Montag, 17. März 2008

Von Göttern und Halbgöttern

Liebe Leser,
Ihr werdet Euch sicherlich fragen, was denn in mich gefahren ist. Erst über einen Monat den Blog anstauben lassen, und dann plötzlich gibt es mehr zu lesen, als die Mittagspause lang ist. Aber was kann ich denn dafür, dass erst wochenlag der Alltag regiert und es dann blitzartig in das komplette Gegenteil umschlägt? Aber lest selbst:

(Für neu dazugekommene Leser: um den Strang der Geschichte zu verstehen und die Chronologie aufrechtzuerhalten, bitte erst den Eintrag “Weihnachten die Zweite.” lesen, danach “Stadtkinder.” und zum Schluss der Eintragstrilogie schließlich “Von Göttern und Halbgöttern”).

Heute bin ich trotz leichter Erkältung zum Arbeiten zu Riverlands gefahren. “Das stehst Du auch noch durch”, dachte ich mir, sind ja nur noch zwei Schichten, deren Tage ich in jeder freien Minute vor meinem geistigen Auge herunterzähle.
Also schälte ich mich widerwillig aus dem warmen Bettchen, kippte meinen morgendlichen Kaffee hinunter und lief zum Auto. Nun, verehrte Blogleser, die Preisfrage: was ist aus recyceltem Papier, ca. 40cm x 10cm, ist ein handschriftlich ausgefülltes Formular und – wenn es jetzt nicht schon klingelt, gibt es hier den entscheidenen Hinweis: klemmt am Scheibenwischer? Richtig! Ein Knöllchen, vom Regen gewellt, von der Sonne gegerbt und von mir geliebt. Erinnert Ihr Euch noch an den letzten Blogeintrag, in dem am Ende der Patron zum Schutze erwähnt wird? Der wird sich vermutlich folgendes gedacht haben: “Mmh, Gottes Segen gegen die Abschleppmafia ist ja schön und gut, für 'ne halbe Stunde ist das auch möglich. Aber gleich eine ganze Stunde Beistand?! Den Teufel werd' ich tun! Hauptmann!”. Die einfache Variante wäre natürlich die, das das gestresste (wie kann es anders sein) Marialein die Parkschilder übersehen hat. Das wäre aber zu einfach. Zusammenfassend kann ich sagen: eine klasse Woche für den armen Blusterfisch. Erst wird ihm das Abschleppen angedroht (stand erst auf dem internen Parkplatz eines bekannten Mobilfunkherstellers hinter unserem Haus), dann fällt das über dem Blusterfisch schwebende Abschlepp-Damoklesschwert mit sausender Geschwindigkeit herab und der arme Kleine wird tatsächlich abgeschleppt und nun das: ein Knöllchen. Langsam reicht's, echt jetzt.

Aber was ist denn schon ein Knöllchen? Das wird später eingerahmt und im Zimmer als Andenken aufgehangen. Oder ist es etwa mehr? Womöglich der Auftakt zu einem – Entschuldigung, der Ton und die Contenance gehen gerade flöten – beschissenen Tag...?

Erstmal auf Arbeit angekommen, deutete zunächst nichts auf etwas Ungewöhnliches hin. Heute war mein Tag Extraschicht, heißt, es wird mit Messer, Fleisch und Blut hantiert. Aber nicht mit tierischem Fleisch und Blut. Die Regel “Schneide stets vom Körper weg!” bekommt man schon im Kindesalter eingetrichtet, doch wie so manch anderes ging auch das in meiner Phase des Erwachsenwerdens scheinbar unerklärlicherweise verloren. (Mama, Papa, bitte überspringt den folgenden Abschnitt). Jedenfalls rammte ich mir dann ein Fleischermesser in den Oberschenkel. Das Tolle ist, ich muss an dieser Stelle nicht erwähnen wie es passiert ist, denn – wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen – Eure Sprüche sind mir jetzt schon sicher. So, also das linke Bein des Overallanzug färbte sich nun zusehends ziegelsteinrot, auch die Fleischerschürze war nicht mehr so ganz im Stück. Schnell machte ich auf mein Missgeschick aufmerksam und es brach ein kleines bisschen Panik aus (arg neuseelanduntypisch, Kiwis haben eigentlich immer die Ruhe weg), hektisch wurde nach Kompressen gesucht. Kurz danach – mittlerweile war ich bei unserer Warenausgabe geparkt worden – brach eine heftige Debatte darüber los, wie denn mit der Wunde zu verfahren sei. Fachmännisch wurde diskutiert: “Das muss sofort genäht werden!” - “Sicher?” - “Absolut, da quillt ja schon die Fettschicht raus!”. Bitte? Fett? Mein Lieber, erwähne niemals Fett im Zusammenhang mit einer Frau. Erst recht nicht, wenn die Frau gerade im Schockzustand ist.
Gut, eiligst wurde jemand ranbeordert, der mich zum nächsten Ambulanz fährt, zum Glück ist selbige nur fünf Minuten von Arbeit entfernt. Dort angekommen, beäugte mich die Schwester kurz und meinte abfällig auf meine Aussage, dass ich von Riverlands komme und eine Schnittwunde habe: “Ach, Du verblutest schon nicht, setz' Dich erstmal ins Wartezimmer.”. Ok, bald darauf wurde ich dann auch von den Ärzten in Empfang genommen, kritisch begutachtet und nebenbei wurde sowas gemurmelt wie “Mädel!” oder auch “Wie kann man nur?!”. Nach kurzer Diagnose wurde sofort festgestellt: “Das muss genäht werden!”. Ach du meine Güte, wie jetzt? In echt? Ehe der Arzt auf meinen fragenden und etwas verstörten Gesichtsausdruck antworten konnte, lag ich schon auf der Pritsche. Mittlerweile standen nun schon zwei Doktoren um mich herum und fleischerten munter drauf los. Die Halbgötter in Weiß lugten in die Wunde und Frau Doktor grinste: “Siehst Du? Da ist die Fettschicht”, während sie im klaffenden Etwas in meinem Bein rumpulte. Daraufhin murmelte ich stirnrunzelnd, dass ich kein Fett in den Schenkel habe, was sie mit einem “Ach Herzchen, es ist einfach überall!” weglächelte. Danke auch. Aber Handballer kennen bekanntlich keinen Schmerz, vor allem dann nicht, wenn vorher lokal anästhesiert wurde. Glück gehabt. Dann gab es eine kleine Einführung ins 1x1 der neuseeländischen Nähkunst und mit mehreren Stichen, noch mehr Kompressen und einer Wiedervorstellung nächsten Mittwoch wurde ich dann wieder entlassen. Meine einzige Angst besteht jetzt darin, dass sich die Wunde infiziert haben könnte, denn zuvor wurde mit dem Messer, was ich mir ins Bein gestoßen habe, Fleisch bearbeitet. Aber hoffentlich ist meine Tetanus-Impfe noch aktiv, und um Infektionen auszuschließen habe ich ja am Mittwoch den Wiedervorstellungstermin.

