Liebe Leser,
Ihr werdet Euch sicherlich fragen, was denn in mich gefahren ist. Erst über einen Monat den Blog anstauben lassen, und dann plötzlich gibt es mehr zu lesen, als die Mittagspause lang ist. Aber was kann ich denn dafür, dass erst wochenlag der Alltag regiert und es dann blitzartig in das komplette Gegenteil umschlägt? Aber lest selbst:
(Für neu dazugekommene Leser: um den Strang der Geschichte zu verstehen und die Chronologie aufrechtzuerhalten, bitte erst den Eintrag “Weihnachten die Zweite.” lesen, danach “Stadtkinder.” und zum Schluss der Eintragstrilogie schließlich “Von Göttern und Halbgöttern”).
Heute bin ich trotz leichter Erkältung zum Arbeiten zu Riverlands gefahren. “Das stehst Du auch noch durch”, dachte ich mir, sind ja nur noch zwei Schichten, deren Tage ich in jeder freien Minute vor meinem geistigen Auge herunterzähle.
Also schälte ich mich widerwillig aus dem warmen Bettchen, kippte meinen morgendlichen Kaffee hinunter und lief zum Auto. Nun, verehrte Blogleser, die Preisfrage: was ist aus recyceltem Papier, ca. 40cm x 10cm, ist ein handschriftlich ausgefülltes Formular und – wenn es jetzt nicht schon klingelt, gibt es hier den entscheidenen Hinweis: klemmt am Scheibenwischer? Richtig! Ein Knöllchen, vom Regen gewellt, von der Sonne gegerbt und von mir geliebt. Erinnert Ihr Euch noch an den letzten Blogeintrag, in dem am Ende der Patron zum Schutze erwähnt wird? Der wird sich vermutlich folgendes gedacht haben: “Mmh, Gottes Segen gegen die Abschleppmafia ist ja schön und gut, für 'ne halbe Stunde ist das auch möglich. Aber gleich eine ganze Stunde Beistand?! Den Teufel werd' ich tun! Hauptmann!”. Die einfache Variante wäre natürlich die, das das gestresste (wie kann es anders sein) Marialein die Parkschilder übersehen hat. Das wäre aber zu einfach. Zusammenfassend kann ich sagen: eine klasse Woche für den armen Blusterfisch. Erst wird ihm das Abschleppen angedroht (stand erst auf dem internen Parkplatz eines bekannten Mobilfunkherstellers hinter unserem Haus), dann fällt das über dem Blusterfisch schwebende Abschlepp-Damoklesschwert mit sausender Geschwindigkeit herab und der arme Kleine wird tatsächlich abgeschleppt und nun das: ein Knöllchen. Langsam reicht's, echt jetzt.
Aber was ist denn schon ein Knöllchen? Das wird später eingerahmt und im Zimmer als Andenken aufgehangen. Oder ist es etwa mehr? Womöglich der Auftakt zu einem – Entschuldigung, der Ton und die Contenance gehen gerade flöten – beschissenen Tag...?
Erstmal auf Arbeit angekommen, deutete zunächst nichts auf etwas Ungewöhnliches hin. Heute war mein Tag Extraschicht, heißt, es wird mit Messer, Fleisch und Blut hantiert. Aber nicht mit tierischem Fleisch und Blut. Die Regel “Schneide stets vom Körper weg!” bekommt man schon im Kindesalter eingetrichtet, doch wie so manch anderes ging auch das in meiner Phase des Erwachsenwerdens scheinbar unerklärlicherweise verloren. (Mama, Papa, bitte überspringt den folgenden Abschnitt). Jedenfalls rammte ich mir dann ein Fleischermesser in den Oberschenkel. Das Tolle ist, ich muss an dieser Stelle nicht erwähnen wie es passiert ist, denn – wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen – Eure Sprüche sind mir jetzt schon sicher. So, also das linke Bein des Overallanzug färbte sich nun zusehends ziegelsteinrot, auch die Fleischerschürze war nicht mehr so ganz im Stück. Schnell machte ich auf mein Missgeschick aufmerksam und es brach ein kleines bisschen Panik aus (arg neuseelanduntypisch, Kiwis haben eigentlich immer die Ruhe weg), hektisch wurde nach Kompressen gesucht. Kurz danach – mittlerweile war ich bei unserer Warenausgabe geparkt worden – brach eine heftige Debatte darüber los, wie denn mit der Wunde zu verfahren sei. Fachmännisch wurde diskutiert: “Das muss sofort genäht werden!” - “Sicher?” - “Absolut, da quillt ja schon die Fettschicht raus!”. Bitte? Fett? Mein Lieber, erwähne niemals Fett im Zusammenhang mit einer Frau. Erst recht nicht, wenn die Frau gerade im Schockzustand ist.
