 2007

Blusterfisch!

Vorgestern sind wir bereits frueh am Morgen aufgestanden um einige Dinge fuer unser neues Auto zu besorgen. Brenda, unsere sich allseits kuemmernde Gastmutter, sackte uns kurzerhand mit dem Auto ein und wir fuhren zu einigen Billigshops und innerhalb kuerzester Zeit waren wir stolze Besitzer einer nahezu umfassenden Haushaltseinrichtung mit Besteck, Tassen, Topf, Tellern, Kissen und Bettbezug. Nach einiger Recherche von Seiten Brendas hatten wir am Nachmittag dann auch eine funktionierende Herdplatte und eine Gasflasche hatten sie auch noch aufgetrieben. Es ist einfach schier unbegreiflich, was diese beiden hier auf die Beine stellen bzw. mit welcher Energie und Hilfsbereitschaft sie hier die Dinge vorantreiben. Sie sehen diese Dinge aber als mehr als selbstverstaendlich an, denn sie meint, wenn sie sich nicht untereinander helfen wuerden, wer dann?

Brenda hat ausserdem noch ihre Kontakte spielen lassen und fragt nach Jobs fuer uns an (im Moment ist wohl Schafscheren am aussichtsreichsten, muessten aber erstmal einen zweiwoechigen Kurs absolvieren) und hat auch ihrer Versicherungsagenten wegen einer billigeren Autoversicherung fuer uns eingeschalten.

Spaeter wurden wir noch von Brenda zum hiesigen Park gefahren und Willi und ich sind dann noch ein paar Stuendchen im Park gewandert um einfach mal die Seele baumeln zu lassen, fantastische Flora & Fauna zu bestaunen und uns die Sonne ins Gesicht scheinen zu lassen.

Am Abend dann war ich doch ein wenig fertig, schnell noch Zaehne putzen und dann ab ins Bettchen. Denkste. Jon hatte andere Plaene- und zwar eine kleine Spritztour mit einem original 1972 Holden Monaro! Wahnsinn! Der laeuft mit 300 und paar zerquetschten PS und das ist einfach der Tatsache geschuldet, dass er mit Gas faehrt anstatt mit Benzin- ansonsten waeren es weit mehr als 400 PS. Mir wurde dann auch schnell klar, wozu er das kleine Geraetchen, welches Polizeisignale empfaengt, braucht. Kaum aus der Garage raus, presste es uns mit voller Wucht in die Sitze, Jon hat einfach mal das Gaspedal voll durchgetreten. Ein Gefuehl, das sich schwer in Worte fassen laesst- das mit dem anschliessend ruhig in die Heia gehen konnte ich mir abschminken, mein Koerper pumpte Adrenalin ohne Ende. Erst recht als wir aus New Plymouth raus waren: auf der Landstrasse angehalten, dem Auto vor uns ein wenig Vorsprung gegeben und dann gib ihm! Das Heck brach leicht aus und Tempolimits waren eigentlich nur noch schmueckende Deko. Das koennt ihr euch nicht vorstellen, ich grabschte in dem Auto nach was zum festhalten und hatte ein Dauergrinsen im Gesicht. Was fuer ein Muscle Car. In der Stadt wurde noch schnell ein Burnout gemacht- auf der Hauptpromenade!- und dann entspannt nach Hause gecruist. Meine Kniee sollten noch lange danach zittern.

(An dieser Stelle einen kleinen Gruss an meine Mum: sag noch einmal, ich wuerde rasant fahren, da hast du noch nicht in diesem Monster gesessen!)

