Samstag, 24. November 2007

Das Schweigen der Lämmer.

Euch weiterhin mit Blog-Einträgen zu bombardieren zu können, ist einzig und allein der Tatsache geschuldet, dass nach nun bereits drei vergangenen Wochen die Ruhe nicht so recht einkehren mag. Wie hätte es auch sein können? Aber erst einmal alles der Reihe nach.

Nach tagelangen Fasten bzw. Diäten mit Toast zum Frühstück, Lunch (Mittag) und Abendbrot überraschten uns unsere neuen Gastgeber und gleichzeitigen Arbeitgeber Judy und Marvyn Towers mit einer Einladung zum Abendessen. Sie hatten ein paar Freunde eingeladen und meinten, wir sollten doch auch einfach rüberkommen. Gesagt, getan. Die Towers kann man sich als eingespielte Familie vorstellen, die Eltern beide in den Endvierzigern, eine Tochter mit eigenem Friseursalon und mit einem Sohn, Physik- und Mathestudent (endlich haben wir den schon arg vermissten neuseeländischen Frodo gefunden). Freundlicherweise haben sie uns das zum Spargelfeld dazugehörigen Packhaus überlassen, sodass wir jederzeit auf fließend Wasser, Toilette, Strom und einem Dach über dem Kopf zurückgreifen können. Neuerdings dürfen wir auch ihre Waschmaschine und das Internet mit benutzen, haben uns hier also recht gut eingelebt.

Jedenfalls sind wir besagten Abends zur Runde dazugestoßen und uns erwartete ein Festmahl (verglichen zu 3x täglich Toast ist nahezu alles ein Festmahl) mit Fleisch, Kartoffeln und typisch neuseeländischem Allerlei. Marvyn bot uns auch erstmal ein Heineken an („Trinkst Du auch ein Bier?“ – „Klar, ich bin Deutsche!“ – „Brauchst Du ein Glas?“ – „Wozu? Ich bin Deutsche!“), was – das wirkt jetzt vielleicht nicht ganz so feminin, aber das musste sein – erstmal zügig geleert wurde. Herrlich (es sollten noch einige Heineken folgen). Nachdem wir uns den Wanst vollgeschlagen hatten, nahm man auch eine bequemere Sitzhaltung ein und wie mit einem „Blöp!“ wölbte sich der Bauch schwangerschaftsähnlich nach vorn. Egal – soll schnell würden wir kein Fleisch mehr sehen. Weiter am Abend stand dann das Netball-Finale der Frauen zwischen Neuseeland und Australien an. Netball ist vergleichbar mit Basketball, jedoch ohne Korb und irgendwie verdammt schnell. Da Australien und Neuseeland ein wenig verhasst sind, schnell noch ein paar üble Sprüche gegen Australien und dann gebannt mitgefiebert (das ganze Procedere ist zu mit einem Fußballspiel Deutschland-England oder Deutschland-Holland zu vergleichen). Da Neuseeland dieses Jahr bereits beim Rugby, Segeln und Cricket versagt hat, musste ein Sieg gegen Australien unbedingt her. (Kurze Anmerkung: lässt man im Gespräch mit einem Neuseeländer ein paar abfällige Bemerkungen gegen Australien fallen, ist man auf der Beliebtheitsskala weit nach oben geschossen. Hetzt man dann noch gegen Auckländer, ist man quasi Familienmitglied, denn Auckland ist unter dem Gros der Neuseeländer mehr als verhasst.) Leider kam es natürlich wie es kommen musste, knapp verlor Neuseeland gegen Erzrivalen Australien. So löste sich die Runde dann schnell auf, wir halfen noch ein wenig beim Abwasch und zum Dank haben wir einen Tiegel (bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir nur einen Topf), Eier und Schinken (man stelle sich vor!) bekommen. Wahnsinn, unser Kühlschrank füllte sich langsam aber sicher, die nächsten Tage gab es dann gerösteten Toast mit Käse überbacken und Schinken, dazu Spargel. Ein Wort über die bedingungslose und nahezu aufopfernde Hilfsbereitschaft der Neuseeländer: sowohl Brenda und Jon als auch Judy und Marvyn haben in ihrer Vergangenheit ähnliche Reisen unternommen und bilden damit auch die Mehrheit. Mittlerweile erscheint es, dass nahezu jeder zweite Neuseeländer mal „overseas“ war, und das überwiegend in Europa. So lässt sich diese Hilfsbereitschaft auch sehr gut erklären, sie geben nun das zurück, was man ihnen selber vor 20 oder sogar noch mehr Jahren zu Teil hat werden lassen. (Inzwischen sind wir auch zum Weihnachtsfrühstück bei der Tochter und zum Lunch bei den Eltern eingeladen).

