Sonntag, 9. März 2008

Weihnachten die Zweite.

Liebe Freunde der seichten literarischen Unterhaltung: zuersteinmal sei eine kleine Entschuldigung vorangestellt, dass ich Euch so lange hab warten lassen. Aber die letzten Wochen bestanden hauptsächlich aus Arbeit (ächz!) und noch mehr Arbeit. Denn, wie der fleißige Blogleser weiß, arbeiten wir vier Tage und haben anschließend vier Tage frei. Durch unsere Gastmutter Judy haben wir nun außerdem noch den Kontakt zu unseren unmittelbaren Nachbarn vermittelt bekommen, die Lilien anbauen und diese überall in die weite Welt hin exportieren. Nach kürzerem Vorstellen konnten wir dann eine weitere berufliche Tätigkeit unserem Lebenslauf hinzufügen: Blümlein pflücken. Im Gegensatz zum körperlich anstrengendem Spargelstechen ist das ein Witz. Zumal wir nicht einmal selber auf dem Feld herumgesprungen sind, sondern gemütlich um 9 Uhr in der Früh im Packhaus erschienen sind, um dann entspannt die Blumen zu binden und zu sortieren. Dies haben wir nebenbei an unseren freien Tagen gemacht (man gönnt sich ja sonst nix), somit noch ein wenig die Kasse aufgefüllt und Kontakte gepflegt. Mittlerweile ist die Saison aber zu Ende und man sieht sich nun wieder vier Tagen frei gegenüber. Denkste! „Nicht das noch Langeweile aufkommt“, dachte ich mir und habe mich für freiwillige Extraschichten auf Arbeit im Schlachtbetrieb einschreiben lassen (ich blöde Gans). Denn im wahrsten Sinne des Wortes stellt Riverlands für mich eine goldene Kuh dar, die ich finanziell noch richtig ausschlachten möchte, ehe es auf große Reise geht. Doch dazu später mehr. Die Arbeit der Extraschicht besteht größtenteils aus Fleischverpacken und Zuschneiden, sodass ich bereits nach fünf Minuten aussehe wie Sau. Von oben bis unten mit Blut besprenkelt, kleine Akzente setzen diverse Fleischstückchen, die dann je nach hektischer oder weniger ruppiger Arbeit an der Schürze kleben. Lecker. Als ob das nicht schon längst genug wäre, arbeitet man im extra herunterreguliertem Kühlhaus. Na klasse- an meinem ersten Arbeitstag im sogenannten „Chiller“ (Kühlraum) sind mir dermaßen die Fingerchen eingefroren, dass ich Probleme hatte, mein Frühstück noch während der Pausenzeit zu essen. Erst durch viel Vitamin B habe ich dann Stoffhandschuhe bekommen, doch die linderten den Schmerz nur minimal. Egal, am Ende des Tages klingelt die Kasse, das ist es, was zählt. Zumindest im Moment. Denn eine weitere große Änderung hat sich ergeben: Willi hat seine Pläne neu geschmiedet und bleibt nun bis einschließlich Juni Angestellter bei Riverlands. Da ich aber bereits vor Juni zwecks Studienbewerbung längst wieder in der geliebten und bereits stark vermissten Heimat ankommen muss, fällt diese Variante für mich flach. Mein letzter Arbeitstag wird nun Ende März sein (schon bald, ich bin schon ganz aufgeregt!) und dann beginnt das eigentliche Reisen in diesem Sinne- Aufbruch zur Südinsel. Dort bleibt mir dann ca. ein knapper Monat um die gesamte Südinsel einmal zu umfahren, ehe ich per Fähre wieder auf die Nordinsel übersetze und dort die Ostküste und den Norden erkundschafte. Mitte Mai heißt es dann auch schon wieder: „Fasten your seatbelts and ready to take off!“ („Anschnallen und bereitmachen zum Start!").