Gestern haben wir dann vormittags aus Europaletten Fuesse fuer das Bett gesaegt und ueber das Internet einige Farmen, in der Hoffung bald eine Arbeit zu haben, angeschrieben. Ausserdem hat uns Brenda eine Matratze organisiert und nachmittags haben wir dann bei der hiesigen Autoversicherung eine Versicherung abgeschlossen. Diese war zwar mit $425 die teuerste, jedoch mit der geringsten Eigenleistung. Heisst: rammen wir Auto, muessen wir fuer dessen Reparatur nur einen kleinen Beitrag zahlen- und bei Linksverkehr, der etwas chaotischen Fahrweise der Neuseelaender und bestimmt auch Schafen auf der Strasse ist die Wahrscheinlichkeit einen Unfall zu bauen ein klein wenig hoeher als in Good Old Germany. Anyway, abends wurde dann natuerlich mit einer 1 ½ Liter Flasche Heineken angestossen und Barbecue eingenommen. Da unsere Gasteltern jedoch einen stressigen Tag hatten, wurden bereits nachmittags Duftstaebchen angezuendet um den anschliessenden Marihuana-Konsum zu uebertuenchen. So sassen wir nun abends gemuetlich beisammen, aber da das Bier jedoch schnell alle war, gingen wir flugs zu selbstgebrannten Rum mit Cola ueber. Schon beim ersten Schluck dachte ich, ich wuerde auf der Stelle erblinden. Oh my goodness. Das war mal ein Rum, ein wenig in die Richtung Metaxa und sehr blumig. Tatsaechlich brauen sie in einem kleinen Schuppen den reinen Alkohol zusammen (das blubbert immer ganz niedlich) und fuegen anschliessend den Geschmack hinzu. So bekommt man wahlweise Gin, Whisky, Bourbon und so weiter und so fort, ihr merkt schon, sie sind recht gut eingerichtet :). Irgendwann haben wir alle zu ZZ Tops Eliminator-Platte getanzt, ausser Brenda, sie lag schon vor dem Kamin (das ist jetzt kein Scherz, das hat sich wirklich so zugetragen, man kann einfach nur den Kopf schuetteln).

Heute morgen stammelten wir alle nur ein kurzes “Mornin!...” und man haette denken koennen, Frankensteins Kabinett hat neu eroeffnet. Schnell unter die Dusche, hab uns allen noch Ruehrei gemacht und waehrend unsere Gasteltern einkaufen fuhren, haben wir noch ein wenig am Bett gebastelt. Ausserdem moechte ich gern anmerken, dass wir unseren Van auf “Blusterfisch” getauft haben, da er von vorn betrachtet wirklich einem Blusterfisch aehnelt. Sehr lustig ist uebrigens, wenn Brenda leicht lallend “Bluhasdafish” ausspricht, aber irgendwann am Abend war das dann auch egal.

Jetzt wird erstmal das Bett in den Van gebracht und ordentlich verschraubt und dann wollen wir noch Brendas Mum besuchen und wenn noch etwas Zeit bleibt, weiter New Plymouth entdecken.

Alsdenn, fuehlt Euch wie immer gegruesst und gedrueckt,

Maria

Dienstag, 6. November 2007

It never rains...

…in California. Aber wir sind ja hier in Neuseeland, und da laufen die Dinge ein wenig anders- seit meiner Ankunft regnet es ununterbrochen in Auckland. So auch heute morgen, als wir sehr früh aufgestanden sind um mit einem landesweiten Busunternehmen (InterCity) sechs Stunden nach New Plymouth zu fahren. New Plymouth liegt an der Westküste der Nordinsel und der Weg von Auckland nach New Plymouth führt über die landestypische hügelige Landschaft mit saftigen Weiden, Kühen und noch mehr Schafen, dazu meterhohe Farne die direkt neben Nadelgehölzen stehen. Und natürlich nicht den Mount Taranaki zu vergessen, mit ca. 2518m der, nach dem Mount Cook auf der Südinsel, zweitgrößte Berg Neuseelands mit einer schneeweißen Kuppe. Erfreulicherweise wurde das Wetter immer besser, den Mount Taranaki nicht wolkenverhangen zu sehen grenzt nach Willi’s ortskundiger Meinung an großes Glück. Irre.