Weiterhin sind wir ein wenig gefrustet gewesen, denn schnell haben wir festgestellt, dass sich mit Spargelpflücken nur recht wenig Geld verdienen lässt bzw. genug um über die Runden zu kommen und die Lebenskosten zu decken, aber zu wenig, um zu sparen oder gar aufgenommene Kredite für diese Reise zurückzuzahlen. So war recht schnell klar, dass wir einen zweiten Job brauchen. Bloß wo? Für Früchte sammeln bzw. Wein lesen ist es noch zu früh, die Saison beginnt erst Anfang nächsten Jahres, und Spargelsaison läuft gegen Weihnachten aus. Also haben wir unsere Fühler ausgestreckt und unser, mittlerweile sehr weitläufig gespanntes, Informationsnetz aktiviert. Heißt soviel wie: Mundpropaganda- irgendjemand kennt immer jemanden, der gerade arbeitswillige Leute braucht oder solche Farmer kennt- ein großer Vorteil einer Kleinstadt. So haben wir auch wirklich gute Tipps bekommen: zum einen Blumen pflücken und bei den zwei großen Fleischverarbeitungsfirmen der Umgebung sowie einer Bäckerei anfragen. Das hieß für uns Anfang der Woche wieder fleißig auf Jobsuche gehen, so langsam ist man geübt. Blumen pflücken fiel leider sehr ernüchternd aus, alle freien Stellen wurden bereits besetzt- ähnliches bei der Bäckerei. Durch die Weihnachtsferien und der gerade andauernden Semesterferien sind solch „seasonal jobs“ a) sehr begehrt und b) meistens schon vergeben. Also weiter zu den Großfleischereien. Einmal PPCS in Hawera und Riverlands in Eltham (ca. 10min von unserer jetzigen Heimat entfernt). Bei PPCS haben wir leider einen entscheidenden Fehler gemacht und angegeben, dass wir Backpaper aus Deutschland sind und nicht vorhaben, hier länger als nötig zu arbeiten. Sofort wurde an der Rezeption der rote Stift gezückt und genau dies vermerkt. Bei Riverlands haben wir uns da schon geschickter angestellt, auf die Frage hin wie lange wir vorhaben bei ihnen zu arbeiten, antworteten wir wie aus der Pistole geschossen: „Also mindestens März. Wenn nicht sogar länger!“. Gebongt. Früher gehen kann man immer, man muss den Firmen lediglich suggerieren, dass es sich rentiert uns anzuwerben. Also gut, Riverlands. Wir gleich die überall ausliegenden „Application forms“ (Bewerbungsformulare) ausgefüllt (Wer fleißig mitgelesen hat, kennt garantiert noch „Raschem“, unseren emsigen Inder aus der ASB-Bank in Auckland. Dieser hat uns damals mit abertausenden Passwortanfragen überhäuft und uns damit an den Rand des Wahnsinns gebracht. Mittlerweile hat sich das geändert- nun sind es die fast ein Dutzend Seiten umfassenden Bewerbungsformulare mit Lebenslauf, medizinischer Historie und abstrusen Fragen („Können Sie lesen und schreiben“ – „Nein, ich fülle dieses Bogen auf gut Glück aus?!“). Ächz.). Nach dem Ausfüllen bot uns die Sekretärin bei der Anmeldung gleich noch ein Gespräch mit dem Supervisor (ähnlich einem Abteilungsleiter) an, welches sich aber dank Lunchtime um ca. eine Stunde verzögerte. „Maui“, der Supervisor, meinte auch gleich, dass durchaus Bedarf an Stellen ist, sie aber mehrere Bewerber hätten. Es folgten Fragen wie „Könnt ihr ein Messer benutzen?“ – „Hä, bitte wie?“ – „Na ja, manche Bewerber hier haben benutzen Messer lediglich zum Brot buttern.“ - Ohne Kommentar. Manche Dinge muss man nicht verstehen. Und kommentieren schon gar nicht.

In den nächsten Tagen folgte dann der erlösende Anruf – genommen. Yes! Sind dann auch gleich zu Riverlands gefahren, unser Chef wurde uns vorgestellt und uns wurde erklärt, dass wir in der gleichen Schicht und in der gleichen Abteilung arbeiten, was natürlich angesichts Schlafen im Van äußert praktisch ist – schließlich gibt es Tag- und Nachtschicht. Außerdem würden wir vier Tage á 10 Stunden arbeiten und dann vier Tage frei haben. Um den Verdienst ranken sich momentan viele Mythen, viele meinen, dass wir nach unserer Zeit keine finanziellen Sorgen mehr haben bräuchten. Es sind teilweise Summen im Raum, die einen ganz schwindelig machen. Mal sehen, was Letztendendes im Vertrag stehen wird. Die nächste Hürde war dann der medizinische und der Drogentest, erster Test war innerhalb weniger Minuten abgehandelt, der zweite Test wird momentan noch im Labor ausgewertet. Sollte dieser negativ auf Drogen ausfallen (es gibt keinen Grund das Gegenteil anzunehmen) fangen wir kommenden Dienstag bei Riverlands an. Willi wird an der Säge arbeiten (und mit hoffentlich zehn Fingern Neuseeland verlassen) und ich werde Fleisch verpacken. Dem Geruch außerhalb der Anlage nach zu urteilen wird das Ganze eher etwas „yacky“ (findet der Neuseeländer etwas angenehm, lecker, schmackhaft heißt das „Yummy!“, etwas Eklig-abstoßendes wird mit „yacky“ ausgedrückt), aber für Geld macht der Mensch bekanntlich viel, wenn nicht sogar alles.

