Montag, 17. März 2008

Von Göttern und Halbgöttern

Liebe Leser,
Ihr werdet Euch sicherlich fragen, was denn in mich gefahren ist. Erst über einen Monat den Blog anstauben lassen, und dann plötzlich gibt es mehr zu lesen, als die Mittagspause lang ist. Aber was kann ich denn dafür, dass erst wochenlag der Alltag regiert und es dann blitzartig in das komplette Gegenteil umschlägt? Aber lest selbst:

(Für neu dazugekommene Leser: um den Strang der Geschichte zu verstehen und die Chronologie aufrechtzuerhalten, bitte erst den Eintrag “Weihnachten die Zweite.” lesen, danach “Stadtkinder.” und zum Schluss der Eintragstrilogie schließlich “Von Göttern und Halbgöttern”).

Heute bin ich trotz leichter Erkältung zum Arbeiten zu Riverlands gefahren. “Das stehst Du auch noch durch”, dachte ich mir, sind ja nur noch zwei Schichten, deren Tage ich in jeder freien Minute vor meinem geistigen Auge herunterzähle.
Also schälte ich mich widerwillig aus dem warmen Bettchen, kippte meinen morgendlichen Kaffee hinunter und lief zum Auto. Nun, verehrte Blogleser, die Preisfrage: was ist aus recyceltem Papier, ca. 40cm x 10cm, ist ein handschriftlich ausgefülltes Formular und – wenn es jetzt nicht schon klingelt, gibt es hier den entscheidenen Hinweis: klemmt am Scheibenwischer? Richtig! Ein Knöllchen, vom Regen gewellt, von der Sonne gegerbt und von mir geliebt. Erinnert Ihr Euch noch an den letzten Blogeintrag, in dem am Ende der Patron zum Schutze erwähnt wird? Der wird sich vermutlich folgendes gedacht haben: “Mmh, Gottes Segen gegen die Abschleppmafia ist ja schön und gut, für 'ne halbe Stunde ist das auch möglich. Aber gleich eine ganze Stunde Beistand?! Den Teufel werd' ich tun! Hauptmann!”. Die einfache Variante wäre natürlich die, das das gestresste (wie kann es anders sein) Marialein die Parkschilder übersehen hat. Das wäre aber zu einfach. Zusammenfassend kann ich sagen: eine klasse Woche für den armen Blusterfisch. Erst wird ihm das Abschleppen angedroht (stand erst auf dem internen Parkplatz eines bekannten Mobilfunkherstellers hinter unserem Haus), dann fällt das über dem Blusterfisch schwebende Abschlepp-Damoklesschwert mit sausender Geschwindigkeit herab und der arme Kleine wird tatsächlich abgeschleppt und nun das: ein Knöllchen. Langsam reicht's, echt jetzt.

Aber was ist denn schon ein Knöllchen? Das wird später eingerahmt und im Zimmer als Andenken aufgehangen. Oder ist es etwa mehr? Womöglich der Auftakt zu einem – Entschuldigung, der Ton und die Contenance gehen gerade flöten – beschissenen Tag...?