In New Plymouth angekommen, wurden wir auch direkt von Brenda und einer Freundin abgeholt und mit nach Hause genommen. Ab jetzt wohnen wir bei Brenda und John, ein älteres Ehepaar, aber natürlich nicht so ein Ehepaar, wie man es sich vorstellen würde. Aber dazu später mehr. Willi kennt Brenda und John über couchsurfing.com, in seiner Anfangsphase in Neuseeland hat er sich nach einer kostenlosen Unterkunft in New Plymouth nach seiner Arbeit bei Jenny & Jon auf der Kälberfarm umgesehen und ist über dieses Portal auf die beiden gestoßen. Couchsurfing.com funktioniert ähnlich dem Geben & Nehmen-Prinzip, man bietet eine Schlafmöglichkeit an und kann dafür im Gegenzug bei Mitgliedern von couchsurfing.com weltweit unterkommen. Dies alles ist freiwillig und natürlich kostenlos. Also lernte ich endlich Brenda und John kennen, Willi hatte mir im Vorfeld ja schon merkwürdige Dinge erzählt, aber die Leute in natura vor sich zu haben ist schon ein Erlebnis. Eine Herzlichkeit und Gastfreundschaft, ich war direkt geschockt; Willi und Brenda werfen sich ein aufrichtiges „Love ya“ zu und ich wurde mit John per Umarmung begrüßt. Haben uns dann erstmal in der Küche eingefunden, nach drei Uhr nachmittags wurde schnell festgestellt ist, dass nun endlich die Zeit für selbstgebrauten Schnaps ist (es ist ein kleines Ritual nicht vor drei Uhr zu trinken und selbstgebraut ist am billigsten- Alkohol in Neuseeland ist wesentlich teurer als in Deutschland, aber bei weitem nicht so teuer wie in Skandinavien). Wir blieben aber abstinent, schließlich stand ja heut noch Autofahren auf dem Plan. Oh man. Der Verkäufer stand dann auch schon gleich vor der Tür und wir fanden uns kurze Zeit später in unserem Van, Modell Nissan Vanette 1986, wieder. Nicht nur das das Lenkrad auf der rechten Seite ist, nein auch die Gangschaltung kannte ich vorher nur aus Ami-Filmen. Links vom Lenkrad (wo bei uns der Blinker ist) eine knirschende, eigenwillige und äußerst sperrige 5-Gang-Schaltung. Problem natürlich das Anfahren- Kupplung kommen lassen, wenig Gas. Aber eh wir das hatten, schien in New Plymouth bereits die Abendsonne.

Jedenfalls brauchten wir für unser Auto (gekauft wurde per Handschlag) auch noch eine Versicherung, welche in Neuseeland jedoch keine Pflicht ist. Haben dann gleich der hiesigen Autoversicherungsgesellschaft (AA) einen Besuch abgestattet und ein Angebot eingeholt, Brenda telefoniert gerade noch bei einer anderen Gesellschaft, welche nur telefonisch erreichbar ist (solch formelle Anfragen sollte man nach Möglichkeit von Einheimischen regeln lassen, bei diesen Angelegenheiten ist es besser jemanden fragen zu lassen, der die Sprache und die Leute 100% versteht). Morgen wird dann bei einer von beiden die Versicherung abgeschlossen (abhängig vom Kostenunterschied).

Nach der ganzen Aufregung haben wir zu Abend gegessen, zum Nachtisch- wie konnte es anders sein- wurde Pavlova serviert (Brenda wollte Willi eine Freude bereiten, und glaubt mir, das ist ihr auch mehr als gelungen). Und auch nach dem x-ten Glas Selbstgebrautem wurde noch einigermaßen klar gesprochen, sie vertraute mir sogleich schnell an, dass sie öfters mal Marihuana raucht (Willi meint eigentlich immer)- wegen den Schmerzen (sie hat tatsächlich Rückenschmerzen uns ist daher auch Frührentnerin). Aha- das kann ja noch was werden.

Morgen werden wird dann erstmal alles etwas ruhiger angehen, erst ein wenig am Meer joggen (man läuft durch die Stadt und hat wahlweise Mt Taranaki oder das Meer im Rücken und blickt auf das jeweilig andere- amazing), frühstücken und dann ein wenig Sight-seeing betreiben.

Vielen Dank für Eure Kommentare und Emails, freue mich immer über Neues aus der Heimat,

Eure Maria

PS: Fotos werden so schnell wie möglich mit hochgeladen, sobald sich ein Minütchen mehr Zeit findet, aber da wir die nächste Woche erstmal relaxt angehen, stehen die Chancen nicht schlecht :)

PSS: Auf Wunsch einer einzelnen Dame: habe ein Nokia 2126 in pink- sehr chic.

Montag, 5. November 2007

Shop till you drop.

Gestern sind mir die Füße durch das stundenlange Sitzen im Flieger bedenklich angeschwollen, heute durch mühevolles Gerenne durch die Vorstadt von Auckland, Three Kings, in der wir wohnen.

