Achtung, viel Text! Eine Warnung an all diejenigen, die jetzt unmittelbar Gefahr laufen, gnadenlos ihre Mittagspause zu überziehen (Grüße an den hartarbeitenden Teil meiner Familie), den anstehenden Arzttermin zu verpassen (Großeltern und Urgroßcousine und -cousin seid ebenfalls gegrüßt), das folgende Handballtraining zu verschwitzen (Mädels, immer lasst es klatschen und knallen), einfach nur das allabendliche Feierabendbier zu verpeilen (Freunde, auch Euch einen herzlichen Gruß) oder aber das Essen in der Küche anbrennen zu lassen (einen ebenso lieben Gruß an die Willi-Mama).
Das Beste (da Spannendste) kommt jedoch zum Schluss- zuersteinmal wusste ich nicht, wie ich diesen Blogeintrag gestalten sollte, mit welchen interessanten Informationen ich meine fleißigen Leser diesmal füttern sollte.
So entschied ich mich anfangs, unser Alltagsleben zu skizzieren, quasi den Rahmen für unsere Abenteuer. Doch lest selbst, denn in literarisch disziplinierter Art und Weise wird in Form einer Klimax aus dem Rahmen Abenteuer.
Den Anfang macht die Außensicht auf Willi und mich. Es ist doch immer wieder erstaunlich, in welche Beziehungsstadien wir gedrängt werden. Neulich wurden wir beim Lunch auf Arbeit von unseren philippinischen Arbeitskollegen (ihr erinnert Euch, da waren zum einen unser ständig feixendes Erdhörnchen und die liebenswürdige Jenny, bei der wir bereits zum asiatischen Dinner eingeladen worden und kürzlich Cocktailtrinken waren) auf unser Verhältnis angesprochen. "Seid ihr denn nicht verheiratet?" - "Was zur Hölle...? - Nein! Singles!!!". Ständig zumindestens als Pärchen gehalten - ok. Nun aber der Sprung zum getrauten Paar? Ach du große Güte, sind wir schon so alt? Aber mittlerweile können wir mit der Beziehungssituation ganz gut umgehen und geben souverän an, bereits fünffache Eltern zu sein (das wird auch noch geglaubt!). Generell scheint man hier so seine Probleme zu haben, das Alter von uns Europäern einigermaßen korrekt zu schätzen. Willi wird regelmäßig für mindestens Mitte 20 gehalten und auch ich gehe verdammt straff auf die 30 zu. Da wird einem glatt Angst und Bange.
Auch mit der Nationalität scheinen einige Neuseeländer ein kleines Zugehörigkeitsproblem zu haben- letztens wurde ich als Kanadierin eingeschätzt, was mir dann doch schmeichelte. Im Großen und Ganzen jedoch wird man weiterhin für "Germans!" gehalten und per nächsten Satz auch gleich zum "Guten-Tag-in-Deutsch-Aufsagen" genötigt.
Das Beste (da Spannendste) kommt jedoch zum Schluss- zuersteinmal wusste ich nicht, wie ich diesen Blogeintrag gestalten sollte, mit welchen interessanten Informationen ich meine fleißigen Leser diesmal füttern sollte.
So entschied ich mich anfangs, unser Alltagsleben zu skizzieren, quasi den Rahmen für unsere Abenteuer. Doch lest selbst, denn in literarisch disziplinierter Art und Weise wird in Form einer Klimax aus dem Rahmen Abenteuer.
Den Anfang macht die Außensicht auf Willi und mich. Es ist doch immer wieder erstaunlich, in welche Beziehungsstadien wir gedrängt werden. Neulich wurden wir beim Lunch auf Arbeit von unseren philippinischen Arbeitskollegen (ihr erinnert Euch, da waren zum einen unser ständig feixendes Erdhörnchen und die liebenswürdige Jenny, bei der wir bereits zum asiatischen Dinner eingeladen worden und kürzlich Cocktailtrinken waren) auf unser Verhältnis angesprochen. "Seid ihr denn nicht verheiratet?" - "Was zur Hölle...? - Nein! Singles!!!". Ständig zumindestens als Pärchen gehalten - ok. Nun aber der Sprung zum getrauten Paar? Ach du große Güte, sind wir schon so alt? Aber mittlerweile können wir mit der Beziehungssituation ganz gut umgehen und geben souverän an, bereits fünffache Eltern zu sein (das wird auch noch geglaubt!). Generell scheint man hier so seine Probleme zu haben, das Alter von uns Europäern einigermaßen korrekt zu schätzen. Willi wird regelmäßig für mindestens Mitte 20 gehalten und auch ich gehe verdammt straff auf die 30 zu. Da wird einem glatt Angst und Bange.