Jedenfalls mache ich mich allein auf die Reise, begleitet werde ich natürlich weiterhin vom Blusterfisch (der arme Kleine!), Tipps von allen Neuseeländern, die von meinen Reiseplänen hören („Mache dies unbedingt, lass' das sein, pass auf dich auf, fahre da keinesweg lang und überhaupt und so und so...“), Adressen zum Übernachten und Leute treffen (bin schon fleißig am Sammeln), Reiserouten, die ich mir minutiös im Kopf zurechtlege, Panikattacken („Maria! Was machst Du, wenn das Auto liegenbleibt?“), weiter zu berechtigten Ängsten („Wenn nun aber der Kettensägenmörder hinter Dir aus dem Busch springt?“) und Respekt vor dem Wetter (es wird kalt... sehr kalt). Aber ich bin schon voller Vorfreude, so sehr, dass ich bereits jetzt die Fähre von Wellington (Hauptstadt Neuseelands, im Süden der Nordinsel) nach Picton (Anlagestelle im Norden der Südinsel) gebucht habe (sicher ist sicher, man weiß ja nie, Umbuchen kann ich bis einen Tag vor Abreise immer noch). Wie so vieles ging das Buchen per Internet, bequem, schnell und zuverlässig.
Ich bin noch lange nicht an der Stelle angelangt, die es mir erlaubt, ein Fazit meines Neuseelandaufenthaltes zu ziehen, aber ich darf durchaus vorwegnehmen, dass ohne das Internet vieles nicht möglich gewesen wäre bzw. nicht zu realisieren ist oder aber sich gewisse Dinge deutlich schwieriger umsetzen lassen würden (Kommunikation nach Hause zum Beispiel, mein Emailfach sprengt alle Rekorde und auch dieser Blog, der eine bestimmte Beziehung zu Euch herstellt). Dies nur am Rande.
Damit mich der kleine schnucklige Van auch überall sicher und zuverlässig hinbringt, habe ich mich entschlossen, den altersschwachen Radiator (Kühler) durch unseren Stammmechaniker in Hawera ersetzen zu lassen. Mit tatkräftiger finanzieller Unterstützung von Willi (einen lieben Dank hierfür nun auch virtuell, weiß auf blau) ließ sich das auch schnell und unkompliziert realisieren, nun bekommt der Blusterfisch keine Hitzewallungen mehr. Morgen wird auch der WOF (Warrant of fitness, entspricht in etwa unserem TÜV, jedoch nicht mit den gleichen strengen Reglementierungen) erneuert und ich erlebe hoffentlich keine weiteren unliebsamen Überraschungen mehr.

Nun zur Überschrift und was es damit auf sich hat: „Weihnachten die Zweite“ wirft nun ersteinmal ein großes Fragezeichen in den Raum. Tatsächlich jedoch haben Brenda und John in New Plymouth Besuch von Brenda's Schwester aus Australien bekommen und zu diesem Zweck sollte Weihnachten nachgefeiert werden. Wir waren dazu herzlich eingeladen und so sind wir mit einem kleinen Wichtelgeschenk vergangene Woche zum Weihnachtsfest im Februar erschienen. Es war eine gesellige Runde, mit einem leckerem Festschmaus und natürlich gab es auch ein kleines Geschenk für uns: Willi hat Getränkeuntersetzer mit dem Abbild des Mount Taranaki für seine Bar geschenkt bekommen und mich ziert seit dem eine wunderschöne Halskette mit dem Anhänger einer Pauamuschel, die an erlesenen Strandplätzen quer über Neuseeland gefunden werden kann. Diese Muschel hat die besondere Eigenschaft, dass sie mich fortan auf meinen Reisen „beschützen“ soll, insbesondere bei Reisen über das Wasser. Na dann, auf die Fährüberfahrt bin ich schon sehr gespannt.


