Nur eine kurze Info nach Deutschland geschickt: wir sind schon wieder umgezogen. Ehe Ihr Euch nun die Hände über den Kopf zusammenschlagend fragt, was denn nun wieder passiert ist: alles in Ordnung. Keine Panik.
Wie im letzten Blogeintrag bereits erwähnt, war das neue Heim nicht wirklich sauber und reinlich. Gerade als "Rucksacktourist", der dazu noch überwiegend im Van haust, schraubt man seine Ansprüche generell etwas herunter. Man braucht keine vergoldeten Wasserhähne im Bad, keine Edelpatina auf dem Dach oder Esstische aus Edelkirsche. Aber wenigstens eine gewisse Sauberkeit sollte das Heim schon haben. Gerade in der Küche, wo Mahlzeiten und Essen zubereitet werden. Dies war im Haus der älteren Dame, die noch von einer gerade vorgenommenen Hüft-OP laboriert und dementsprechend mobil ist, nicht der Fall. Angerissenes Hundefutter kuschelt zusammen mit anderen Lebensmitteln im Kühlschrank, gammelige Bananen liegen im Schrank für Teller und Tassen und Fliegen überall. Das kulinarische Desaster folgte sogleich am ersten Abend: die Hausbesitzerin war noch im Krankenhaus, wir aber bereits eingezogen und Willi hat sich an das Abendessen für eine Freundin der Hausbesitzerin, die die Tiere und das Haus hütet, und uns gemacht. Chefkochtypisch wurde ich zum Reiskochen degradiert und wie sich später herausstellen sollte, war das eine durchaus dankbare Angelegenheit. Denn, um die Sache mal abzukürzen, Details gibts in Willis Partnerblog, fing der Ofen plötzlich an zu rauchen und zu qualmen. Vorheizen ist anders. Die geplante Hühnchenpfanne löste sich wahrhaftig in Rauch auf, stattdessen gab es schließlich Reis mit Brot.
Ihr seht schon, worauf ich hinaus will: wenn man darauf achtet, sich möglichst nichts beim Zubereiten von Essen einzufangen bzw. die Haushaltsgeräte in der Küche ein solches Zubereiten erst gar nicht erlauben, dann ist irgendwas verkehrt. So kam das Angebot unserer philippinischen Arbeitskollegin (Erdhörnchen) gerade richtig, die uns ein Zimmer in ihrer riesigen Apartmentwohnung offeriert hat.
Jeder Arbeitskollege bekommt von uns im Laufe der Zeit automatisch einen Spitznamen weg, denn in Anwesenheit der betreffenden Person kann man ja schließlich nicht ungehemmt über denjenigen reden. Dank ihrer kleinen, gedrungenen Statue und ihrer mehr als markant-schrillen Lache hat unsere Mitarbeiterin Flora also schnell den Spitznamen "Erdhörnchen" verliehen bekommen, der wirklich wie die Faust aufs Auge zutrifft.
Sie wohnt in der nächstgrößeren Stadt Hawera (11 000 Einwohner), welche ca. 15 Minuten von Arbeit entfernt ist, in einer sehr geräumigen Wohnung mit vier Zimmern und einem Wohnzimmer. Drei Zimmer stehen zur Untermiete und glücklicherweise ist eine ältere Dame gerade ausgezogen, sodass wir freudestrahlend das freigewordene Zimmer nun unser Eigen nennen dürfen. Die anderen Zimmer bewohnen ebenfalls Philippinesen, alle recht freundlich und vor allem: sauber. Das ganze Zusammenleben ist mit einer multikulturellen Jugendherberge zu vergleichen, jeder kommt und geht wann er will, ab und zu trifft man sich in der Küche (sauber!) und abends verschwindet jeder in sein Zimmer. Dazu kommt, dass wir nun endlich wieder mitten in der Stadt leben (Stadtkinder zieht es eben doch wieder zurück) und es ist eine gelungene Abwechslung, wieder zivilisiert in vier Wänden zu schlafen. Noch dazu, wenn keine Kuh durch die Scheibe glotzt und sich im nächsten Augenblick lautstark erleichtert.
Neulich hatten wir Besuch bekommen und Willi und ich schauten uns an: "Na heu, den kennen wir doch!". Richtig, es war ein Schlachter von Arbeit, der dank seinen muslimischen Glaubenshintergrundes die Tiere segnet, die dann in muslimische Länder exportiert werden. Dieses Procedere nennt sich "Halal" und bezeichnet eben diese Tiere, dessen Fleisch mit Extrastempel in besonderen Kartons in die betreffenden Länder hin verschifft wird.
