Donnerstag, 20. Dezember 2007

Krankenakte Blusterfisch

Armer, armer Blusterfisch. Was hat er in den letzten Tagen über sich ergehen lassen müssen. Angefangen hat es eines Morgens, als er schon ein wenig hüstelte und nicht so recht starten wollte (für neu dazugestoßene Leser: Blusterfisch ist der Kosename für unser mittlerweile 21 Jahre altes Automobil)- für nähere Details wird der letzte Blog-Eintrag wärmstens empfohlen.

Jedenfalls hatte ich ja versprochen, erlösende Entwarnung zu geben, falls es dem Blusterfisch wieder besser geht. Das ist nun endlich der Fall, aber bis dahin war es ein weiter Weg. Es wurde rumgedoktert, Organe wurden entnommen, neue eingesetzt- dies klingt professionell, war aber doch eher Resultat aus Frankensteins Versuchskabinett. Marvyn, unser Gastgeber und passionierter Autobastler, gab uns den Rat, den Anlasser auszubauen (nachdem er einige andere Dinge ausgeschlossen hatte)- gesagt, getan. Was dann folgte, scheint wie eine Szene aus einem Film: „Rollt doch einfach den Hügel herunter, legt nen Gang ein und startet den Motor.“- Bitte? Das ganze Procedere nennt sich „Kickstart“ oder auch „Jumpstart“, man zündet nicht den Motor, sondern belässt den Autoschlüssel in der vorigen Position. Und Hügel gibt es in Neuseeland en masse, also das Auto vom Hof auf die Strasse gerollt, geschoben, schnell reingesprungen und alles so gemacht, wie anfangs empfohlen- und es hat tatsächlich funktioniert! Man stelle sich das vor! Wie im Film, man zieht sich mithilfe des Karosseriebügels am Fenster schwungvoll ins Autoinnere, klemmt sich hinters Steuer und fährt los (das ist mal Stil!). Lasst Euch sagen, fragende Blicke und Achselzucken der umstehenden Zaungenossen sind Euch sicher. Garantiert. Auf jeden Fall wurde so ein etwaiger Getriebe- oder Motorschaden ausgeschlossen, es konnte nur noch am Anlasser liegen. Den hat Marvyn dann auch gereinigt und die Zahnräder etwas angefeilt, aber nach erneutem Einbauen mochte der Motor dennoch nicht so recht starten (die Antwort unserer Gastgeber war typisch neuseeländisch: „Ach egal, zumindest könnt ihr immer noch schieben und kickstarten. Ist doch nicht so schlimm.“ – „Genau…“). Nach weiterem Ursachenforschen wurde dann auch fix die Batterie ins Auge gefasst, die mit ihren zwanzig Lenzen nun vermutlich ihre Lebensdauer überschritten hatte. Also das Auto in alter Gewohnheit vom Hof gerollt und in die Stadt gefahren, um eine neue Batterie zu kaufen (inzwischen waren wir richtig geübt, sind so auch zum Einkaufen gefahren, einer ist schnell in den Supermarkt gesprintet und hat binnen fünf Minuten alles eingekauft, während der andere im Auto gewartet hat, der Motor lief, und ab und zu Gas gegeben hat- wer will schon einen Van auf einem vollen Parkplatz anschieben und sich zum Obst machen?). Gut, also bei einer hiesigen Werkstatt die Batterie gekauft und eingebaut. Aber das wäre jetzt an dieser Stelle auch zu einfach gewesen, wäre der Motor sofort angesprungen. Nein, natürlich nicht. Was nun? Der Automechaniker hat uns gleich zu einer weiteren Werkstatt mit Spezialisierung auf Anlasser dirigiert, nur eine Straße weiter. Doch den Motor hatte ich mittlerweile abgestellt, wie vom Werkstatthof kommen? Richtig, schnell ein weiteres Auto vor unseren Blusterfisch gespannt, Abschleppseil gestrafft und angeruckt (das mit dem Schieben wollte nicht so recht klappen, der Anlasser bzw. ein Teil der Zahnräder war vermutlich noch im Motor verkantet). Jedenfalls kann ich nun auch per Abschleppen den Motor starten, wobei ich dabei wieder Blut und Wasser geschwitzt habe, dem Vordermann nicht in den Kofferraum zu fahren. Herrje- sind dann gleich zur empfohlenen Werkstatt gefahren und haben einem echten Fachmann Einblick in unser Heiligstes gewährt. Er meinte nach einer fünfminütigen Analyse recht trocken, dass es der Anlasser ist (ach wirklich?) und er das bis zum Nachmittag repariert hätte. Nun ja, bis zur wirklichen Abholung sollte es noch bis zum nächsten Tag dauern, die bestellten Ersatzteile konnten erst über Nacht geliefert werden. Es stelle sich weiter heraus, dass das Urproblem die Zündung war (es wurde irgendwie immer mehr, die Krankenakte unseres Blusterfisches füllte sich unweigerlich zu einem kleinen Buch). Nach Zünden des Motors sollte der Schlüssel an und für sich wieder in die Schaltposition davor springen, das hat diese Zündung aber nicht mehr gemacht. Dies hat nun vermutlich dazu geführt, dass der Anlasser nach Antreiben des Motors weiterhin im Motor geblieben ist und sich so die Zahnräder rasant verschlissen haben- man hätte einen Anlasser nach dem anderen einbauen können, die defekte Zündung hätte sie alle umgehend ruiniert. Glücklicherweise sind die Gegenstücke der Zahnräder im Motor nicht weiter beschädigt worden – ein Wunder. Ende vom Lied: neue Zündung, neuer Anlasser, neue Batterie und unser Blusterfisch rauscht nun wieder über die Straßen wie eh und je. Gekostet hat uns der Spaß jeden umgerechnet 100€, das ist angesichts der „Schwere“ der Schäden noch recht vertretbar.