Auch mit der Nationalität scheinen einige Neuseeländer ein kleines Zugehörigkeitsproblem zu haben- letztens wurde ich als Kanadierin eingeschätzt, was mir dann doch schmeichelte. Im Großen und Ganzen jedoch wird man weiterhin für "Germans!" gehalten und per nächsten Satz auch gleich zum "Guten-Tag-in-Deutsch-Aufsagen" genötigt.
Ein weiterer Punkt in der Kuriositätenliste ist sogleich eine Warnung: Kiwis und Alkohol = Obacht! Das kann auch ganz schnell böse ins Auge gehen. So geschehen zum Beispiel letztens: wir waren wieder bei Jenny und ihrem Mann David zum Cocktailabend eingeladen, und Jenny, philippinischer Abstammung, betonte im Vorfeld mehrmals, dass sie noch nie richtig betrunken war und sich schon sehr auf diesen Abend freue. David, genannt Dave, berichtete uns jedoch schon stolz, dass er bereits im Münchner Hofbräuhaus seine Erfahrungen mit deutschem Bier gemäß dem Reinheitsgebot gemacht hatte (Bier ist hier in Neuseeland eigentlich nur eine müde Plörre, und mit deutschem Bier nicht zu vergleichen). Nun dann, fleißig wurde für besagten Abend eingekauft: Früchte, Nonalkoholika, Schirmchen für die Gläser und ein paar Cocktailtipps gabs von Brenda und John aus New Plymouth (wen wunderts?), alkoholische Getränke haben die anderen gestellt, schließlich sind wir ja nach wie vor bettelarme Rucksacktouristen. Angekündigt hatten sich neben ein paar Freunden von Jenny & Dave auch mehrere Arbeitskollegen, darunter sogar mehrere Supervisor. Letztenendes hat es von den Supervisors leider nur Anthony samt Frau geschafft, aber wie sich herausstellte, sollte das schon reichen. Jenny kredenzte wie immer Köstlichkeiten aus Fernost und nach dem Dinner ging man nahtlos zum Karaoke-Singen über. Und zum Cocktailtrinken. Oje, es folgten die schon fast obligatorischen Tequila Sunrise-Cocktails bis hin zu Black und White Russian (sehr lecker), sowie Freddy Fuddpucker (im Suff schafft man dann nur noch ein "Freddy Fuckfucker") und Harvey Wallbanger. Wer diesen Abend geschmacksecht nachvollziehen möchte, mixt sich mit einem Teil Galliano, einem Teil Tequila und sechs Anteilen Orangensaft den Freddy Fuddpucker oder anstelle von Tequila nehme man Wodka und erhält den Harvey Wallbanger. Dazu klickt man sich noch durch die Bildergalerie dieses Blogs (aber erst fertig lesen!) und schaut sich die Partybildchen an.
Und wie zu jeder Feierlichkeit gab es auch an diesem Abend reichlich Drama: Anthony, mittlerweile sturzbetrunken, gab dem Drängen seiner Frau nach Hause zurückzukehren nicht so recht nach, sodass diese irgendwann entnervt die Party verlassen hat. Nicht ohne jedoch vorher versucht zu haben, ihren Göttergatten in einer halbstündigen Überredungstortur vom Sofasessel loszueisen. Das Ende vom Lied war dann (wie sich am nächsten Morgen herausstellte), dass sie nach Auckland zu ihrer Schwester gefahren ist, und er überlegt, wieder bei seiner Mutter einzuziehen. Da staunten wir nicht schlecht, als uns Jenny den Tratsch brühwarm zum Rührei und Schinken auftischte. Der nachfolgende Tag wurde dann ausgiebigst zum Erholen gebraucht, so eine Nacht rächt sich früher oder später dann eben doch.