Erstmal auf Arbeit angekommen, deutete zunächst nichts auf etwas Ungewöhnliches hin. Heute war mein Tag Extraschicht, heißt, es wird mit Messer, Fleisch und Blut hantiert. Aber nicht mit tierischem Fleisch und Blut. Die Regel “Schneide stets vom Körper weg!” bekommt man schon im Kindesalter eingetrichtet, doch wie so manch anderes ging auch das in meiner Phase des Erwachsenwerdens scheinbar unerklärlicherweise verloren. (Mama, Papa, bitte überspringt den folgenden Abschnitt). Jedenfalls rammte ich mir dann ein Fleischermesser in den Oberschenkel. Das Tolle ist, ich muss an dieser Stelle nicht erwähnen wie es passiert ist, denn – wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen – Eure Sprüche sind mir jetzt schon sicher. So, also das linke Bein des Overallanzug färbte sich nun zusehends ziegelsteinrot, auch die Fleischerschürze war nicht mehr so ganz im Stück. Schnell machte ich auf mein Missgeschick aufmerksam und es brach ein kleines bisschen Panik aus (arg neuseelanduntypisch, Kiwis haben eigentlich immer die Ruhe weg), hektisch wurde nach Kompressen gesucht. Kurz danach – mittlerweile war ich bei unserer Warenausgabe geparkt worden – brach eine heftige Debatte darüber los, wie denn mit der Wunde zu verfahren sei. Fachmännisch wurde diskutiert: “Das muss sofort genäht werden!” - “Sicher?” - “Absolut, da quillt ja schon die Fettschicht raus!”. Bitte? Fett? Mein Lieber, erwähne niemals Fett im Zusammenhang mit einer Frau. Erst recht nicht, wenn die Frau gerade im Schockzustand ist.
Gut, eiligst wurde jemand ranbeordert, der mich zum nächsten Ambulanz fährt, zum Glück ist selbige nur fünf Minuten von Arbeit entfernt. Dort angekommen, beäugte mich die Schwester kurz und meinte abfällig auf meine Aussage, dass ich von Riverlands komme und eine Schnittwunde habe: “Ach, Du verblutest schon nicht, setz' Dich erstmal ins Wartezimmer.”. Ok, bald darauf wurde ich dann auch von den Ärzten in Empfang genommen, kritisch begutachtet und nebenbei wurde sowas gemurmelt wie “Mädel!” oder auch “Wie kann man nur?!”. Nach kurzer Diagnose wurde sofort festgestellt: “Das muss genäht werden!”. Ach du meine Güte, wie jetzt? In echt? Ehe der Arzt auf meinen fragenden und etwas verstörten Gesichtsausdruck antworten konnte, lag ich schon auf der Pritsche. Mittlerweile standen nun schon zwei Doktoren um mich herum und fleischerten munter drauf los. Die Halbgötter in Weiß lugten in die Wunde und Frau Doktor grinste: “Siehst Du? Da ist die Fettschicht”, während sie im klaffenden Etwas in meinem Bein rumpulte. Daraufhin murmelte ich stirnrunzelnd, dass ich kein Fett in den Schenkel habe, was sie mit einem “Ach Herzchen, es ist einfach überall!” weglächelte. Danke auch. Aber Handballer kennen bekanntlich keinen Schmerz, vor allem dann nicht, wenn vorher lokal anästhesiert wurde. Glück gehabt. Dann gab es eine kleine Einführung ins 1x1 der neuseeländischen Nähkunst und mit mehreren Stichen, noch mehr Kompressen und einer Wiedervorstellung nächsten Mittwoch wurde ich dann wieder entlassen. Meine einzige Angst besteht jetzt darin, dass sich die Wunde infiziert haben könnte, denn zuvor wurde mit dem Messer, was ich mir ins Bein gestoßen habe, Fleisch bearbeitet. Aber hoffentlich ist meine Tetanus-Impfe noch aktiv, und um Infektionen auszuschließen habe ich ja am Mittwoch den Wiedervorstellungstermin.

So langsam dürfte mich der Alltag ruhig wieder einholen, ich hätte nichts, aber auch gar nichts dagegen.

Freitag, 14. März 2008

Stadtkinder. (Nachtrag zum letzten Blogeintrag)

Nur eine kurze Info nach Deutschland geschickt: wir sind schon wieder umgezogen. Ehe Ihr Euch nun die Hände über den Kopf zusammenschlagend fragt, was denn nun wieder passiert ist: alles in Ordnung. Keine Panik.