Apropos Fleisch (ja, heut ist viel Text, aber lest wirklich mal den nächsten Absatz zu Ende, es haut einen Städter, wie wir es sind, glatt vom Hocker). Es wird jetzt ein wenig blutig. Sehr blutig. Heute war Schlachttag (yacky). Auf dem Plan standen eine Kuh und zwei Schafe und natürlich findet man das interessant, sowas hat man ja noch nie gesehen- aber ein wenig flau war mir dennoch. Willi, der das ganze schon auf der Farm von Jenny & Jon gesehen hat, hat mir mehrmals eingeredet, dass man sich das unbedingt mal ansehen sollte- wann sonst bietet sich einem mal die Gelegenheit so etwas beizuwohnen? Mir war dennoch nicht ganz wohl, morgendlich von einem „Muh“ geweckt und abends mit einem „Muh“ in den Schlaf begleitet werden- und nun Schlachtung. Aber schließlich wissen wir ja, wo die Wurst herkommt. Willi kribbelte es schon, ich musste noch ein wenig mit mir hadern. (Ich glaube, Jungs müssen so etwas einfach spannend und faszinierend finden, ansonsten büßen sie wohl einen erheblichen Teil ihrer Männlichkeit ein.). Jedenfalls fuhr dann auch der Schlachter vor, der Truck mit „Home Kill“ beschrieben (wie praktisch- er killt zu Hause vor der Tür) und es steigt aus: ein 1a Anthony Hopkins Verschnitt, mit grau melierten Schläfen, einem kleinen untersetzten Bauch, kantigem Gesicht und zerzaustem Haar. Herrje. Nach kurzem Treiben wurde die „Zielkuh“ in die Enge getrieben und ein Kopfschuss aufgesetzt. Also mir ist echt anders geworden, vorher nur eine Banane gegessen und nun das. Ich beschreibe an dieser Stelle jetzt nicht, wie er weiter vorgegangen ist, ich finde, dass ist an dieser Stelle auch ein wenig deplatziert. Der Schlächter jedenfalls hat seine Arbeit relativ schnell erledigt und als die Kuh als solche auch nicht mehr zu erkennen war, wurde es auch einigermaßen erträglicher. Es ist auf jeden Fall eine Erfahrung, die man nicht unbedingt gemacht haben sollte, aber definitiv prägend ist- in jeglicher Auslegung. Der „fun“, wie es unser Mr Hopkins nannte, war aber noch lange nicht vorbei, zwei Schafe sollten folgen (mir hat die Kuh schon gereicht, nun diese niedlichen, kleinen, ungeschorenen Wollknäuel). Doch Schafe sind irgendwie komisch drauf. Von Todesangst durchströmt und Schreckliches witternd, rotteten sie sich zum Rudel zusammen- und als kein Ausweg mehr zu erkennen war: ab durch die Mitte. Heißt hier soviel wie: ab durch den Zaun- egal wie. Jetzt wurde es verdammt hektisch- alle Schafe pressten sich durch ein, in den stromdurchfließenden Zaun gerissenes Loch und rannten raus auf die Kuhweide. Dortige Zäune waren auch kein wirkliches Hindernis, und dann hieß es: „Ab aufs Spargelfeld!“. Glaubt es oder glaubt es nicht, während Mr Hopkins bereits ein Schaf ausweidete (eins konnte er erwischen), rannten wir den ausgebüxten Schafen quer übers Spargelfeld hinterher. Die Schafe, vollends von Panik angetrieben, trampelten wüst übers Feld, wir, zu viert, hoffnungslos hinterher (ich sah die Schafe schon in Freiheit). Eigentlich war heut unser freier Tag und eigentlich dachten wir, so langsam sei Ruhe einkehrt. Wieso kommt es eigentlich immer anders als man denkt? Also weiter den Schafen hinterher. Haben sie nach ewigen Treiben über mehrere Wiesen wieder Richtung Schlachter getrieben (der war jetzt mit dem ersten Schaf fertig und eilte mit Gewehr übers Feld – irgendwie beängstigend) und dann war auch das zweite Schaf in die Enge getrieben und leichte Beute für Hannibal Lector, der zum Kehlenschnitt ansetzte. Ein grausames Spektakel, die 25-jährige Tochter rannte weinend vom Feld, sie könne sich das nicht mit ansehen, und ich stand auch ein wenig verloren und wie Pik 7 da. Vielleicht werde ich in den nächsten Tagen das Ereignis einzuordnen wissen, jedenfalls etwas, was ich kein zweites Mal mit ansehen muss. Jedoch war es durchaus interessant mit anzuschauen, wie der Schlächter mit Kettensäge & Co. voranging. Und außerdem arbeitet man ja zukünftig bei Riverlands und hat dann hauptberuflich mit Fleisch zu tun. Was man nicht alles für Geld macht.

Wie immer gehen liebe Grüße in die Heimat, heute Abend eine geruhsame Nacht (ja, Hannibal war Kannibale) und tschüss bis zum nächsten Mal sagt