Auf dem Plan standen Handy, Konto, Essen kaufen fürs Abendbrot und ein paar kleinere Dinge für Willi. Denn heute Abend gibt es Pavlova (in etwa ein festes Sahnehäubchen), ein neuseeländisches Nationalgericht und Willis neue Leibspeise. Aber nicht etwa von Einheimischen zubereitet! Nein, Willi hat sich ein neuseeländisches Kochbuch zugelegt und so werden die Gasteltern heute mit Lasagne bekocht und als Dessert gibt es Pavlova. Irgendwie ist das ein wenig verkehrte Welt, dass wir für die Kiwis einheimisches Essen zubereiten, aber ich freu mich schon darauf. Denn seit 8 Uhr sind wir auf den Beinen und haben die Vorstadt gestürmt. Sind dann auch mit der Absicht ein kostenloses Konto zu eröffnen in die erste Bank hinein und nach kurzem Warten an einen indischen Bankangestellten geraten, der allerdings die nächste Stunde irgendwie ratlos durch die Bank irrte und ständig seine Kollegen fragen musste. Oh my godness. Wir schauten uns kopfschüttelnd an und hatten ein äußerst mulmiges Gefühl in der Magengegend. Denn wir wussten nicht so recht, ob „Raschem“ verstanden hatte, dass wir ein kostenloses Konto haben wollten. Jedenfalls hat er sich erst an die Kontoeröffnung von Willi gemacht, dieser wurde alsgleich sofort mit Passwortfragen, Benutzernamen und allerlei bombardiert, wir haben relativ schnell festgestellt, dass es wesentlich einfacher ist, in Neuseeland ein Visum zu bekommen als ein Bankkonto zu eröffnen. Irgendwie hat es Raschem dann auch geschafft unsere Konten zu eröffnen, wir sehr erleichtert, haben auch alle Unterlagen und sogar schon die Karte bekommen. Habe dann meine Reiseschecks und restliche $US eingezahlt, was sich noch als sehr nützlich erweisen sollte. Denn bereits im nächsten Laden kam der Schock- auf der Suche nach einem günstigen Prepaid-Handy sind wir in einen vodafone-Shop gegangen und dort meinte die Verkäuferin, mein favorisiertes Modell (klein, billig, Nokia) gibt es nur noch in quietsche-pink! Oje. Na ja, in den sauren Apfel gebissen, mit der neuen Karte bezahlt und nun stolzer Besitzer einer neuseeländischen Nummer.

Mittlerweile schmort unser Dessert auch schon im Ofen, werden uns jetzt die Lasagne vornehmen und noch ein paar Dinge für Willi besorgen. Morgen wird dann das Auto geholt und wenn alles so klappt wie wir uns das vorstellen, schauen wir bei Willis alter Arbeitsstätte bei Jenny & Jon auf der Kälberfarm vorbei und machen eine kleine Tour rund um New Plymouth und den Mount Taranaki.

Also dann, fühlt Euch alle ganz lieb gegrüsst!

Sonntag, 4. November 2007

Frankfurt - Seoul - Auckland

Hallo ihr Lieben,

in den nächsten Absätzen werde ich nun grob abreißen, was ich in den letzten, äh inzwischen dürften es ca. 30-40h ohne Schlaf sein, erlebt habe.

Zunächst einmal ging es früh am Freitag, den 02.11.07, um 10 Uhr mit dem Zug von Dresden Hbf nach Frankfurt International Airport. Das war ein tränenreicher Abschied, ein paar der Handballmädels (Janett, Luisa, Geli & Mäggi) und natürlich meine Mum haben mich zum Zug begleitet und mir den Abschied alles andere als leicht gemacht. So ging es schweren Herzens, aber doch mit einem gewissen Kribbeln im Bauch Richtung Neuseeland. Planmäßig in Frankfurt angekommen, galt es noch eine schier ewig dauernde Wartezeit zu überbrücken und gelassen bleiben. Doch kurz vorm Einchecken ruft es auch schon hinter mir: „Maria!“ und voller Erstaunen stelle ich fest, dass mich Briti, meine Tante, soeben überrascht hat! Wahnsinn, ich habe mich doch schon sehr gefreut, sie hat auch gleich das Fernweh gepackt und wir haben dann die restliche Wartezeit einfach mal locker verquatscht (das ist bei uns beiden eigentlich auch kein Problem).

Nach erfolgreichem Durchchecken wartete ich dann mutterseelenallein in einem separaten Areal des Gates aufs Boarden. Plötzlich huschte ein kleiner schwarzen Klumpen über den Boden nahe der Fenster zur Rollbahn. Hä? Hatte mich denn schon etwa irgendeine Panik gepackt? Nein, eine kleine aber dennoch fellige Ratte mit sehr langem Schwanz wuselte mal eben durch einen Bereich, der durch mehrfache Sicherheitskontrollen und abgesperrte Zonen gesichert war. Soviel zum Thema Sicherheit.

