Sonntag, 18. November 2007

Spargelkönigin 2007

Der Titel der Spargelkönigin geht dieses Jahr nach Deutschland. Und das glasklar. Denn seit neuestem sind wir neuseeländische Spargelnahkämpfer und treten in der Königsdisziplin gegen grünen Spargel an. Aber mal Spaß beiseite: Anfang der Woche haben wir uns von Brenda und John Hubbard aus New Plymouth verabschiedet und sind in das eine Stunde entfernte, südlicher gelegene Hawera gefahren. Dort sagte man uns, gibt es Unmengen von Spargel, und ergo: wo Spargel verkauft wird, muss erstmal welcher gepflückt werden. Also nichts wie hin, hatten in der letzten Woche einige mehrere Ausgaben (z.B. Auto, Handy, Versicherung) und natürlich unsere horrenden Lebenserhaltungskosten (dazu später mehr) zu decken. Und Spargelstechen ist die einzigste Farmarbeit, mit der sich momentan Geld verdienen lässt. Die Saison für Grapefruits, Orangen & Co. beginnt erst im Sommer, und das ist in Neuseeland gegen Januar / Februar. In New Plymouth ist es für unsere Verhältnisse ja schon nahezu langweilig geworden- solche Dinge wie nach dem Einkaufen mit unserem Van an der letzten Kreuzung vor Zuhause mit einer defekten Schaltung liegenbleiben zum Beispiel. Das war krass (hier passt nur „krass“), aber fügte sich nahtlos in unseren bisherigen Verlauf ein. Wir fahren ganz entspannt vom Einkaufen nach Hause (man ahnt ja nichts böses) und halten an der Kreuzung an. Ich will den ersten Gang einlegen und denke: „Mmh, irgendwie ist das komisch- der Gang war doch vorhin noch da... wo ist der bloß?“. Nach ein wenig Getrieberühren war klar, das unsere Schaltung hinüber war. Wir sofort ausgestiegen und nach mehreren Minuten Ratlosigkeit boten uns schätzungsweise mehr als ein Dutzend Neuseeländer ihre Hilfe an. Ich habe vor Frust erstmal die gesamte, vorher gekaufte, Kekspackung gegessen, mein Kopfkino funktionierte prächtigst und spielte eine Horrorversion nach der anderen ab- mehrere hundert Dollar einfach mal fort, wir ohne Auto im fremden Land, etc... Oh je. Zum Glück (wir waren ja unweit unseres Hauses) hat Jon, unser Gastvater, das Debakel vom Haus aus gesehen und ist uns zu Hilfe geeilt. Wir wurden sogleich vom altbekannten Holden Monaro abgeschleppt (irgendwie konnt ich das nicht so recht genießen) und anschließend warf Jon einen Blick unters Auto. Nach ein paar Augenblicken urteilte er flink, dass es nix weiter Schlimmes sei und im Nu repariert ist. Kurze Anmerkung: Jon sieht nicht nur aus wie der Weihnachtsmann, in manchen Momenten scheint er es auch tatsächlich zu sein. Im Endeffekt war nur ein kleiner Drahtstift vor Altersschwäche gebrochen. Zum Glück hat er so einen auch noch vorrätig gehabt, und nun wissen wir auch, wie wir eine Schaltung wieder zum funktionieren bringen.
Unseren letzten Abend haben wir dann mit Brenda & Jon am hiesigen Strand verbracht, Barbecue gemacht und bei einem kleinen Strandfeuer dem Sonnenuntergang abgewartet. Ein angenehmer Abend um von New Plymouth und den Hubbards Abschied zu nehmen- die nächste Aufregung sollte nicht lange auf sich warten.
Den nächsten Tag sind wir dann nach Hawera gefahren und uns nach einem Job umgeschaut. Natürlich wusste keiner was vom Spargelstechen, also sind wir in einer Odyssee die Stadt abgewandert- neuseeländisches Arbeitsamt, Touristeninformation, in den Zeitungen geblättert, gelaufen, gelaufen, ... Letztendlich haben wir uns entschlossen nach Normanby zu fahren, einem Vorort von Hawera, bekannt für Spargelanbau. Und zufällig durch Ansprechen der ansässigen Einwohner und Farmern haben wir uns dann durchgefragt, bis wir endlich (da waren schon einige Stunden ins Land gegangen und die Launen gen Null gesunken) ein Schild sahen- „Fresh asparagus“ („Frischer Spargel“). Bombe. Also hin und Judy, die Farmerin, hat auch wirklich noch Bedarf an Arbeitern! Puh, da vielen mir persönlich ja schon sehr viele Steine vom Herzen- erstmal eine Arbeit und das heißt: Geld. Sind aber auch erstmal weitergefahren und haben uns nach weiteren Spargelanbauern erkundigt, jedoch sind wir nur noch auf einen solchen gestoßen und der hat sich aber selber durch eine eher neuseeländisch-untypische Grummeligkeit um zwei willige deutsche Arbeiter gebracht. Und ganz wohl war uns bei dem Gedanken an ihn und seine Familie auch nicht, es gab dafür keine konkreten Anhaltspunkte, aber Willi's und mein Bauchgefühl sagten uns, dass da irgendwas im Argen liegt.
Es wurde also Abend und wir suchten uns ein kleines gemütliches Plätzchen zum Schlafen (ein Glück, das Bett im Van!) und fanden ein kleines Stück Rasen unweit Judy's Farm, wo wir am nächsten Morgen zum Arbeiten auftauchen wollten. Also haben wir uns so langsam bettfertig gemacht und beim Zähneputzen einen Blick auf den in abendrote Stimmung getauchten Mount Taranaki mit Schneekuppe werfen zu können war auch mal was Anderes :). Dumm nur, dass das Plätzchen Rasen scheinbar an einer wirklich vielbesuchten Straße lag, sodass wir fortan von vorbeifahrenden Autos im Minutentakt geblendet wurden („Blend ab du Arsch, wir wollen schlafen!“) und auch nicht unbemerkt darf der alle paar Stunden vorbeifahrende Güterzug bleiben (ja, eine Eisenbahnstrecke lag auch quasi um die Ecke). Fantastisch, die Nacht war einfach nur klasse.
Jedenfalls arbeiten wir seit Montag bei Judy auf der Spargelfarm, ist ein wie sich rausstellt doch körperlich ein wenig anstrengender Job, aber für das Geld machen wir alles. Noch ein kleines Wort zum Essen: momentan ernähren wir uns ausschließlich von Toastbrot mit Käse und zum Frühstück Honig, den einzigen Luxus den wir uns geleistet haben ist ein Pack schwarzen Tee. Am Wochenende gibt es Spargel. Gekocht. Ähm. Trotzdem könnte es uns schlechter gehen, können im angrenzende Spargelpackhaus auf Strom und fließend kaltes Wasser zurückgreifen, haben einen Kühlschrank abgestellt bekommen, parken direkt auf der Plantage und heute konnten wir sogar in Judy's Haus duschen.
Kinder, ich sage euch wie sich die Wertschätzung mancher Dinge ändert: eine Dusche scheint unbezahlbar zu sein. (Und ihr wollt gar nicht wissen, wie lecker und nahrhaft so ein mit Käse belegtes Toastbrot sein kann.)
Wir werden also die nächste Zeit Spargelstechen (bis voraussichtlich Weihnachten) und Geld für weiteres Reisen zu sammeln. Außerdem haben wir auch schon einige Anfragen bei weiteren Firmen laufen (u.a. Fleischverarbeitung), denn mit Spargelstechen lässt sich nur schwer viel Geld erwirtschaften. Maximal deckt dies unsere Unkosten bezüglich Essen und Tanken, lässt aber weiteres Sparen nicht zu. (Und da es entweder regnet, bewölkt ist oder sogar hagelt (!) fällt die Spargelernte immer etwas mager aus, wir ernten nur jeden zweiten Tag und das auch nur für ca. 3-4h).
Nun denn, wir bleiben zuversichtlich und bis zum nächsten Eintrag fühlt Euch wie immer gegrüßt