Maria

Sonntag, 18. November 2007

Spargelkönigin 2007

Der Titel der Spargelkönigin geht dieses Jahr nach Deutschland. Und das glasklar. Denn seit neuestem sind wir neuseeländische Spargelnahkämpfer und treten in der Königsdisziplin gegen grünen Spargel an. Aber mal Spaß beiseite: Anfang der Woche haben wir uns von Brenda und John Hubbard aus New Plymouth verabschiedet und sind in das eine Stunde entfernte, südlicher gelegene Hawera gefahren. Dort sagte man uns, gibt es Unmengen von Spargel, und ergo: wo Spargel verkauft wird, muss erstmal welcher gepflückt werden. Also nichts wie hin, hatten in der letzten Woche einige mehrere Ausgaben (z.B. Auto, Handy, Versicherung) und natürlich unsere horrenden Lebenserhaltungskosten (dazu später mehr) zu decken. Und Spargelstechen ist die einzigste Farmarbeit, mit der sich momentan Geld verdienen lässt. Die Saison für Grapefruits, Orangen & Co. beginnt erst im Sommer, und das ist in Neuseeland gegen Januar / Februar. In New Plymouth ist es für unsere Verhältnisse ja schon nahezu langweilig geworden- solche Dinge wie nach dem Einkaufen mit unserem Van an der letzten Kreuzung vor Zuhause mit einer defekten Schaltung liegenbleiben zum Beispiel. Das war krass (hier passt nur „krass“), aber fügte sich nahtlos in unseren bisherigen Verlauf ein. Wir fahren ganz entspannt vom Einkaufen nach Hause (man ahnt ja nichts böses) und halten an der Kreuzung an. Ich will den ersten Gang einlegen und denke: „Mmh, irgendwie ist das komisch- der Gang war doch vorhin noch da... wo ist der bloß?“. Nach ein wenig Getrieberühren war klar, das unsere Schaltung hinüber war. Wir sofort ausgestiegen und nach mehreren Minuten Ratlosigkeit boten uns schätzungsweise mehr als ein Dutzend Neuseeländer ihre Hilfe an. Ich habe vor Frust erstmal die gesamte, vorher gekaufte, Kekspackung gegessen, mein Kopfkino funktionierte prächtigst und spielte eine Horrorversion nach der anderen ab- mehrere hundert Dollar einfach mal fort, wir ohne Auto im fremden Land, etc... Oh je. Zum Glück (wir waren ja unweit unseres Hauses) hat Jon, unser Gastvater, das Debakel vom Haus aus gesehen und ist uns zu Hilfe geeilt. Wir wurden sogleich vom altbekannten Holden Monaro abgeschleppt (irgendwie konnt ich das nicht so recht genießen) und anschließend warf Jon einen Blick unters Auto. Nach ein paar Augenblicken urteilte er flink, dass es nix weiter Schlimmes sei und im Nu repariert ist. Kurze Anmerkung: Jon sieht nicht nur aus wie der Weihnachtsmann, in manchen Momenten scheint er es auch tatsächlich zu sein. Im Endeffekt war nur ein kleiner Drahtstift vor Altersschwäche gebrochen. Zum Glück hat er so einen auch noch vorrätig gehabt, und nun wissen wir auch, wie wir eine Schaltung wieder zum funktionieren bringen.
Unseren letzten Abend haben wir dann mit Brenda & Jon am hiesigen Strand verbracht, Barbecue gemacht und bei einem kleinen Strandfeuer dem Sonnenuntergang abgewartet. Ein angenehmer Abend um von New Plymouth und den Hubbards Abschied zu nehmen- die nächste Aufregung sollte nicht lange auf sich warten.
Den nächsten Tag sind wir dann nach Hawera gefahren und uns nach einem Job umgeschaut. Natürlich wusste keiner was vom Spargelstechen, also sind wir in einer Odyssee die Stadt abgewandert- neuseeländisches Arbeitsamt, Touristeninformation, in den Zeitungen geblättert, gelaufen, gelaufen, ... Letztendlich haben wir uns entschlossen nach Normanby zu fahren, einem Vorort von Hawera, bekannt für Spargelanbau. Und zufällig durch Ansprechen der ansässigen Einwohner und Farmern haben wir uns dann durchgefragt, bis wir endlich (da waren schon einige Stunden ins Land gegangen und die Launen gen Null gesunken) ein Schild sahen- „Fresh asparagus“ („Frischer Spargel“). Bombe. Also hin und Judy, die Farmerin, hat auch wirklich noch Bedarf an Arbeitern! Puh, da vielen mir persönlich ja schon sehr viele Steine vom Herzen- erstmal eine Arbeit und das heißt: Geld. Sind aber auch erstmal weitergefahren und haben uns nach weiteren Spargelanbauern erkundigt, jedoch sind wir nur noch auf einen solchen gestoßen und der hat sich aber selber durch eine eher neuseeländisch-untypische Grummeligkeit um zwei willige deutsche Arbeiter gebracht. Und ganz wohl war uns bei dem Gedanken an ihn und seine Familie auch nicht, es gab dafür keine konkreten Anhaltspunkte, aber Willi's und mein Bauchgefühl sagten uns, dass da irgendwas im Argen liegt.
Es wurde also Abend und wir suchten uns ein kleines gemütliches Plätzchen zum Schlafen (ein Glück, das Bett im Van!) und fanden ein kleines Stück Rasen unweit Judy's Farm, wo wir am nächsten Morgen zum Arbeiten auftauchen wollten. Also haben wir uns so langsam bettfertig gemacht und beim Zähneputzen einen Blick auf den in abendrote Stimmung getauchten Mount Taranaki mit Schneekuppe werfen zu können war auch mal was Anderes :). Dumm nur, dass das Plätzchen Rasen scheinbar an einer wirklich vielbesuchten Straße lag, sodass wir fortan von vorbeifahrenden Autos im Minutentakt geblendet wurden („Blend ab du Arsch, wir wollen schlafen!“) und auch nicht unbemerkt darf der alle paar Stunden vorbeifahrende Güterzug bleiben (ja, eine Eisenbahnstrecke lag auch quasi um die Ecke). Fantastisch, die Nacht war einfach nur klasse.
Jedenfalls arbeiten wir seit Montag bei Judy auf der Spargelfarm, ist ein wie sich rausstellt doch körperlich ein wenig anstrengender Job, aber für das Geld machen wir alles. Noch ein kleines Wort zum Essen: momentan ernähren wir uns ausschließlich von Toastbrot mit Käse und zum Frühstück Honig, den einzigen Luxus den wir uns geleistet haben ist ein Pack schwarzen Tee. Am Wochenende gibt es Spargel. Gekocht. Ähm. Trotzdem könnte es uns schlechter gehen, können im angrenzende Spargelpackhaus auf Strom und fließend kaltes Wasser zurückgreifen, haben einen Kühlschrank abgestellt bekommen, parken direkt auf der Plantage und heute konnten wir sogar in Judy's Haus duschen.
Kinder, ich sage euch wie sich die Wertschätzung mancher Dinge ändert: eine Dusche scheint unbezahlbar zu sein. (Und ihr wollt gar nicht wissen, wie lecker und nahrhaft so ein mit Käse belegtes Toastbrot sein kann.)
Wir werden also die nächste Zeit Spargelstechen (bis voraussichtlich Weihnachten) und Geld für weiteres Reisen zu sammeln. Außerdem haben wir auch schon einige Anfragen bei weiteren Firmen laufen (u.a. Fleischverarbeitung), denn mit Spargelstechen lässt sich nur schwer viel Geld erwirtschaften. Maximal deckt dies unsere Unkosten bezüglich Essen und Tanken, lässt aber weiteres Sparen nicht zu. (Und da es entweder regnet, bewölkt ist oder sogar hagelt (!) fällt die Spargelernte immer etwas mager aus, wir ernten nur jeden zweiten Tag und das auch nur für ca. 3-4h).
Nun denn, wir bleiben zuversichtlich und bis zum nächsten Eintrag fühlt Euch wie immer gegrüßt

Eure Maria

PS: Schön fleißig grünen, neuseeländischen Spargel kaufen, da könnt ihr sicher sein, dass ich da meine Griffel dran gehabt habe :)

Und - wie schon sehnsuechtig erwartet - ein paar Bilder:



Unser Auto - der Blusterfisch!

Jetzt wird er ausgeschlachtet:


Der 1972er Holden Monaro (Name: Spohie) und Jon, unser Gastvater in New Plymouth

Letzter Abend in New Plymouth - Barbecue am Strand und Sonnenuntergang:

Am Strand von Hawera (eine Stunde von New Plymouth entfernt), unserer jetztigen Heimat:

Freitag, 9. November 2007

Blusterfisch!