Jedenfalls beim Warten zum Boarden hab ich noch die Bekanntschaft mit Michael aus Hannover gemacht, der machte mir auch gleich ohne Umschweife klar, dass es an Bord von Korean Air (die Fluglinie, die mich die nächsten Tage sicher nach Auckland bringen sollte) nur Seetang und typisch koreanisches Food gibt. Na klasse. Zum Glück kommt ja alles sowieso anders als man denkt, jedenfalls konnte man zwischen koreanischem und europäischem Essen wählen. Ein Glück. Aber auch sonst ein Kompliment an unsere asiatischen Duracell-Stewardessen: emsig um das Wohl des Passagiers bemüht, ständig eine zu finden. Bestes Beispiel: in einer 3er Sitzreihe saß neben mir noch eine jugendliche Wienerin (Kerstin) und nach kurzem Vorstellen haben wir uns dann auch schon an die Technik gemacht und einfach mal alle Knöpfe gedrückt, die wir so finden konnten. Keine zwei Sekunden stand auch schon unsere aus dem Ei gepellte und mit blauem Haarband verschnürte Stewardess auf der Matte, wir konnten uns nur noch feixend entschuldigen.

Aber auch der Rest des Services war für Economy erstaunlich gut – wir bekamen (kurze Zusammenfassung): Socken, Zahnbürste, Schlafbrille, Reinigungstuch, Leckerlis, Snacks und das Beste: vor dem Frühstuck einen nassen, warmen Waschlappen. Wahnsinn.

Nun denn, nach ca. 11h haben wir Seoul erreicht und sind auf dem für die WM 2002 gebauten Flughafen Incheon gelandet. Der gesamte Flughafen in einem futuristisch-sterilen Grundton, eine gesamte Ebene nur Duty-Free-Zone (Asiaten fahren tierischst auf Parfum ab, für den normalen Europäer kaum nachzuvollziehen, selbst im Flugzeug wird stündlich nachgesprüht). Die darüberliegende Ebene ist die sogenannte Transit-Lounge mit kostenlosem Internet und Sofas zum Ausruhen. Diese haben wir dann auch prompt genutzt, um unseren sechsstündigen Aufenthalt so schnell wie möglich zu überbrücken.

Es war inzwischen schon später Samstag als wir den Flieger nach Auckland bestiegen. Nocheinmal 11h, Zeitzonenverschiebung nicht berücksichtigt. Dadurch, dass aber beide Flüge Nachtflüge waren, hält sich der Jetlag in Grenzen, man behält seinen normalen Schlafrhythmus bei, ist natürlich aber ein wenig erschöpft.

In Auckland angekommen schnell ausgecheckt, Gepäck gegriffen und Visum kontrollieren lassen, war zum Glück alles in Ordnung. Willi stand auch schon zum Abholen bereit, es war schön dieses vertraute (und gebräunte!) Gesicht wieder zu sehen und natürlich die Gewissheit zu haben, heile angekommen zu sein. Er ist bereits seit zwei Monaten in Neuseeland und hat schon einige Kontakte knüpfen können, sodass wir bei Freunden (nahe Auckland) von seiner ehemaligen Gastfamilie in New Plymouth kostenlos wohnen können. Nach einer kleiner Sightseeing-Tour per Linienbus hat uns der Busfahrer per Zuruf auch liebenswerterweise nahe unserem Zuhause rausgelassen und wir waren relativ schnell in unserer Unterkunft bei Sylvia und Brian Davis, ein älteres und gesetzteres Ehepaar mit regem Mundwerk. Diese waren aber noch unterwegs, sodass mir Zeit zum Duschen und natürlich ausgedehntes Quatschen mit Willi blieb. Die Wohnung ist typisch englisch eingerichtet, mit kleinem Gärtchen und Garage (den Inhalt bekomm ich morgen bei einer Spritztour zu sehen) und das Beste: beheizbares Bett. Ein Traum.