Eure Maria

PS: Schön fleißig grünen, neuseeländischen Spargel kaufen, da könnt ihr sicher sein, dass ich da meine Griffel dran gehabt habe :)

Und - wie schon sehnsuechtig erwartet - ein paar Bilder:



Unser Auto - der Blusterfisch!

Jetzt wird er ausgeschlachtet:


Der 1972er Holden Monaro (Name: Spohie) und Jon, unser Gastvater in New Plymouth

Letzter Abend in New Plymouth - Barbecue am Strand und Sonnenuntergang:

Am Strand von Hawera (eine Stunde von New Plymouth entfernt), unserer jetztigen Heimat:

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

hallo mary,
danke für die bilder. nach willis blogeintrag lese ich stets deinen. interessant, was ihr gleich und was ihr verschieden seht. lasst euch nicht unterkriegen. not macht bekanntlich erfinderisch. so werdet ihr ohne teures studium euern erfindergeist schulen.
viele grüße von der willi-mama

Anonym hat gesagt…

huhu blusterfisch!
da kannst du mal sehen welchen luxus wir jedesmal nach dem training hatten mit dem duschen...auch in der 123. ;)
naja also ich hab im fernsehn gesehen das es schwerer ist weißen spargel zu ernten als grünen : D hihi
euer auto sieht toll aus!- wie ein bluster eben!
ansonsten viel spargel- erfolg und durchhaltevermögen und auf das das wetter besser wird!=)
liebste grüße von dem bald wieder dickbackigen fretchos....