Vorgestern sind wir bereits frueh am Morgen aufgestanden um einige Dinge fuer unser neues Auto zu besorgen. Brenda, unsere sich allseits kuemmernde Gastmutter, sackte uns kurzerhand mit dem Auto ein und wir fuhren zu einigen Billigshops und innerhalb kuerzester Zeit waren wir stolze Besitzer einer nahezu umfassenden Haushaltseinrichtung mit Besteck, Tassen, Topf, Tellern, Kissen und Bettbezug. Nach einiger Recherche von Seiten Brendas hatten wir am Nachmittag dann auch eine funktionierende Herdplatte und eine Gasflasche hatten sie auch noch aufgetrieben. Es ist einfach schier unbegreiflich, was diese beiden hier auf die Beine stellen bzw. mit welcher Energie und Hilfsbereitschaft sie hier die Dinge vorantreiben. Sie sehen diese Dinge aber als mehr als selbstverstaendlich an, denn sie meint, wenn sie sich nicht untereinander helfen wuerden, wer dann?

Brenda hat ausserdem noch ihre Kontakte spielen lassen und fragt nach Jobs fuer uns an (im Moment ist wohl Schafscheren am aussichtsreichsten, muessten aber erstmal einen zweiwoechigen Kurs absolvieren) und hat auch ihrer Versicherungsagenten wegen einer billigeren Autoversicherung fuer uns eingeschalten.

Spaeter wurden wir noch von Brenda zum hiesigen Park gefahren und Willi und ich sind dann noch ein paar Stuendchen im Park gewandert um einfach mal die Seele baumeln zu lassen, fantastische Flora & Fauna zu bestaunen und uns die Sonne ins Gesicht scheinen zu lassen.

Am Abend dann war ich doch ein wenig fertig, schnell noch Zaehne putzen und dann ab ins Bettchen. Denkste. Jon hatte andere Plaene- und zwar eine kleine Spritztour mit einem original 1972 Holden Monaro! Wahnsinn! Der laeuft mit 300 und paar zerquetschten PS und das ist einfach der Tatsache geschuldet, dass er mit Gas faehrt anstatt mit Benzin- ansonsten waeren es weit mehr als 400 PS. Mir wurde dann auch schnell klar, wozu er das kleine Geraetchen, welches Polizeisignale empfaengt, braucht. Kaum aus der Garage raus, presste es uns mit voller Wucht in die Sitze, Jon hat einfach mal das Gaspedal voll durchgetreten. Ein Gefuehl, das sich schwer in Worte fassen laesst- das mit dem anschliessend ruhig in die Heia gehen konnte ich mir abschminken, mein Koerper pumpte Adrenalin ohne Ende. Erst recht als wir aus New Plymouth raus waren: auf der Landstrasse angehalten, dem Auto vor uns ein wenig Vorsprung gegeben und dann gib ihm! Das Heck brach leicht aus und Tempolimits waren eigentlich nur noch schmueckende Deko. Das koennt ihr euch nicht vorstellen, ich grabschte in dem Auto nach was zum festhalten und hatte ein Dauergrinsen im Gesicht. Was fuer ein Muscle Car. In der Stadt wurde noch schnell ein Burnout gemacht- auf der Hauptpromenade!- und dann entspannt nach Hause gecruist. Meine Kniee sollten noch lange danach zittern.

(An dieser Stelle einen kleinen Gruss an meine Mum: sag noch einmal, ich wuerde rasant fahren, da hast du noch nicht in diesem Monster gesessen!)

Gestern haben wir dann vormittags aus Europaletten Fuesse fuer das Bett gesaegt und ueber das Internet einige Farmen, in der Hoffung bald eine Arbeit zu haben, angeschrieben. Ausserdem hat uns Brenda eine Matratze organisiert und nachmittags haben wir dann bei der hiesigen Autoversicherung eine Versicherung abgeschlossen. Diese war zwar mit $425 die teuerste, jedoch mit der geringsten Eigenleistung. Heisst: rammen wir Auto, muessen wir fuer dessen Reparatur nur einen kleinen Beitrag zahlen- und bei Linksverkehr, der etwas chaotischen Fahrweise der Neuseelaender und bestimmt auch Schafen auf der Strasse ist die Wahrscheinlichkeit einen Unfall zu bauen ein klein wenig hoeher als in Good Old Germany. Anyway, abends wurde dann natuerlich mit einer 1 ½ Liter Flasche Heineken angestossen und Barbecue eingenommen. Da unsere Gasteltern jedoch einen stressigen Tag hatten, wurden bereits nachmittags Duftstaebchen angezuendet um den anschliessenden Marihuana-Konsum zu uebertuenchen. So sassen wir nun abends gemuetlich beisammen, aber da das Bier jedoch schnell alle war, gingen wir flugs zu selbstgebrannten Rum mit Cola ueber. Schon beim ersten Schluck dachte ich, ich wuerde auf der Stelle erblinden. Oh my goodness. Das war mal ein Rum, ein wenig in die Richtung Metaxa und sehr blumig. Tatsaechlich brauen sie in einem kleinen Schuppen den reinen Alkohol zusammen (das blubbert immer ganz niedlich) und fuegen anschliessend den Geschmack hinzu. So bekommt man wahlweise Gin, Whisky, Bourbon und so weiter und so fort, ihr merkt schon, sie sind recht gut eingerichtet :). Irgendwann haben wir alle zu ZZ Tops Eliminator-Platte getanzt, ausser Brenda, sie lag schon vor dem Kamin (das ist jetzt kein Scherz, das hat sich wirklich so zugetragen, man kann einfach nur den Kopf schuetteln).

Heute morgen stammelten wir alle nur ein kurzes “Mornin!...” und man haette denken koennen, Frankensteins Kabinett hat neu eroeffnet. Schnell unter die Dusche, hab uns allen noch Ruehrei gemacht und waehrend unsere Gasteltern einkaufen fuhren, haben wir noch ein wenig am Bett gebastelt. Ausserdem moechte ich gern anmerken, dass wir unseren Van auf “Blusterfisch” getauft haben, da er von vorn betrachtet wirklich einem Blusterfisch aehnelt. Sehr lustig ist uebrigens, wenn Brenda leicht lallend “Bluhasdafish” ausspricht, aber irgendwann am Abend war das dann auch egal.