Nachdem ich mich ein wenig frisch gemacht hatte (immer noch ohne Schlaf unterwegs) haben wir uns an die grobe Planung gemacht, wo es uns die nächsten Tage hin verschlagen soll. Dabei haben wir schnell festgestellt, dass wir einen Van brauchen. Denn Hostels kosten auf Dauer recht viel und ständig bei Gastfamilien zu wohnen wollten wir auch nicht. Des Weiteren werden hier Bustickets nach Stunden gekauft, heißt 15h Bus (überregional) kosten $150 (1€ = NZ$2) und für uns, die schließlich das gesamte Land sehen wollen, kann das ganz schnell ins Geld gehen. Also haben wir uns kurzerhand im Internet an die Recherche gemacht und nach laaaanngem Suchen einen Nissan Baujahr 1986 gefunden. Ein Traum von einem Van für $1200. Der einzige Haken: Standort New Plymouth. Wir haben uns mit unseren Gasteltern beratschlagt, und diese meinten, dass Willi’s ehemaliger Gastvater in New Plymouth (Jon, ein vernarrter Autofreak) sich diesen doch mal näher ansehen sollte. Ein paar Telefonate später (landesweite Gespräche sind in Neuseeland kostenlos) meinte Jon, dass wir uns diesen Van keinesfalls durch die Lappen gehen lassen sollten. Jon hat sich persönlich von dem Van überzeugt („The engine works like a clock“) und so fahren wir am Dienstag nach New Plymouth zu Jon und Brenda und holen unser neues „Zuhause“ ab. Bei denen können wir auch wieder umsonst logieren und sie können uns Arbeit im Norden der Nordinsel vermitteln. Denn unser Plan sieht vor Richtung Norden zu fahren (noch nördlicher als Auckland, welche im Übrigen keine wirklich schöne Stadt ist) und dann weiter nach Osten einmal an der Küste entlang bis nach Wellington, der Hauptstadt Neuseelands, in den Süden der Nordinsel. Dann wird es so gegen Februar sein, die perfekte Zeit um mit der Fähre zur Südinsel überzusetzen und in der nun beginnenden Erntezeit mit anzupacken und Geld zu verdienen.

Aber vorerst das Ziel Norden, wo es auf den saftigen Weiden und zahlreichen Farmen für uns hoffentlich Arbeit gibt und wir uns ein kleines Budget erarbeiten können.

Ich für meinen Teil werde nun so langsam in die Heia gehen, nachdem wir an meinem ersten Tag in Neuseeland bereits ein Auto gekauft, das Abendbrot gekocht und scheinbar stundenlang mit der Gastfamilie gequatscht haben. Es wird doch langsam Zeit fürs beheizte Bettchen, morgen wird erstmal ein Handy mit Prepaid gekauft, Erreichbarkeit ist das A und O in Neuseeland, und ein kostenloses Konto eröffnet.

Viele Liebe Grüße in die Heimat sendet Euch Eure Neu-Kiwi Maria!

Sonntag, 28. Oktober 2007

Packstress & Abschied feiern

So, nun endlich wieder nach langer Pause ein neuer Eintrag. Aber es war (und ist es immer noch) ein wenig hektisch. Man saust von einer Abschiedsfeier zur nächsten, zwischendurch noch Arbeiten und hier und da das Wichtigste schon mal zusammenpacken. Aber ja nichts vergessen! Habe schon tausende Listen geschrieben- Packliste, Anleitung für die Eltern im Falle X und natürlich ganz wichtig: Telefon- und Adressliste. Wenn man so resümiert, wer alles um eine Postkarte gebeten hat, ist man eigentlich die gesamte Zeit nur am Schreiben und Grüße senden :) Wird auch alles gemacht, aber einfach mal ab und zu hier vorbeischauen, da ist man immer auf dem aktuellsten Stand...

Vergangene Woche ist nun auch endlich auch der heißersehnte Rucksack gekommen, ein Bach Specialist mit 75 Liter Volumen. Willi hatte mir von einem 85l-Monstrum abgeraten, nachdem ich auch nach einem Praxistest mit selbigen nach fünf Metern zusammengebrochen war. Das kann ja noch was werden. Hier ein paar Bildchen:











Nächste Woche werden noch ein paar mittelschwere Bergschuhchen und ein praktischer Kompressionsschlafsack gekauft, und dann ist die Ausrüstung soweit komplett.