Wie im letzten Blogeintrag bereits erwähnt, war das neue Heim nicht wirklich sauber und reinlich. Gerade als "Rucksacktourist", der dazu noch überwiegend im Van haust, schraubt man seine Ansprüche generell etwas herunter. Man braucht keine vergoldeten Wasserhähne im Bad, keine Edelpatina auf dem Dach oder Esstische aus Edelkirsche. Aber wenigstens eine gewisse Sauberkeit sollte das Heim schon haben. Gerade in der Küche, wo Mahlzeiten und Essen zubereitet werden. Dies war im Haus der älteren Dame, die noch von einer gerade vorgenommenen Hüft-OP laboriert und dementsprechend mobil ist, nicht der Fall. Angerissenes Hundefutter kuschelt zusammen mit anderen Lebensmitteln im Kühlschrank, gammelige Bananen liegen im Schrank für Teller und Tassen und Fliegen überall. Das kulinarische Desaster folgte sogleich am ersten Abend: die Hausbesitzerin war noch im Krankenhaus, wir aber bereits eingezogen und Willi hat sich an das Abendessen für eine Freundin der Hausbesitzerin, die die Tiere und das Haus hütet, und uns gemacht. Chefkochtypisch wurde ich zum Reiskochen degradiert und wie sich später herausstellen sollte, war das eine durchaus dankbare Angelegenheit. Denn, um die Sache mal abzukürzen, Details gibts in Willis Partnerblog, fing der Ofen plötzlich an zu rauchen und zu qualmen. Vorheizen ist anders. Die geplante Hühnchenpfanne löste sich wahrhaftig in Rauch auf, stattdessen gab es schließlich Reis mit Brot.
Ihr seht schon, worauf ich hinaus will: wenn man darauf achtet, sich möglichst nichts beim Zubereiten von Essen einzufangen bzw. die Haushaltsgeräte in der Küche ein solches Zubereiten erst gar nicht erlauben, dann ist irgendwas verkehrt. So kam das Angebot unserer philippinischen Arbeitskollegin (Erdhörnchen) gerade richtig, die uns ein Zimmer in ihrer riesigen Apartmentwohnung offeriert hat.
Jeder Arbeitskollege bekommt von uns im Laufe der Zeit automatisch einen Spitznamen weg, denn in Anwesenheit der betreffenden Person kann man ja schließlich nicht ungehemmt über denjenigen reden. Dank ihrer kleinen, gedrungenen Statue und ihrer mehr als markant-schrillen Lache hat unsere Mitarbeiterin Flora also schnell den Spitznamen "Erdhörnchen" verliehen bekommen, der wirklich wie die Faust aufs Auge zutrifft.
Sie wohnt in der nächstgrößeren Stadt Hawera (11 000 Einwohner), welche ca. 15 Minuten von Arbeit entfernt ist, in einer sehr geräumigen Wohnung mit vier Zimmern und einem Wohnzimmer. Drei Zimmer stehen zur Untermiete und glücklicherweise ist eine ältere Dame gerade ausgezogen, sodass wir freudestrahlend das freigewordene Zimmer nun unser Eigen nennen dürfen. Die anderen Zimmer bewohnen ebenfalls Philippinesen, alle recht freundlich und vor allem: sauber. Das ganze Zusammenleben ist mit einer multikulturellen Jugendherberge zu vergleichen, jeder kommt und geht wann er will, ab und zu trifft man sich in der Küche (sauber!) und abends verschwindet jeder in sein Zimmer. Dazu kommt, dass wir nun endlich wieder mitten in der Stadt leben (Stadtkinder zieht es eben doch wieder zurück) und es ist eine gelungene Abwechslung, wieder zivilisiert in vier Wänden zu schlafen. Noch dazu, wenn keine Kuh durch die Scheibe glotzt und sich im nächsten Augenblick lautstark erleichtert.

Neulich hatten wir Besuch bekommen und Willi und ich schauten uns an: "Na heu, den kennen wir doch!". Richtig, es war ein Schlachter von Arbeit, der dank seinen muslimisc
hen Glaubenshintergrundes die Tiere segnet, die dann in muslimische Länder exportiert werden. Dieses Procedere nennt sich "Halal" und bezeichnet eben diese Tiere, dessen Fleisch mit Extrastempel in besonderen Kartons in die betreffenden Länder hin verschifft wird.
Jedenfalls meinte Willi dann ganz überschwänglich, dass wir nun auch endlich unseren eigenen Terroristen haben, was von mir jedoch mit einem strengen Blick gerügt wurde. Also sowas.