Weiterer Punkt ist alles rund ums Automobil. Dass unser Auto (der süße Blusterfisch!) etwas ganz Spezielles ist und seine Streicheleinheiten auch ständig von seinen Besitzern einfordert- dies ist bekannt (nach einem starkem Regenguss wollten die Scheibenwischer nicht mehr ausgehen, aber mit der nun - zwangsläufig - angelernten Kiwi-Gelassenheit haben wir auch das wieder geregelt bekommen - einfach Motor aus und wieder angelassen, Problem gelöst, Maria aber nach wie vor zittrig). Ansonsten fährt man auf außerstädtischen Straßen eine 100 (wir nur 80) und was sich auch noch "Highway" schimpft, ist in Wahrheit nur eine normale Straße mit jeweils einer Spur pro Richtung und aller paar Kilometer noch eine kurze Überholspur. Dafür fahren hier ca. 70% aller Autofahrer mit derb getunten und enorm aufgemotzen Untersätzen durch die Landschaft, das kann man sich nur schwer vorstellen. In Großstädten hört man es bei schönen Wetter und natürlich am Abend an jeder Ecke röhren und quietschen, schließlich muss man ja zeigen was man hat und Kiwis sind von Natur aus sehr stolz - auf was auch immer. Einen TÜV gibt es im direkten Sinne nicht, das Gefährt muss lediglich die Bestimmung erfüllen, dass es fährt und dabei nicht noch auseinander fällt.
Neuseeländer an sich fahren außerordentlich risikobetont, aber auch eingewanderte Deutsche stehen dem in Nichts nach. Dies konnten wir nun in unseren letzten vier freien Tagen erleben. Eigentlich waren wir "nur" zu Besuch bei Jenny & John in Bell Block, Willis ehemalige Farmeltern aus seiner Anfangszeit in Neuseeland. John erwähnte dann beiläufig, dass Jana, eine vor ca. drei Jahren nach Neuseeland eingereiste und seitdem hier lebende Dresdnerin nachts den Mount Taranaki besteigen wolle. Sie ist mit einem der Söhne von Jenny & John zusammen und steht daher mit der Familie eng in Kontakt. "Aha", dachte ich, "den Berg wollteste doch schon immer mal besteigen, eventuell bietet sich ja nun endlich die Gelegenheit dazu- einen Guide inklusive, das klingt verlockend.". Denn wie sich später herausstellen sollte, hat Jana die Bergbesteigung nicht zum ersten Mal gemacht. Die Besteigung meines geliebten Berges mit immerhin 2.518 m nachts- das versprach Nervenkitzel und eine weitere Aktivität ohne Touristenmassen. Den ganzen Tag liebäugelte ich mit der Gipfelstürmung und ein wenig kribbelte es schon in der Magengegend. Ein paar SMS später ("Brauchen wir bestimmte Sachen?" - "Warme Sachen, da saukalt, Wanderschuhe, Wasser, Müsliriegel, Stirnlampe, Wind-/Regenjacke") wurde die Sache konkreter.