Jedenfalls meinte Willi dann ganz überschwänglich, dass wir nun auch endlich unseren eigenen Terroristen haben, was von mir jedoch mit einem strengen Blick gerügt wurde. Also sowas.
Da die neue Wohnung in einem Lagerhausareal mitten an der Hauptstraße Haweras liegt, befindet sich hinter dem Haus Anlieferungs- und Beladungszonen für die einzelnen Läden. Problematisch ist dies in dem Falle, wenn man sein Auto parken möchte. Und der kleine Blusterfisch ist ja doch schon etwas sperrig, aber nach kurzer Einweisung vom Erdhörnchen hat sich auch ein Parkplatz gefunden. Nun sind wir eines schönen Tages von Arbeit nach Hause gefahren und das Erdhörnchen quieckte ganz erschrocken: "Hey Mary, where's your van?" ("[...], wo ist dein Auto?"). Gute Frage eigentlich. Verdammt! Wo ist der Van? (Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr merkt, dass was mächtig vor den Baum fährt und es langsam anfängt in den Beinen zu kribbeln?). Genau- wie auf Knopfdruck schaltete sich mein Kopfkino an, ratter ratter, kein Auto - kein Transport - keine Südinsel - kein Reisen - kein Geld - bis zum Ende des Neuseelandaufenthaltes bei Riverlands am Band malochen. Filmriss.
Eine WG-Mitbewohnerin hat gerade Wäsche aufgehangen und kam nun mit betretener Miene und Wäschekorb unterm Arm gekrallt auf uns zu und verkündete die bereits befürchtete Nachricht: "Wir haben ein Problem", (-"Ach, wirklich?", dachte ich mir, "bitte jetzt nicht unnötiges Drama!"), "der Van ist abgeschleppt worden.". Was ist los? Abgeschleppt? Himmel hilf, ich hatte die Handbremse angezogen und den ersten Gang eingelegt, wie schleppt man dann ab, ohne irgendwas kaputt zu wirschen?
Nach einem wirklich anstrengenden Arbeitstag war ich nun auch nervlich dem Ende erschreckend nahe, Flora hat mich dann gleich zum Eigentümer mitgenommen und der hat uns breitgrinsend verkündet, dass er den Van leider abschleppen lassen musste, da er Lieferwege blockiert hat. Flora hatte mir beim Einweisen in die Parkplätze zwar gesagt, dass das Parken dort erlaubt sei, aber vergessen zu erwähnen, dass man dies nur nachts dürfe. Und das schließt "tagsüber" nun mal klassisch aus. Na ja, wie dem auch sei, gegen eine - im Vergleich zu deutschen Verhältnissen - moderate Gebühr (ca. 40 Euro) war der Blusterfisch aus den Fängen der Abschleppmafia befreit und steht nun auf der Straße vor einer Kirche, die hoffentlich ab und zu einen Patron rausschickt, der über ihn wacht und eine schützende Hand über ihn hält.
Anbei noch ein Foto mit Blick auf Haweras "High Street", im Hintergrund Mt. Taranaki, aufgenommen von der Balkonveranda.

Ihr seht schon, worauf ich hinaus will: wenn man darauf achtet, sich möglichst nichts beim Zubereiten von Essen einzufangen bzw. die Haushaltsgeräte in der Küche ein solches Zubereiten erst gar nicht erlauben, dann ist irgendwas verkehrt. So kam das Angebot unserer philippinischen Arbeitskollegin (Erdhörnchen) gerade richtig, die uns ein Zimmer in ihrer riesigen Apartmentwohnung offeriert hat.
Jeder Arbeitskollege bekommt von uns im Laufe der Zeit automatisch einen Spitznamen weg, denn in Anwesenheit der betreffenden Person kann man ja schließlich nicht ungehemmt über denjenigen reden. Dank ihrer kleinen, gedrungenen Statue und ihrer mehr als markant-schrillen Lache hat unsere Mitarbeiterin Flora also schnell den Spitznamen "Erdhörnchen" verliehen bekommen, der wirklich wie die Faust aufs Auge zutrifft.