Gut, eiligst wurde jemand ranbeordert, der mich zum nächsten Ambulanz fährt, zum Glück ist selbige nur fünf Minuten von Arbeit entfernt. Dort angekommen, beäugte mich die Schwester kurz und meinte abfällig auf meine Aussage, dass ich von Riverlands komme und eine Schnittwunde habe: “Ach, Du verblutest schon nicht, setz' Dich erstmal ins Wartezimmer.”. Ok, bald darauf wurde ich dann auch von den Ärzten in Empfang genommen, kritisch begutachtet und nebenbei wurde sowas gemurmelt wie “Mädel!” oder auch “Wie kann man nur?!”. Nach kurzer Diagnose wurde sofort festgestellt: “Das muss genäht werden!”. Ach du meine Güte, wie jetzt? In echt? Ehe der Arzt auf meinen fragenden und etwas verstörten Gesichtsausdruck antworten konnte, lag ich schon auf der Pritsche. Mittlerweile standen nun schon zwei Doktoren um mich herum und fleischerten munter drauf los. Die Halbgötter in Weiß lugten in die Wunde und Frau Doktor grinste: “Siehst Du? Da ist die Fettschicht”, während sie im klaffenden Etwas in meinem Bein rumpulte. Daraufhin murmelte ich stirnrunzelnd, dass ich kein Fett in den Schenkel habe, was sie mit einem “Ach Herzchen, es ist einfach überall!” weglächelte. Danke auch. Aber Handballer kennen bekanntlich keinen Schmerz, vor allem dann nicht, wenn vorher lokal anästhesiert wurde. Glück gehabt. Dann gab es eine kleine Einführung ins 1x1 der neuseeländischen Nähkunst und mit mehreren Stichen, noch mehr Kompressen und einer Wiedervorstellung nächsten Mittwoch wurde ich dann wieder entlassen. Meine einzige Angst besteht jetzt darin, dass sich die Wunde infiziert haben könnte, denn zuvor wurde mit dem Messer, was ich mir ins Bein gestoßen habe, Fleisch bearbeitet. Aber hoffentlich ist meine Tetanus-Impfe noch aktiv, und um Infektionen auszuschließen habe ich ja am Mittwoch den Wiedervorstellungstermin.
Ihr werdet Euch sicherlich fragen, was denn in mich gefahren ist. Erst über einen Monat den Blog anstauben lassen, und dann plötzlich gibt es mehr zu lesen, als die Mittagspause lang ist. Aber was kann ich denn dafür, dass erst wochenlag der Alltag regiert und es dann blitzartig in das komplette Gegenteil umschlägt? Aber lest selbst:
(Für neu dazugekommene Leser: um den Strang der Geschichte zu verstehen und die Chronologie aufrechtzuerhalten, bitte erst den Eintrag “Weihnachten die Zweite.” lesen, danach “Stadtkinder.” und zum Schluss der Eintragstrilogie schließlich “Von Göttern und Halbgöttern”).
Heute bin ich trotz leichter Erkältung zum Arbeiten zu Riverlands gefahren. “Das stehst Du auch noch durch”, dachte ich mir, sind ja nur noch zwei Schichten, deren Tage ich in jeder freien Minute vor meinem geistigen Auge herunterzähle.
Also schälte ich mich widerwillig aus dem warmen Bettchen, kippte meinen morgendlichen Kaffee hinunter und lief zum Auto. Nun, verehrte Blogleser, die Preisfrage: was ist aus recyceltem Papier, ca. 40cm x 10cm, ist ein handschriftlich ausgefülltes Formular und – wenn es jetzt nicht schon klingelt, gibt es hier den entscheidenen Hinweis: klemmt am Scheibenwischer? Richtig! Ein Knöllchen, vom Regen gewellt, von der Sonne gegerbt und von mir geliebt. Erinnert Ihr Euch noch an den letzten Blogeintrag, in dem am Ende der Patron zum Schutze erwähnt wird? Der wird sich vermutlich folgendes gedacht haben: “Mmh, Gottes Segen gegen die Abschleppmafia ist ja schön und gut, für 'ne halbe Stunde ist das auch möglich. Aber gleich eine ganze Stunde Beistand?! Den Teufel werd' ich tun! Hauptmann!”. Die einfache Variante wäre natürlich die, das das gestresste (wie kann es anders sein) Marialein die Parkschilder übersehen hat. Das wäre aber zu einfach. Zusammenfassend kann ich sagen: eine klasse Woche für den armen Blusterfisch. Erst wird ihm das Abschleppen angedroht (stand erst auf dem internen Parkplatz eines bekannten Mobilfunkherstellers hinter unserem Haus), dann fällt das über dem Blusterfisch schwebende Abschlepp-Damoklesschwert mit sausender Geschwindigkeit herab und der arme Kleine wird tatsächlich abgeschleppt und nun das: ein Knöllchen. Langsam reicht's, echt jetzt.