Nun denn, ich hoffe der kleine Ausflug in Automobilkunde hat Euch nicht zu sehr gelangweilt und ihr bleibt mir weiterhin als treuer Leser erhalten :)

Ansonsten haben heute wieder vier Tage Frei begonnen, angesichts der schlauchenden Arbeit im Schlachtgewerbe sind die auch dringend notwendig. Fahren morgen nach Waitara, das Haus der Eltern von unserem Supervisor Drew besuchen, wo uns ein Einzug offeriert worden ist. Weiterhin werden wir am Donnerstag unser, wie bereits im letzten Blog-Eintrag erwähnt, typisch asiatisches Abendessen haben. Apropos Arbeit bei Riverlands: gestern wurde anlässlich Weihnachtsfeier in den nächstgelegenen Pub geladen- Freibier und Barbecue. Das Bier ist nach der elfstündigen Schicht auch sehr gut vom Körper aufgenommen worden, wobei das Bier hier eher mit leicht trübem Wasser zu vergleichen ist. Heute morgen war dann auch endlich (dieses „endlich“ kommt von Herzen) der letzte Tag zum Spargelstechen und das Feld wurde anschließend versiegelt (so eine Knochenarbeit, werde demnächst bei ThyssenKrupp mal anfragen, ob die noch Stahl brauchen- hätte welchen in meinen Oberschenkeln). Dennoch, erst einmal erholen und ausspannen, eventuell sogar am Strand, und Energie für den Weihnachtsmarathon tanken.

Bis dahin, liebste Grüße aus Taranaki (so heißt die Region, in der wir uns befinden), natürlich wie immer verbunden mit ein paar Sonnenstrahlen ins kalte Deutschland!


Eure Maria


Ein paar Bilder noch als Nachtrag:

Strand von Waitara


Abendstimmung, Spargelfarm

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Huhu maria-lein!=)
ich hab bei thyssenkrupp angerufen- die melden sich bei dir!;)
höhö
ansonsten klopf dem blusterfisch mal von mir auf die schulter und vielen dank für den kleinen ausflug in die theorie^^
ich schreib dir bald eine mail!
*crrr und *wuschel