Da die neue Wohnung in einem Lagerhausareal mitten an der Hauptstraße Haweras liegt, befindet sich hinter dem Haus Anlieferungs- und Beladungszonen für die einzelnen Läden. Problematisch ist dies in dem Falle, wenn man sein Auto parken möchte. Und der kleine Blusterfisch ist ja doch schon etwas sperrig, aber nach kurzer Einweisung vom Erdhörnchen hat sich auch ein Parkplatz gefunden. Nun sind wir eines schönen Tages von Arbeit nach Hause gefahren und das Erdhörnchen quieckte ganz erschrocken: "Hey Mary, where's your
van?" ("[...], wo ist dein Auto?"). Gute Frage eigentlich. Verdammt! Wo ist der Van? (Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr merkt, dass was mächtig vor den Baum fährt und es langsam anfängt in den Beinen zu kribbeln?). Genau- wie auf Knopfdruck schaltete sich mein Kopfkino an, ratter ratter, kein Auto - kein Transport - keine Südinsel - kein Reisen - kein Geld - bis zum Ende des Neuseelandaufenthaltes bei Riverlands am Band malochen. Filmriss.
Eine WG-Mitbewohnerin hat gerade Wäsche aufgehangen und kam nun mit betretener Miene und Wäschekorb unterm Arm gekrallt auf uns zu und verkündete die bereits befürchtete Nachricht: "Wir haben ein Problem", (-"Ach, wirklich?", dachte ich mir, "bitte jetzt nicht unnötiges Drama!"), "der Van ist abgeschleppt worden.". Was ist los? Abgeschleppt? Himmel hilf, ich hatte die Handbremse angezogen und den ersten Gang eingelegt, wie schleppt man dann ab, ohne irgendwas kaputt zu wirschen?
Nach einem wirklich anstrengenden Arbeitstag war ich nun auch nervlich dem Ende erschreckend nahe, Flora hat mich dann gleich zum Eigentümer mitgenommen und der hat uns breitgrinsend verkündet, dass er den Van leider abschleppen lassen musste, da er Lieferwege blockiert hat. Flora hatte mir beim Einweisen in die Parkplätze zwar gesagt, dass das Parken dort erlaubt sei, aber vergessen zu erwähnen, dass man dies nur nachts dürfe. Und das schließt "tagsüber" nun mal klassisch aus. Na ja, wie dem auch sei, gegen eine - im Vergleich zu deutschen Verhältnissen - moderate Gebühr (ca. 40 Euro) war der Blusterfisch aus den Fängen der Abschleppmafia befreit und steht nun auf der Straße vor einer Kirche, die hoffentlich ab und zu einen Patron rausschickt, der über ihn wacht und eine schützende Hand über ihn hält.

Anbei noch ein Foto mit Blick auf Haweras "High Street", im Hintergrund Mt. Taranaki, aufgenommen von der Balkonveranda.

Sonntag, 9. März 2008

Weihnachten die Zweite.