Aber was ist denn schon ein Knöllchen? Das wird später eingerahmt und im Zimmer als Andenken aufgehangen. Oder ist es etwa mehr? Womöglich der Auftakt zu einem – Entschuldigung, der Ton und die Contenance gehen gerade flöten – beschissenen Tag...?
Erstmal auf Arbeit angekommen, deutete zunächst nichts auf etwas Ungewöhnliches hin. Heute war mein Tag Extraschicht, heißt, es wird mit Messer, Fleisch und Blut hantiert. Aber nicht mit tierischem Fleisch und Blut. Die Regel “Schneide stets vom Körper weg!” bekommt man schon im Kindesalter eingetrichtet, doch wie so manch anderes ging auch das in meiner Phase des Erwachsenwerdens scheinbar unerklärlicherweise verloren. (Mama, Papa, bitte überspringt den folgenden Abschnitt). Jedenfalls rammte ich mir dann ein Fleischermesser in den Oberschenkel. Das Tolle ist, ich muss an dieser Stelle nicht erwähnen wie es passiert ist, denn – wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen – Eure Sprüche sind mir jetzt schon sicher. So, also das linke Bein des Overallanzug färbte sich nun zusehends ziegelsteinrot, auch die Fleischerschürze war nicht mehr so ganz im Stück. Schnell machte ich auf mein Missgeschick aufmerksam und es brach ein kleines bisschen Panik aus (arg neuseelanduntypisch, Kiwis haben eigentlich immer die Ruhe weg), hektisch wurde nach Kompressen gesucht. Kurz danach – mittlerweile war ich bei unserer Warenausgabe geparkt worden – brach eine heftige Debatte darüber los, wie denn mit der Wunde zu verfahren sei. Fachmännisch wurde diskutiert: “Das muss sofort genäht werden!” - “Sicher?” - “Absolut, da quillt ja schon die Fettschicht raus!”. Bitte? Fett? Mein Lieber, erwähne niemals Fett im Zusammenhang mit einer Frau. Erst recht nicht, wenn die Frau gerade im Schockzustand ist.
Gut, eiligst wurde jemand ranbeordert, der mich zum nächsten Ambulanz fährt, zum Glück ist selbige nur fünf Minuten von Arbeit entfernt. Dort angekommen, beäugte mich die Schwester kurz und meinte abfällig auf meine Aussage, dass ich von Riverlands komme und eine Schnittwunde habe: “Ach, Du verblutest schon nicht, setz' Dich erstmal ins Wartezimmer.”. Ok, bald darauf wurde ich dann auch von den Ärzten in Empfang genommen, kritisch begutachtet und nebenbei wurde sowas gemurmelt wie “Mädel!” oder auch “Wie kann man nur?!”. Nach kurzer Diagnose wurde sofort festgestellt: “Das muss genäht werden!”. Ach du meine Güte, wie jetzt? In echt? Ehe der Arzt auf meinen fragenden und etwas verstörten Gesichtsausdruck antworten konnte, lag ich schon auf der Pritsche. Mittlerweile standen nun schon zwei Doktoren um mich herum und fleischerten munter drauf los. Die Halbgötter in Weiß lugten in die Wunde und Frau Doktor grinste: “Siehst Du? Da ist die Fettschicht”, während sie im klaffenden Etwas in meinem Bein rumpulte. Daraufhin murmelte ich stirnrunzelnd, dass ich kein Fett in den Schenkel habe, was sie mit einem “Ach Herzchen, es ist einfach überall!” weglächelte. Danke auch. Aber Handballer kennen bekanntlich keinen Schmerz, vor allem dann nicht, wenn vorher lokal anästhesiert wurde. Glück gehabt. Dann gab es eine kleine Einführung ins 1x1 der neuseeländischen Nähkunst und mit mehreren Stichen, noch mehr Kompressen und einer Wiedervorstellung nächsten Mittwoch wurde ich dann wieder entlassen. Meine einzige Angst besteht jetzt darin, dass sich die Wunde infiziert haben könnte, denn zuvor wurde mit dem Messer, was ich mir ins Bein gestoßen habe, Fleisch bearbeitet. Aber hoffentlich ist meine Tetanus-Impfe noch aktiv, und um Infektionen auszuschließen habe ich ja am Mittwoch den Wiedervorstellungstermin.
So langsam dürfte mich der Alltag ruhig wieder einholen, ich hätte nichts, aber auch gar nichts dagegen.