Jetzt wird erstmal das Bett in den Van gebracht und ordentlich verschraubt und dann wollen wir noch Brendas Mum besuchen und wenn noch etwas Zeit bleibt, weiter New Plymouth entdecken.

Alsdenn, fuehlt Euch wie immer gegruesst und gedrueckt,

Maria

Dienstag, 6. November 2007

It never rains...

…in California. Aber wir sind ja hier in Neuseeland, und da laufen die Dinge ein wenig anders- seit meiner Ankunft regnet es ununterbrochen in Auckland. So auch heute morgen, als wir sehr früh aufgestanden sind um mit einem landesweiten Busunternehmen (InterCity) sechs Stunden nach New Plymouth zu fahren. New Plymouth liegt an der Westküste der Nordinsel und der Weg von Auckland nach New Plymouth führt über die landestypische hügelige Landschaft mit saftigen Weiden, Kühen und noch mehr Schafen, dazu meterhohe Farne die direkt neben Nadelgehölzen stehen. Und natürlich nicht den Mount Taranaki zu vergessen, mit ca. 2518m der, nach dem Mount Cook auf der Südinsel, zweitgrößte Berg Neuseelands mit einer schneeweißen Kuppe. Erfreulicherweise wurde das Wetter immer besser, den Mount Taranaki nicht wolkenverhangen zu sehen grenzt nach Willi’s ortskundiger Meinung an großes Glück. Irre.

In New Plymouth angekommen, wurden wir auch direkt von Brenda und einer Freundin abgeholt und mit nach Hause genommen. Ab jetzt wohnen wir bei Brenda und John, ein älteres Ehepaar, aber natürlich nicht so ein Ehepaar, wie man es sich vorstellen würde. Aber dazu später mehr. Willi kennt Brenda und John über couchsurfing.com, in seiner Anfangsphase in Neuseeland hat er sich nach einer kostenlosen Unterkunft in New Plymouth nach seiner Arbeit bei Jenny & Jon auf der Kälberfarm umgesehen und ist über dieses Portal auf die beiden gestoßen. Couchsurfing.com funktioniert ähnlich dem Geben & Nehmen-Prinzip, man bietet eine Schlafmöglichkeit an und kann dafür im Gegenzug bei Mitgliedern von couchsurfing.com weltweit unterkommen. Dies alles ist freiwillig und natürlich kostenlos. Also lernte ich endlich Brenda und John kennen, Willi hatte mir im Vorfeld ja schon merkwürdige Dinge erzählt, aber die Leute in natura vor sich zu haben ist schon ein Erlebnis. Eine Herzlichkeit und Gastfreundschaft, ich war direkt geschockt; Willi und Brenda werfen sich ein aufrichtiges „Love ya“ zu und ich wurde mit John per Umarmung begrüßt. Haben uns dann erstmal in der Küche eingefunden, nach drei Uhr nachmittags wurde schnell festgestellt ist, dass nun endlich die Zeit für selbstgebrauten Schnaps ist (es ist ein kleines Ritual nicht vor drei Uhr zu trinken und selbstgebraut ist am billigsten- Alkohol in Neuseeland ist wesentlich teurer als in Deutschland, aber bei weitem nicht so teuer wie in Skandinavien). Wir blieben aber abstinent, schließlich stand ja heut noch Autofahren auf dem Plan. Oh man. Der Verkäufer stand dann auch schon gleich vor der Tür und wir fanden uns kurze Zeit später in unserem Van, Modell Nissan Vanette 1986, wieder. Nicht nur das das Lenkrad auf der rechten Seite ist, nein auch die Gangschaltung kannte ich vorher nur aus Ami-Filmen. Links vom Lenkrad (wo bei uns der Blinker ist) eine knirschende, eigenwillige und äußerst sperrige 5-Gang-Schaltung. Problem natürlich das Anfahren- Kupplung kommen lassen, wenig Gas. Aber eh wir das hatten, schien in New Plymouth bereits die Abendsonne.

Jedenfalls brauchten wir für unser Auto (gekauft wurde per Handschlag) auch noch eine Versicherung, welche in Neuseeland jedoch keine Pflicht ist. Haben dann gleich der hiesigen Autoversicherungsgesellschaft (AA) einen Besuch abgestattet und ein Angebot eingeholt, Brenda telefoniert gerade noch bei einer anderen Gesellschaft, welche nur telefonisch erreichbar ist (solch formelle Anfragen sollte man nach Möglichkeit von Einheimischen regeln lassen, bei diesen Angelegenheiten ist es besser jemanden fragen zu lassen, der die Sprache und die Leute 100% versteht). Morgen wird dann bei einer von beiden die Versicherung abgeschlossen (abhängig vom Kostenunterschied).

Nach der ganzen Aufregung haben wir zu Abend gegessen, zum Nachtisch- wie konnte es anders sein- wurde Pavlova serviert (Brenda wollte Willi eine Freude bereiten, und glaubt mir, das ist ihr auch mehr als gelungen). Und auch nach dem x-ten Glas Selbstgebrautem wurde noch einigermaßen klar gesprochen, sie vertraute mir sogleich schnell an, dass sie öfters mal Marihuana raucht (Willi meint eigentlich immer)- wegen den Schmerzen (sie hat tatsächlich Rückenschmerzen uns ist daher auch Frührentnerin). Aha- das kann ja noch was werden.

Morgen werden wird dann erstmal alles etwas ruhiger angehen, erst ein wenig am Meer joggen (man läuft durch die Stadt und hat wahlweise Mt Taranaki oder das Meer im Rücken und blickt auf das jeweilig andere- amazing), frühstücken und dann ein wenig Sight-seeing betreiben.

Vielen Dank für Eure Kommentare und Emails, freue mich immer über Neues aus der Heimat,

Eure Maria

PS: Fotos werden so schnell wie möglich mit hochgeladen, sobald sich ein Minütchen mehr Zeit findet, aber da wir die nächste Woche erstmal relaxt angehen, stehen die Chancen nicht schlecht :)

PSS: Auf Wunsch einer einzelnen Dame: habe ein Nokia 2126 in pink- sehr chic.