Dann ging alles sehr schnell, Abendessen hintergeschlungen, Sachen gepackt, Schnittchen geschmiert. In einer Nacht- und Nebelaktion sind wir Mitternacht zum Treffpunkt aufgebrochen. Am Leib hatte ich Unterwäsche, zwei Paar Socken, kurze Shorts, lange Wanderhose, ein Thermoshirt, ein Pullover, eine Stoffjacke, eine Trainingsjacke und ein Wind- und Regenjacke, Schal und Mütze griffbereit. Ich sah nicht nur aus wie ein Michelin-Männchen, ich konnte auch dessen Bewegungsradius nachvollziehen. Nun gut, also hinters Autosteuer geklemmt, zum Treffpunkt mit Jana und einem weiteren Bergsteiger (ein Inder namens "Vish") gefahren und gemeinsam dann innerhalb einer halbstündigen Autofahrt nach Egmont Village gefahren, dem "Basislager". Und, um den Bogen zu schließen, Jana ist in ihrem Auto vornweggerast. Mitten in der Nacht! Willi ist neben mir gestorben, wir konnten kaum aufschließen, da der nächste Straßenabschnitt im Dunkeln und trotz Fernlicht kaum auszumachen war. Fix und fertig ausgestiegen und dem Berg bereits sehr nahe. Dachten wir zumindestens. Frei nach dem Motto: "Mensch, sind wir nah dran! Und schau mal, so hoch sieht der gar nicht aus!" (der geneigte Leser mag sich bereits jetzt schon denken: "Nachtigall, ick hör' dir trapsen..."). Willi jedenfalls hatte schon früh beschlossen, die Nacht lieber im Van zu verbringen, ein wenig Höhenangst und die Überzeugung, bereits genug neuseeländische Abenteuer durchlebt zu haben, hatten ihn zu dieser Entscheidung bewogen. So sind wir, Jana, Vish und ich, nach einem Ausrüstungscheck aufgebrochen. Der Mond beleuchtete uns den Weg nahezu taghell und wir erklommen die ersten Höhenmeter. Doch bereits nach zehn Minuten ließ der Inder abreißen und stieß ein klagevolles "Ich kann nicht mehr" hervor. Es wurde nun filmreif: knieend schaute er uns an und meinte, das schmerzverzerrte Gesicht vom Mondlicht umschmeichelt, dass es nicht mehr gehe, und wir doch ohne ihn weitergehen sollten. Ich wusste nicht mehr, wie mir geschah. Kitschig? Nach Drehbuch? Wirklichkeit? Es nahm dramatische Züge an, Jana antwortete, er solle erstmal was esen, sie werde ihn nicht zurücklassen. Mein Kopfkino funktionierte trotz der Uhrzeit gewohnt prächtigst, sofort spielten sich Filme ab, in denen nach dem 10-Männlein-Prinzip die Spannung darin besteht, dass die Gruppe im Laufe des Filmes durch Unvorhergesehenes kontinuierlich dezimiert wird. Vish ließ sich nicht von seinem Standpunkt abbringen, und so sind wir dann zu zweit weiter.
Im Großen und Ganzen lässt sich der Aufsteig in fünf Teile gliedern. Die erste Etappe dauert ca. eine Stunde und besteht aus dem Weg bis zu einer kleinen Hütte. Danach folgen eine Stunde Treppen steigen (Etappe 2), der Geröllhang (zwei Stunden, Etappe 3), die Felsen (eine Stunde, Etappe 4) und zum Schluss das Erreichen des Kraters und der finale Aufstieg zum Gipfel (Etappe 5, halbe Stunde). Aufgebrochen vom Basislager sind wir dreiviertel eins nachts, denn Ziel war es, den Sonnenaufgang vom Gipfel aus zu bestaunen. Das Ganze nennt sich "Midnight Climb", also "Mitternachtsaufstieg" und versprach einen angenehmeren Aufstieg als tagsüber in gleißender Mittagshitze.
Nach dem emotional aufwühlenden Abgang unseres indischen Weggefährten ging es nun auf zur Hütte. Dort angekommen, fühlte ich mich schon am Ende meiner physischen Kräfte. Die Hände haben gezittert, die Oberschenkel brannten infernalisch und ich hatte Durst wie eine - Achtung Wortwitz! - Bergziege. Und diese Etappe war noch die einfachste! Nagende Zweifel plagten mich. Jana fühlte sich auch nicht sonderlich wohl, aber wir entschieden, dass wir ersteinmal weiter aufsteigen- umdrehen könnten wir schließlich immer noch.