Des Weiteren ein weiterer Umbruch in unserem Alltagsleben: wir sind umgezogen! Lange genug haben wir nun schon bei unserer Spargelfamilie hausen dürfen, seit Mitte November vergangenen Jahres. Da dies ein doch schon längerer Zeitraum ist und ein baldiges Weiterziehen spürbar in der Luft lag, suchten wir die Augen offen haltend nach einer baldigen Umzugsmöglichkeit. An der Warenausgabe auf Arbeit war dann auch ein Aushang zu finden, der genau dies offerierte. Gegen eine akzeptable Summe gibt's seitdem Essen, warmes Bett und Dach überm Kopf. Der Haken an der Sache: das neue Heim liegt mitten in der Pampa. Wirklich im Nirgendwo. Bis auf Arbeit fährt man ca. 20 Minuten, aber für drei Wochen nimmt man das in Kauf. Zur Untermiete sind wir bei einer älteren Frau mitsamt Hund und drei Katzen, neuseelandtypisch ist das Haus etwas „unaufgeräumt“ (mein Zimmer ist im Vergleich ein Sterilraum), da die meisten Kiwis nicht wirklich Wert auf ein geordnetes Heim legen. Dies mutet zunächst etwas chaotisch an, aber einmal daran gewöhnt ist man quasi „abgehärtet“ und reduziert sich in seinen Bedürfnissen auf das Wesentliche: Dusche, Kühlschrank, Bett. Weiterhin ist die Gutste, die mit Nachnamen übersetzt „Mondstern“ heißt, etwas esoterisch angehaucht, das Haus ziert etwas zuviel Nippes und in Anlehnung an den Namen findet man überall Dinge, die auf diesen hinweisen: Mond und Sterne. Na ja, ist schließlich nicht für lang, am 4. April geht meine Fähre, nach Wellington abreisen werde ich aber bereits am 2. April, die Stadt besichtigen und sicher gehen, dass ich die Fähre nicht verpasse.

Zuvor sind wir aber noch mehrmals zu Jenny & Dave eingeladen- einmal, um wieder eine legendäre Cocktailparty zu feiern und wenig später um gemütlich in kleiner Runde meinen Abschied zu „feiern“. Aprospos Abschied: ein mulmiges Gefühl, sich bald von allen Menschen, weniger nahestehenden aber auch mittlerweile zu Freunden gewordenen Mitmenschen verabschieden zu müssen. Wer an meine Abschiede in Dresden zurückdenkt, weiß, dass Abschiede feiern nicht gerade zu meinen Stärken gehört.

Wie dem auch sei, lasst Euch wie immer herzlich drücken und fühlt Euch neuseeländisch gegrüßt, Eure Maria

PS: In der Fotogalerie sind ein paar Bilder von unserem letzten Tagesausflug auf dem "Forgotten World Highway" ("Highway der Vergessenen Welt") zu finden. Viel Spaß beim Stöbern!
Und noch ein Video, welches belegt, dass Schafe eindeutig strunzblöde sind.


3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

huiiii!
das schaf ist aber niiiedlich!=) du kannst mir ja eins mitbringen!*tehihi
alsoooo ich freu mich sehr das du in absehbarer zeit zurückkehrst!: D
nur eins ist doof: das mit männertag und bollerwagen wird ja leider nichts weil männertag ja schon am 1.mai ist...
das muss also nachgeholt werden!^^
so mein lieblings blusterfisch ich wünsche dir erstmal alles gute weiterhin und natürlich das du die fähre nicht verpasst!
mach kein mist und geh mit niemandem mit!
hihi
liebste grüße, dein fretchos!

Briti hat gesagt…

Hallo kleine Bergziege, du kannst doch die armen Tierchen nicht so in Panik versetzen! Bin ja gespannt, auf wen du in Jagd im Straßenverkehr machst, wenn du wenn du wieder daheeme in Germany bist... Viel Spaß und tolle Erlebnisse auf der Südinsel und pass ja auf dich und deinen süßen Blusterfisch auf! Wir wollen ja schließlich deinen Geburtstag gebührend feiern... (wir sind jetzt schon auf Diät). Also noch fleißig Kohle scheffeln und dann ab in den Süden! Allerliebste hinterwäldlerische Grüße aus Black Forest
P.S. Schöne Muschel!

Best Poker Rooms hat gesagt…

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