Montag, 5. November 2007

Shop till you drop.

Gestern sind mir die Füße durch das stundenlange Sitzen im Flieger bedenklich angeschwollen, heute durch mühevolles Gerenne durch die Vorstadt von Auckland, Three Kings, in der wir wohnen.

Auf dem Plan standen Handy, Konto, Essen kaufen fürs Abendbrot und ein paar kleinere Dinge für Willi. Denn heute Abend gibt es Pavlova (in etwa ein festes Sahnehäubchen), ein neuseeländisches Nationalgericht und Willis neue Leibspeise. Aber nicht etwa von Einheimischen zubereitet! Nein, Willi hat sich ein neuseeländisches Kochbuch zugelegt und so werden die Gasteltern heute mit Lasagne bekocht und als Dessert gibt es Pavlova. Irgendwie ist das ein wenig verkehrte Welt, dass wir für die Kiwis einheimisches Essen zubereiten, aber ich freu mich schon darauf. Denn seit 8 Uhr sind wir auf den Beinen und haben die Vorstadt gestürmt. Sind dann auch mit der Absicht ein kostenloses Konto zu eröffnen in die erste Bank hinein und nach kurzem Warten an einen indischen Bankangestellten geraten, der allerdings die nächste Stunde irgendwie ratlos durch die Bank irrte und ständig seine Kollegen fragen musste. Oh my godness. Wir schauten uns kopfschüttelnd an und hatten ein äußerst mulmiges Gefühl in der Magengegend. Denn wir wussten nicht so recht, ob „Raschem“ verstanden hatte, dass wir ein kostenloses Konto haben wollten. Jedenfalls hat er sich erst an die Kontoeröffnung von Willi gemacht, dieser wurde alsgleich sofort mit Passwortfragen, Benutzernamen und allerlei bombardiert, wir haben relativ schnell festgestellt, dass es wesentlich einfacher ist, in Neuseeland ein Visum zu bekommen als ein Bankkonto zu eröffnen. Irgendwie hat es Raschem dann auch geschafft unsere Konten zu eröffnen, wir sehr erleichtert, haben auch alle Unterlagen und sogar schon die Karte bekommen. Habe dann meine Reiseschecks und restliche $US eingezahlt, was sich noch als sehr nützlich erweisen sollte. Denn bereits im nächsten Laden kam der Schock- auf der Suche nach einem günstigen Prepaid-Handy sind wir in einen vodafone-Shop gegangen und dort meinte die Verkäuferin, mein favorisiertes Modell (klein, billig, Nokia) gibt es nur noch in quietsche-pink! Oje. Na ja, in den sauren Apfel gebissen, mit der neuen Karte bezahlt und nun stolzer Besitzer einer neuseeländischen Nummer.

Mittlerweile schmort unser Dessert auch schon im Ofen, werden uns jetzt die Lasagne vornehmen und noch ein paar Dinge für Willi besorgen. Morgen wird dann das Auto geholt und wenn alles so klappt wie wir uns das vorstellen, schauen wir bei Willis alter Arbeitsstätte bei Jenny & Jon auf der Kälberfarm vorbei und machen eine kleine Tour rund um New Plymouth und den Mount Taranaki.

Also dann, fühlt Euch alle ganz lieb gegrüsst!

Sonntag, 4. November 2007

Frankfurt - Seoul - Auckland

Hallo ihr Lieben,

in den nächsten Absätzen werde ich nun grob abreißen, was ich in den letzten, äh inzwischen dürften es ca. 30-40h ohne Schlaf sein, erlebt habe.

Zunächst einmal ging es früh am Freitag, den 02.11.07, um 10 Uhr mit dem Zug von Dresden Hbf nach Frankfurt International Airport. Das war ein tränenreicher Abschied, ein paar der Handballmädels (Janett, Luisa, Geli & Mäggi) und natürlich meine Mum haben mich zum Zug begleitet und mir den Abschied alles andere als leicht gemacht. So ging es schweren Herzens, aber doch mit einem gewissen Kribbeln im Bauch Richtung Neuseeland. Planmäßig in Frankfurt angekommen, galt es noch eine schier ewig dauernde Wartezeit zu überbrücken und gelassen bleiben. Doch kurz vorm Einchecken ruft es auch schon hinter mir: „Maria!“ und voller Erstaunen stelle ich fest, dass mich Briti, meine Tante, soeben überrascht hat! Wahnsinn, ich habe mich doch schon sehr gefreut, sie hat auch gleich das Fernweh gepackt und wir haben dann die restliche Wartezeit einfach mal locker verquatscht (das ist bei uns beiden eigentlich auch kein Problem).

Nach erfolgreichem Durchchecken wartete ich dann mutterseelenallein in einem separaten Areal des Gates aufs Boarden. Plötzlich huschte ein kleiner schwarzen Klumpen über den Boden nahe der Fenster zur Rollbahn. Hä? Hatte mich denn schon etwa irgendeine Panik gepackt? Nein, eine kleine aber dennoch fellige Ratte mit sehr langem Schwanz wuselte mal eben durch einen Bereich, der durch mehrfache Sicherheitskontrollen und abgesperrte Zonen gesichert war. Soviel zum Thema Sicherheit.

Jedenfalls beim Warten zum Boarden hab ich noch die Bekanntschaft mit Michael aus Hannover gemacht, der machte mir auch gleich ohne Umschweife klar, dass es an Bord von Korean Air (die Fluglinie, die mich die nächsten Tage sicher nach Auckland bringen sollte) nur Seetang und typisch koreanisches Food gibt. Na klasse. Zum Glück kommt ja alles sowieso anders als man denkt, jedenfalls konnte man zwischen koreanischem und europäischem Essen wählen. Ein Glück. Aber auch sonst ein Kompliment an unsere asiatischen Duracell-Stewardessen: emsig um das Wohl des Passagiers bemüht, ständig eine zu finden. Bestes Beispiel: in einer 3er Sitzreihe saß neben mir noch eine jugendliche Wienerin (Kerstin) und nach kurzem Vorstellen haben wir uns dann auch schon an die Technik gemacht und einfach mal alle Knöpfe gedrückt, die wir so finden konnten. Keine zwei Sekunden stand auch schon unsere aus dem Ei gepellte und mit blauem Haarband verschnürte Stewardess auf der Matte, wir konnten uns nur noch feixend entschuldigen.