Es folgten die Treppen. Man darf sich den Aufstieg nicht so vorstellen, als dass man selbigen in einem Ritt durchzieht. Nach vier bis fünf Treppen folgen zehn Sekunden verschnaufen, eine bereits jetzt schon geniale Aussicht genießen, und mental motiviert bleiben. Nun der Geröllhang. Und ehrlich liebe Leser, ich war den Tränen nahe. Der Wind peitscht frontal ins Gesicht, es sind keine Felsen weit und breit zu sehen um Windschatten zu spenden und dadurch, dass man versucht eine Steigung auf feinsten Steinen zu überwinden, hat man das immerwährende Gefühl Wasser zu treten. Ein Kampf gegen Windmühlen. Am Ende des Geröllhangs habe ich mich nur noch auf allen Vieren fortbewegt, geflucht, geschrien- ich wollte nicht mehr. Jana, immer ein paar Schritte voraus, gestand im Nachhinein, dass sie mein ständiges "Scheiß Geröllhang" außerordentlich belustigend fand und sich ein Lächeln nicht verkneifen konnte- inzwischen hat der Satz Kultstatus. Aber für mich persönlich haftet dem Satz doch etwas überaus Negatives an. Einwas muss man Jana aber lassen- nicht nur, dass sie den Berg zum fünften Mal in Angriff nimmt und somit erheblich Erfahrung mitbringt- nein, sie hat mich psychologisch richtig "aufgebaut". Denn beispielhaft habe ich ein nörgelndes, drängelndes Kleinkind auf der Autobahn nachgeahmt ("Mama, wann sind wir denn endlich da???") und laufend danach gefragt, wann es besser wird, bei welcher Etappe und natürlich: "Ist es noch weit?". Sie entgegnete immer sehr verheißungsvoll mit: "Ach, wir sind gleich bei den Felsen, ab da an wird es echt leichter!". Ihr Ziel hat sie erreicht, ich blieb halbwegs motiviert, aber schon schnell entlarvte ich Jana als geschickte Lügnerin: "Du, hattest Du nicht vor 'ner halben Stunde gesagt, dass wir die Felsen erreicht hätten?"- "Na ja, is' wirklich nimmer weit...". Und endlich, bei einer kleinen Verschnaufpause bei den endlich erreichten Felsen bekräftigten wir uns gegenseitig: "Nein, nun drehen wir nicht mehr um, ja?!". Ab den Felsen, auf zum Krater habe ich nur noch funktioniert, man schaut eine endlos erscheinende Felswand hinauf, kraftlos- doch schon langsam erscheint am Horizont die Morgenröte und man schöpft erneut Kraft um den Sonnenaufgang noch rechtzeitig auf dem Gipfel zu erleben. Als wir dann auf dem vereisten Krater standen war es ein unbeschreibliches Gefühl. Wahnsinn. Eigentlich wollte ich den Gipfel nun nicht mehr besteigen, ebenen Boden unter den Füßen zu spüren hat mir vollends Genüge getan. Aber weiter. Immer weiter. Wir sollten belohnt werden. Was für eine Aussicht! Die Sonne kitzelt ein erschöpftes Lächeln hervor, man bestaunt den perfekten Triangel-Schatten, den der Berg auf das noch schlafende Land wirft und genießt die traumhafte Stille. Man trifft auf Jack Wolfskin-Schaufensterpuppen, die locker-flockig auf den Gipfelfelsen tänzeln und fühlt sich irgendwie unfit. Eine Stunde haben wir auf dem Gipfel zugebracht, ausgeruht, SMS geschrieben, Triumphfotos geschossen und auf keinen Fall an den nun folgenden zweistündigen Abstieg gedacht. Denn hätte mir ein alpines Vöglein gezwitschert, dass der Abstieg die Hölle auf Erden bedeutet und keinesfalls besser wird als der Aufstieg- wer weiß, was ich getan hätte. Aber eine andere Wahl hat man sowieso nicht, wieder herunter muss man schließlich.
Anfangs war es wirklich angenehm, bergab, Sonne im Rücken, Temperaturen zum Aushalten und nette Gesellschaft: ein älterer Herr kam uns entgegen, sprintete den Berg rauf, sagte, er hat gerade einmal zwei Stunden bis hierher gebraucht (wir waren bei den Felsen, Etappe 4) und nach einer weiteren Stunde hatte er uns bereits auf dem Weg bergab überholt! Unvorstellbar.