So langsam dürfte mich der Alltag ruhig wieder einholen, ich hätte nichts, aber auch gar nichts dagegen.

5 Kommentare:

Despo hat gesagt…

ich frag mich, warum dem willi sowas mit dem auto nie passiert... und warum der dir auch nie vorher n tipp gibt.

lieben gruß an die andere mama: das mit dem bein hört sich zum glück schlimmer an, als es aussieht ;-) mary macht das schon!

Briti hat gesagt…

Ja, sage mal, ich denk Du willst die letzten Wochen noch Urlaub machen? Da kannst Du doch nicht so einfach an deinem Bein "rumhorbeln"??? Dich kann man aber auch keinen Moment alleine lassen.... Späßle.
Dann lass Dich jetzt mal ausgiebig verwöhnen, ruh Dich aus und komme recht schnell wieder auf die Beine. So hast Du wenigstens endlich Zeit Deinen Blog wieder zu pflegen und mehr!! Fotos einzustellen.
Gute Besserung und schnelle Genesung! Liebe Grüße die Tante
P.S. Das mit den fetten Schenkeln ging runter wie Öl... hihi

Anonym hat gesagt…

ach mary, die unfälle passieren immer, wenn man meint, etwas routinemäßig zu können.sei froh, dass unter der haut fett liegt! das mildert den schmerz von spritzen und nähnadeln erheblich, ich hab es grad erleben dürfen.ganz nebenbei:eine original riverlands-narbe ist zwar authentischer als ein tattoo als mitbringsel, aber ich hätte willi dann doch lieber nur mit tattoo zurück. lass dich gut pflegen! l.g.die willi-mama

Anonym hat gesagt…

du hast doch garkein fett an den schenkeln, nach 4monaten toast zum frühstück!^^
also wie genau ist das jetzt nun passiert?: D
also ich wünsche dir erstmal gute besserung, und das du deinen urlaub ganz prima genießen kannst!=)
ps.: SCHNEIDE IMMER VOM KÖRPER WEG!!!
haha ich bin lustig:p

Anonym hat gesagt…

Hallo liebstes Mariah-Schaf!

nach einem weiteren unschönen Handballspiel (um die Bälle mal flach zu halten), hab ich mich daran gemacht alles nach zu lesen, was ich bis jetzt verpasst habe und ich bin begeistert von deinen schönen, manchmal für dich sicher anstrengenden und evtl auch ernüchternden ("Fett im Oberschenkel")Geschichten und vor allem von den supertollen Bildern.

GIB UNS MEHR :)

Ich hoffe deine Fleischwunde ist gut verheilt, denn jetzt sind es ja nur noch zwei Tage bis zur Abfahrt nach Wellington und der spannenden Südinselerkundung. Für die ich dir ganz viel Spaß wünsche und die Daumen drücke, dass alles supi läuft...

Als kleiner Anreiz pünktlich Mitte Mai wieder im geliebten DD auf der Matte zu stehen:

24./25.5. SV DD Mitte Turnier - auf der GAMIGSTRAßE... :)

Außerdem hab ich dich auf jeden Fall schon für Groß Düben (24.-27.7.)gebucht, für Eckental (12./13.7.) angemeldet und ein T-Shirt für dich eingeplant...also komme endlich wieder heim ;)

Wir warten sehnsüchtig auf dich und noch mehr Geschichten (dann live in geselliger Runde zwischen dem ein oder anderen Werwolfspiel, denn du als Blödwolf solltest da auf keinen Fall fehlen).

So Mariah bis dahin (ist ja nicht mehr lange, keine zwei Monate) wünsch ich dir noch ganz viele tolle nie zu vergessende Erlebnisse, dass der Blusterfisch durchhält und du noch eine sehr schöne Zeit auf der Südinsel genießt...

Hab ganz ganz lieben Dank für deine Karte, die gestern (29.3.) bei mir wohlbehalten im Briefkasten gelandet ist und bei mir schon das ein oder andere bißchen Fernweh geweckt hat, aber mit deinem Blog ist man ja fast hautnah dabei...

Mäh ihr Schafe...und Knutsch aus der Heimat. Bis ganz bald... :*