Sie wohnt in der nächstgrößeren Stadt Hawera (11 000 Einwohner), welche ca. 15 Minuten von Arbeit entfernt ist, in einer sehr geräumigen Wohnung mit vier Zimmern und einem Wohnzimmer. Drei Zimmer stehen zur Untermiete und glücklicherweise ist eine ältere Dame gerade ausgezogen, sodass wir freudestrahlend das freigewordene Zimmer nun unser Eigen nennen dürfen. Die anderen Zimmer bewohnen ebenfalls Philippinesen, alle recht freundlich und vor allem: sauber. Das ganze Zusammenleben ist mit einer multikulturellen Jugendherberge zu vergleichen, jeder kommt und geht wann er will, ab und zu trifft man sich in der Küche (sauber!) und abends verschwindet jeder in sein Zimmer. Dazu kommt, dass wir nun endlich wieder mitten in der Stadt leben (Stadtkinder zieht es eben doch wieder zurück) und es ist eine gelungene Abwechslung, wieder zivilisiert in vier Wänden zu schlafen. Noch dazu, wenn keine Kuh durch die Scheibe glotzt und sich im nächsten Augenblick lautstark erleichtert.
Neulich hatten wir Besuch bekommen und Willi und ich schauten uns an: "Na heu, den kennen wir doch!". Richtig, es war ein Schlachter von Arbeit, der dank seinen muslimischen Glaubenshintergrundes die Tiere segnet, die dann in muslimische Länder exportiert werden. Dieses Procedere nennt sich "Halal" und bezeichnet eben diese Tiere, dessen Fleisch mit Extrastempel in besonderen Kartons in die betreffenden Länder hin verschifft wird.
Jedenfalls meinte Willi dann ganz überschwänglich, dass wir nun auch endlich unseren eigenen Terroristen haben, was von mir jedoch mit einem strengen Blick gerügt wurde. Also sowas.
Da die neue Wohnung in einem Lagerhausareal mitten an der Hauptstraße Haweras liegt, befindet sich hinter dem Haus Anlieferungs- und Beladungszonen für die einzelnen Läden. Problematisch ist dies in dem Falle, wenn man sein Auto parken möchte. Und der kleine Blusterfisch ist ja doch schon etwas sperrig, aber nach kurzer Einweisung vom Erdhörnchen hat sich auch ein Parkplatz gefunden. Nun sind wir eines schönen Tages von Arbeit nach Hause gefahren und das Erdhörnchen quieckte ganz erschrocken: "Hey Mary, where's your van?" ("[...], wo ist dein Auto?"). Gute Frage eigentlich. Verdammt! Wo ist der Van? (Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr merkt, dass was mächtig vor den Baum fährt und es langsam anfängt in den Beinen zu kribbeln?). Genau- wie auf Knopfdruck schaltete sich mein Kopfkino an, ratter ratter, kein Auto - kein Transport - keine Südinsel - kein Reisen - kein Geld - bis zum Ende des Neuseelandaufenthaltes bei Riverlands am Band malochen. Filmriss.
Eine WG-Mitbewohnerin hat gerade Wäsche aufgehangen und kam nun mit betretener Miene und Wäschekorb unterm Arm gekrallt auf uns zu und verkündete die bereits befürchtete Nachricht: "Wir haben ein Problem", (-"Ach, wirklich?", dachte ich mir, "bitte jetzt nicht unnötiges Drama!"), "der Van ist abgeschleppt worden.". Was ist los? Abgeschleppt? Himmel hilf, ich hatte die Handbremse angezogen und den ersten Gang eingelegt, wie schleppt man dann ab, ohne irgendwas kaputt zu wirschen?
Nach einem wirklich anstrengenden Arbeitstag war ich nun auch nervlich dem Ende erschreckend nahe, Flora hat mich dann gleich zum Eigentümer mitgenommen und der hat uns breitgrinsend verkündet, dass er den Van leider abschleppen lassen musste, da er Lieferwege blockiert hat. Flora hatte mir beim Einweisen in die Parkplätze zwar gesagt, dass das Parken dort erlaubt sei, aber vergessen zu erwähnen, dass man dies nur nachts dürfe. Und das schließt "tagsüber" nun mal klassisch aus. Na ja, wie dem auch sei, gegen eine - im Vergleich zu deutschen Verhältnissen - moderate Gebühr (ca. 40 Euro) war der Blusterfisch aus den Fängen der Abschleppmafia befreit und steht nun auf der Straße vor einer Kirche, die hoffentlich ab und zu einen Patron rausschickt, der über ihn wacht und eine schützende Hand über ihn hält.
Anbei noch ein Foto mit Blick auf Haweras "High Street", im Hintergrund Mt. Taranaki, aufgenommen von der Balkonveranda.


2 Kommentare:
also ganz ehrlich... wenn du schon mit den wörtern sparst, dann doch bitte ganz, sonst steh' ich immer in einem "licht" da, welches... egal
das erdhörchen wurde von uns im übrigen nach einer figur aus "die rotkäppchenverschwörung" benannt...
armer, teurer blusterfisch!^^
höhö
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