Nun zu den tollsten Abschlussfeiern (an dieser Stelle an alle nochmal ein herzliches Dankeschön für die gemeinsame Zeit und natürlich für Geschenke en masse).
Von den Handballmädels überrascht, folgte ein feuchtfröhliches Karaoke-Singen und unsere beliebte Werwolfspielerunde. An dieser Stelle darf auch das nicht ganz jugendfreie Geschenk nicht unerwähnt bleiben, großartig mit viel Liebe zum Detail :).
Mit der Familie ging es zum obligatorischen (Fr)essgelage zum neueröffneten Griechen um die Ecke, und nach ein-zwei Ouzo blieb kein Auge mehr trocken.
Und von den Freunden rund um die ehemalige Arbeitsgruppe im Uniklinikum wurde etappenweise Abschied genommen, irgendwie fand sich immer noch eine Gelegenheit um mit einem kühlen blonden Pils anzustoßen.
Heute Abend geht es bereits mit Freunden rund um den Abijahrgang '06 weiter, es wird gemütlich "gekneipt" und über alte Zeiten geschwafelt :)

Und so fährt man nun doch mit äußerst gemischten Gefühlen und ein wenig Magenschmerz... Aber wir wollen ja jetzt nicht sentimental werden, ihr werdet mich schon bald eher wiederhaben als euch lieb ist :)

Wer noch schnell mit auf die Adressliste möchte, melden!

Liebe Grüße, Maria

Samstag, 22. September 2007

Korrektur!

Diesen Post werde ich nun dazu nutzen, mich zu korrigieren. Denn man höre und staune, es gibt auch noch positive Überraschungen, die das Alltagsleben einen Tick angenehmer machen.
Am 13. diesen Monats habe ich per vierseitiger Formularmaske meine persönliche Angaben (einschließlich der Fragen, ob ich in meinem Heimatland polizeilich gesucht werde oder schwanger bin) an das neuseeländische Immigrationsblablabla zwecks Visum geschickt. Einige Klicks später war ich dann auch um $120 ärmer. So ganz traute ich dem Frieden zugegebenermaßen ja nicht, denn mit nur ein paar Häkchen hier und da und der Kreditkartennummer war das Geld innerhalb weniger Sekunden fort. Einfach so. Und allein der Antrag auf ein Visum garantiert den Erhalt eines solchen Papierchens noch lange nicht.
Ja denn, nun hieß es warten. Denkste! Es sollte bei weitem nicht so lange dauern wie in Post No1. beschrieben. Am 13. abgeschickt, und bereits am 16. (!) die Zusage erhalten, dazwischen lang sogar noch ein Wochenende. Wahnsinn. Da können sich unsere Behörden mal ein klitzekleines Scheibchen von abschneiden, aber diese Leier ist ja allseits bekannt.

Wo wir gerade bei heimischen Behörden sind: ich war dann auch auf der Führerscheinstelle und habe mir einen Internationalen Führerschein ausstellen lassen (sehr unspektakulär, ein kleines graues Heftchen in zig Sprachen und noch mehr Stempeln). Dies wird dort gleich vor Ort erledigt, einfach Führerschein, Personalausweis und aktuelles Foto mitbringen, dazu noch Geld, Geduld und Sitzefleisch.

Nach der Visum-Korrektur nun noch eine kleine Korrektur bezüglich des Reisezeitraums: werde nicht für ein volles Jahr nach Neuseeland reisen, sondern lediglich für ein halbes Jahr, plus minus ein oder zwei Monaten. Dies hat vielerlei Gründe (familiär, Freunde, fristgerechte Bewerbung für Studium) und wollte mal klargestellt werden.

Donnerstag, 13. September 2007

Departure Terminal 2 Frankfurt International

So, wie bereits gestern angedroht, wurde unserem hiesigen Flughafen ein Besuch abgestattet. "Mmh. Wann wollen Sie gleich noch mal fliegen?"- "Na so Anfang November wär nicht schlecht...". "Bitte? (gekünsteltes Lachen) Das ist doch nicht Ihr Ernst?! Manche Leute buchen solche Flüge bereits ein Jahr im Voraus!"- "Ja. Danke. Äh. Und? Gibt es jetzt noch freie Plätze oder nicht?" - Ja, wie sich herausstellte, gab es solche Plätze durchaus. Aber zu exorbitanten, utopischen, astronomischen, ja schlicht zum Haare raufen teuren Preisen.

Sind dann schnurstracks zum nächsten Schalter gelaufen und siehe da- die gleiche Airline, das gleiche Datum, die gleiche Reiseroute. Aber: der Preis! Hin- und Rückflug für die Summe, die wir bei der anderen Reisefirma allein für den Hinflug bezahlt hätten! Wahnsinn. (An dieser Stelle einen lieben Dank an den Papi, der mal wieder seinen, sagen wir, richtigen Riecher hatte.)

Also, um das Ganze mal ein wenig zu konkretisieren, Abflug ist der 2.11. ab Frankfurt über Seoul nach Auckland, wo dann schon der liebe Willi wartet (siehe: Despo on Tour-Blog)... Hinein ins Abenteuer, so langsam gibt es kein Zurück...