Doch schon von den Felsen aus konnten wir eine Wolkendecke sehen, die sich bedrohlich über den Geröllhang gelegt hat. Es hatte uns voll erwischt. In der Wolke gefangen - wir musste ja irgendwie runter! - gab es kein Ausweg. Sturm, peitschender Regen, Nebel, Kälte- das komplette Unwetterpaket. Ich war entkräftet, durstig, hungrig, durchnässt, bereits seit 26 Stunden ohne Schlaf und ihr ahnt es schon: das Fluchen hatte ich längst wieder aufgenommen "Scheiß Geröllhang!". Man hat die Hand vor Augen nicht mehr gesehen, kurzzeitig hatten wir uns sogar verloren, Jana schrieb sicherheitshalber eine SMS (Originaltext): "Wart an einem der poles. Oder wo bist du?" ("Poles" sind die hölzernen Stöcke, die zur besseren Orientierung und zur Wegmarkierung aufgestellt worden sind). Doch da hatte ich sie bereits wieder eingeholt (ein Glück!). Auf unserem weiteren Weg bergab sind uns zahlreiche Bergsteiger entgegenkommen und der Großteil hat sich leider nicht durch unsere grausigen Schilderungen des Wetters zum verantwortungsbewussten und einzig richtigem Umkehren bewegen lassen. Teilweise schauten wir uns nur kopfschüttelnd an.
Letztenendes haben wir es dann aber geschafft, gegen halb elf sind wir wieder heil auf dem Parkplatz angekommen, unsere Männer schauten uns verschlafen an und ich konnte nur noch ein "Sei froh, dass du nicht mitgekommen bist" zu Willi stammeln. Vollkommen entkräftet habe ich erstmal Willis Süßigkeitenvorrat geplündert und mein Mund stand trotz des zehrenden Erlebnisses und der Erschöpfung nicht mehr still. Bei Jana habe ich mich noch mehrmals bedankt und mich fürs fortwährende Fluchen entschuldigt und dann sind wir wieder zurück zur Farm gefahren und ich hab mich in die inständig herbeigesehnte Heia geworfen. Bilanz: Schürfwunden am linken Unterarm (am Geröllhang - wie konnte es anders sein - hat es mich einige Male entschärft), zwei kleine Fußzehen, die als solche nicht mehr zu identifizieren sind, geschwollenen Hände, da man sie dauernd baumeln lässt und das Blut nicht ordnungsgemäß wieder zurückfließt) und einen bärigsten Muskelkater. Jenny hat mich noch fürsorglich aufgepäppelt und auch Tage danach wurde ich liebevoll mit Mount Taranaki aufgezogen: John heute morgen zu mir: "Guten Morgen! Hast Du gut geschlafen? Ist es nicht herrliches Wetter draußen?"- "Danke, ja, schönes Wetter" - "NA, DAS IST DOCH PERFEKTES WETTER UM DEN BERG ZU BESTEIGEN!". Hilfe!
Es war wirklich ein einschneidendes Erlebnis, sowohl körperlich als auch psychisch, ein Erlebnis, welches ich wohl nie wieder vergessen werde, aber lasst mich eins sagen: nie wieder.
Wirklich nicht.
In diesem Sinne, Eure Bergziege.
PS: Bebilderung in der Galerie (Link siehe rechte Leiste).


3 Kommentare:
ich bin begeistert!: D
toll hihi ich gratuliere dir für dein durchhaltevermögen!
der triangelschatten sieht toll aus! und der cocktail sieht lecker aus höhö
:p
hach ja!
liebste grüße, deine wiebki
hallo mary! diesmal ist nix angebrannt. ich bin beim lesen eurer berichte bereits vorsichtiger geworden! deine bergbesteigung konnte ich nachfühlen. ich habe es bereits öfter in diese höhen geschafft, aber nie ohne fluchen,nörgeln und schmerz. wie gut, dass man vorher nie ahnt, was einen erwartet.in deiner erinnerung wird sich dieses erlebnis noch etwas verklären und jedesmal etwas schöner werden. die bilder sind toll.grüße von der willi-mama
hi mary,
ja ich weiß, lange nichts von mir hören lassen.
ich hoffe dir gehts gut.
ich kann mir einfach einen kommentar nicht verkneifen...
als ich deine beschreibung von dem bergaufstieg gelesen habe, hörte sich das an als hättest du gerad ein kind bekommen...
von wegen nie wieder und so *gg*
ich wünsch dir noch ne schöne zeit
deine nici
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