Aber auch der Rest des Services war für Economy erstaunlich gut – wir bekamen (kurze Zusammenfassung): Socken, Zahnbürste, Schlafbrille, Reinigungstuch, Leckerlis, Snacks und das Beste: vor dem Frühstuck einen nassen, warmen Waschlappen. Wahnsinn.

Nun denn, nach ca. 11h haben wir Seoul erreicht und sind auf dem für die WM 2002 gebauten Flughafen Incheon gelandet. Der gesamte Flughafen in einem futuristisch-sterilen Grundton, eine gesamte Ebene nur Duty-Free-Zone (Asiaten fahren tierischst auf Parfum ab, für den normalen Europäer kaum nachzuvollziehen, selbst im Flugzeug wird stündlich nachgesprüht). Die darüberliegende Ebene ist die sogenannte Transit-Lounge mit kostenlosem Internet und Sofas zum Ausruhen. Diese haben wir dann auch prompt genutzt, um unseren sechsstündigen Aufenthalt so schnell wie möglich zu überbrücken.

Es war inzwischen schon später Samstag als wir den Flieger nach Auckland bestiegen. Nocheinmal 11h, Zeitzonenverschiebung nicht berücksichtigt. Dadurch, dass aber beide Flüge Nachtflüge waren, hält sich der Jetlag in Grenzen, man behält seinen normalen Schlafrhythmus bei, ist natürlich aber ein wenig erschöpft.

In Auckland angekommen schnell ausgecheckt, Gepäck gegriffen und Visum kontrollieren lassen, war zum Glück alles in Ordnung. Willi stand auch schon zum Abholen bereit, es war schön dieses vertraute (und gebräunte!) Gesicht wieder zu sehen und natürlich die Gewissheit zu haben, heile angekommen zu sein. Er ist bereits seit zwei Monaten in Neuseeland und hat schon einige Kontakte knüpfen können, sodass wir bei Freunden (nahe Auckland) von seiner ehemaligen Gastfamilie in New Plymouth kostenlos wohnen können. Nach einer kleiner Sightseeing-Tour per Linienbus hat uns der Busfahrer per Zuruf auch liebenswerterweise nahe unserem Zuhause rausgelassen und wir waren relativ schnell in unserer Unterkunft bei Sylvia und Brian Davis, ein älteres und gesetzteres Ehepaar mit regem Mundwerk. Diese waren aber noch unterwegs, sodass mir Zeit zum Duschen und natürlich ausgedehntes Quatschen mit Willi blieb. Die Wohnung ist typisch englisch eingerichtet, mit kleinem Gärtchen und Garage (den Inhalt bekomm ich morgen bei einer Spritztour zu sehen) und das Beste: beheizbares Bett. Ein Traum.

Nachdem ich mich ein wenig frisch gemacht hatte (immer noch ohne Schlaf unterwegs) haben wir uns an die grobe Planung gemacht, wo es uns die nächsten Tage hin verschlagen soll. Dabei haben wir schnell festgestellt, dass wir einen Van brauchen. Denn Hostels kosten auf Dauer recht viel und ständig bei Gastfamilien zu wohnen wollten wir auch nicht. Des Weiteren werden hier Bustickets nach Stunden gekauft, heißt 15h Bus (überregional) kosten $150 (1€ = NZ$2) und für uns, die schließlich das gesamte Land sehen wollen, kann das ganz schnell ins Geld gehen. Also haben wir uns kurzerhand im Internet an die Recherche gemacht und nach laaaanngem Suchen einen Nissan Baujahr 1986 gefunden. Ein Traum von einem Van für $1200. Der einzige Haken: Standort New Plymouth. Wir haben uns mit unseren Gasteltern beratschlagt, und diese meinten, dass Willi’s ehemaliger Gastvater in New Plymouth (Jon, ein vernarrter Autofreak) sich diesen doch mal näher ansehen sollte. Ein paar Telefonate später (landesweite Gespräche sind in Neuseeland kostenlos) meinte Jon, dass wir uns diesen Van keinesfalls durch die Lappen gehen lassen sollten. Jon hat sich persönlich von dem Van überzeugt („The engine works like a clock“) und so fahren wir am Dienstag nach New Plymouth zu Jon und Brenda und holen unser neues „Zuhause“ ab. Bei denen können wir auch wieder umsonst logieren und sie können uns Arbeit im Norden der Nordinsel vermitteln. Denn unser Plan sieht vor Richtung Norden zu fahren (noch nördlicher als Auckland, welche im Übrigen keine wirklich schöne Stadt ist) und dann weiter nach Osten einmal an der Küste entlang bis nach Wellington, der Hauptstadt Neuseelands, in den Süden der Nordinsel. Dann wird es so gegen Februar sein, die perfekte Zeit um mit der Fähre zur Südinsel überzusetzen und in der nun beginnenden Erntezeit mit anzupacken und Geld zu verdienen.

Aber vorerst das Ziel Norden, wo es auf den saftigen Weiden und zahlreichen Farmen für uns hoffentlich Arbeit gibt und wir uns ein kleines Budget erarbeiten können.

Ich für meinen Teil werde nun so langsam in die Heia gehen, nachdem wir an meinem ersten Tag in Neuseeland bereits ein Auto gekauft, das Abendbrot gekocht und scheinbar stundenlang mit der Gastfamilie gequatscht haben. Es wird doch langsam Zeit fürs beheizte Bettchen, morgen wird erstmal ein Handy mit Prepaid gekauft, Erreichbarkeit ist das A und O in Neuseeland, und ein kostenloses Konto eröffnet.

Viele Liebe Grüße in die Heimat sendet Euch Eure Neu-Kiwi Maria!