Dienstag, 11. September 2007

1-2-3 Aufbruch! Oder etwa nicht?


Dank dem reibungslos funktionierenden Paradebeispiel par excellence für deutschen Behördenwahnsinn im Bildungswesen - kurz ZVS (Zentralvergabestelle für Studienplätze) - sitze ich hier und tippe meinen Blog zusammen. Doch alles der Reihe nach:

Nach mehreren Anfragen (telefonisch, elektronisch, Brieftaube- nein, ich versuche nicht krampfhaft witzig zu wirken) kristallisierte sich dann so langsam aber sicher am 16.8. eine Absage heraus (zur Erinnerung: Termin war der 13.8. für Zusagen, der 14.8. für Absagen).
Dies sollte der Startschuss für ein besonderes Abenteuer werden: ein Jahr Ausland.
Bereits vor zwei bis drei Jahren gefasst, sollte der Entschluss nun konkrete Formen annehmen. Ziel: Neuseeland.
Sicherlich, in letzter Zeit neben den USA und Australien beliebtes Ziel von Travel & Work-Reisenden geworden, sollte das aber kein Grund sein, meinen jahrelang behutsam gehegten und gepflegten Traum zu realisieren.

So, Prolog vorbei, jetzt wirds ernst. Mit dem Gedanken "So schwer kann das doch jetzt nicht sein" im Hinterkopf macht man sich nun langsam an die Planung. Was man braucht? Ein One-Way-Ticket, einen großen Rucksack und eine ordentliche Portion Zuversicht und Trotz; "Was auch immer da auf mich zukommt- lösbar! Fremdes Land? Firlefanz, man hat ja schließlich Abi, ist im Gegsatz zu letztem Jahr deutlich erwachsener geworden und wächst bekanntlich mit den Aufgaben." Ähm. So in etwa. Wie die folgenden Wochen zeigen sollten, wurde ich in meinem Eifer doch ein wenig gebremst. Für ein Jahr Neuseeland nehme man:

  • Internationaler Führerschein (wird sofort in der Führerscheinstelle ausgestellt, das ist noch der einfachste Teil)
  • ausreichend verlängerter Reisepass ("Bitte recht grimmig schauen!" da biometrisches Passbild, neu ausgestellter Reisepass erblickt nach ca. 3 Wochen in den dunklen Kellern der Bundesdruckerei das Licht der Welt)
  • Visum (speziell nach Bedürfnissen des Einreisenden, hier: Work&Travel Visum, $120, Austellung dauert, dauert, dauert)
  • Auslandskrankenversicherung
  • Evtl. Meldung beim Arbeitsamt ("Gute Frau, von einem Freistellungsantrag habe ich ehrlich noch nie etwas gehört, und dabei bin ich schon recht lange hier angestellt!" - das mit dem Behördenwahnsinn hatte ich ja schon eingangs erwähnt)
  • Flugticket (früh buchen lohnt enorm, siehe nachfolgenden Punkt)
  • Geld... viel Geld
  • Ausrüstung
  • viel Überzeugungsarbeit bei Familie, Freunden, etc.
  • ausreichend Gelassenheit innehaben und Sicherheit ausstrahlen
  • Standardantworten auf sich immer wiederholende Fragen parat haben ("Wie, Du gehst nach Neuseeland?", "Wie lange denn?", "Kommst Du wieder?", "Warum denn eigentlich?" - Am besten ein Textmuster zurechtlegen, dem Betroffenen selbiges runterrasseln, Ausdauer und zwischendurch Atmen :) )
  • und vieles mehr...
Unter Garantie hab ich so einiges vergessen, aber was auf den ersten Blick wie ein verlängerter Urlaub mit Gratis-Lebenserfahrung, gehüllt in atemberaubender Landschaft, erscheint, ist es eben nun mal nicht. Daher sollte jeder Ränzleschnürer, der sich spontan zu einem Auslandsjahr entschließt, ca. 2-3 Monate (mindestens!) vorher mit seiner Spontanität beginnen.

Ich für meinen Teil werde diese Woche mal dem hiesigen Flughafen einen Besuch abstatten und im Bestfall buchen. Hust. Oder erstmal Überblick verschaffen. Angepeilt wird der 1. November als Aufbruchdatum, ob das eingehalten werden kann wird sich zeigen... Zuversicht!

Dies soll für den Anfang reichen... Nachti!