Liebe Freunde der seichten literarischen Unterhaltung: zuersteinmal sei eine kleine Entschuldigung vorangestellt, dass ich Euch so lange hab warten lassen. Aber die letzten Wochen bestanden hauptsächlich aus Arbeit (ächz!) und noch mehr Arbeit. Denn, wie der fleißige Blogleser weiß, arbeiten wir vier Tage und haben anschließend vier Tage frei. Durch unsere Gastmutter Judy haben wir nun außerdem noch den Kontakt zu unseren unmittelbaren Nachbarn vermittelt bekommen, die Lilien anbauen und diese überall in die weite Welt hin exportieren. Nach kürzerem Vorstellen konnten wir dann eine weitere berufliche Tätigkeit unserem Lebenslauf hinzufügen: Blümlein pflücken. Im Gegensatz zum körperlich anstrengendem Spargelstechen ist das ein Witz. Zumal wir nicht einmal selber auf dem Feld herumgesprungen sind, sondern gemütlich um 9 Uhr in der Früh im Packhaus erschienen sind, um dann entspannt die Blumen zu binden und zu sortieren. Dies haben wir nebenbei an unseren freien Tagen gemacht (man gönnt sich ja sonst nix), somit noch ein wenig die Kasse aufgefüllt und Kontakte gepflegt. Mittlerweile ist die Saison aber zu Ende und man sieht sich nun wieder vier Tagen frei gegenüber. Denkste! „Nicht das noch Langeweile aufkommt“, dachte ich mir und habe mich für freiwillige Extraschichten auf Arbeit im Schlachtbetrieb einschreiben lassen (ich blöde Gans). Denn im wahrsten Sinne des Wortes stellt Riverlands für mich eine goldene Kuh dar, die ich finanziell noch richtig ausschlachten möchte, ehe es auf große Reise geht. Doch dazu später mehr. Die Arbeit der Extraschicht besteht größtenteils aus Fleischverpacken und Zuschneiden, sodass ich bereits nach fünf Minuten aussehe wie Sau. Von oben bis unten mit Blut besprenkelt, kleine Akzente setzen diverse Fleischstückchen, die dann je nach hektischer oder weniger ruppiger Arbeit an der Schürze kleben. Lecker. Als ob das nicht schon längst genug wäre, arbeitet man im extra herunterreguliertem Kühlhaus. Na klasse- an meinem ersten Arbeitstag im sogenannten „Chiller“ (Kühlraum) sind mir dermaßen die Fingerchen eingefroren, dass ich Probleme hatte, mein Frühstück noch während der Pausenzeit zu essen. Erst durch viel Vitamin B habe ich dann Stoffhandschuhe bekommen, doch die linderten den Schmerz nur minimal. Egal, am Ende des Tages klingelt die Kasse, das ist es, was zählt. Zumindest im Moment. Denn eine weitere große Änderung hat sich ergeben: Willi hat seine Pläne neu geschmiedet und bleibt nun bis einschließlich Juni Angestellter bei Riverlands. Da ich aber bereits vor Juni zwecks Studienbewerbung längst wieder in der geliebten und bereits stark vermissten Heimat ankommen muss, fällt diese Variante für mich flach. Mein letzter Arbeitstag wird nun Ende März sein (schon bald, ich bin schon ganz aufgeregt!) und dann beginnt das eigentliche Reisen in diesem Sinne- Aufbruch zur Südinsel. Dort bleibt mir dann ca. ein knapper Monat um die gesamte Südinsel einmal zu umfahren, ehe ich per Fähre wieder auf die Nordinsel übersetze und dort die Ostküste und den Norden erkundschafte. Mitte Mai heißt es dann auch schon wieder: „Fasten your seatbelts and ready to take off!“ („Anschnallen und bereitmachen zum Start!").

Jedenfalls mache ich mich allein auf die Reise, begleitet werde ich natürlich weiterhin vom Blusterfisch (der arme Kleine!), Tipps von allen Neuseeländern, die von meinen Reiseplänen hören („Mache dies unbedingt, lass' das sein, pass auf dich auf, fahre da keinesweg lang und überhaupt und so und so...“), Adressen zum Übernachten und Leute treffen (bin schon fleißig am Sammeln), Reiserouten, die ich mir minutiös im Kopf zurechtlege, Panikattacken („Maria! Was machst Du, wenn das Auto liegenbleibt?“), weiter zu berechtigten Ängsten („Wenn nun aber der Kettensägenmörder hinter Dir aus dem Busch springt?“) und Respekt vor dem Wetter (es wird kalt... sehr kalt). Aber ich bin schon voller Vorfreude, so sehr, dass ich bereits jetzt die Fähre von Wellington (Hauptstadt Neuseelands, im Süden der Nordinsel) nach Picton (Anlagestelle im Norden der Südinsel) gebucht habe (sicher ist sicher, man weiß ja nie, Umbuchen kann ich bis einen Tag vor Abreise immer noch). Wie so vieles ging das Buchen per Internet, bequem, schnell und zuverlässig.
Ich bin noch lange nicht an der Stelle angelangt, die es mir erlaubt, ein Fazit meines Neuseelandaufenthaltes zu ziehen, aber ich darf durchaus vorwegnehmen, dass ohne das Internet vieles nicht möglich gewesen wäre bzw. nicht zu realisieren ist oder aber sich gewisse Dinge deutlich schwieriger umsetzen lassen würden (Kommunikation nach Hause zum Beispiel, mein Emailfach sprengt alle Rekorde und auch dieser Blog, der eine bestimmte Beziehung zu Euch herstellt). Dies nur am Rande.
Damit mich der kleine schnucklige Van auch überall sicher und zuverlässig hinbringt, habe ich mich entschlossen, den altersschwachen Radiator (Kühler) durch unseren Stammmechaniker in Hawera ersetzen zu lassen. Mit tatkräftiger finanzieller Unterstützung von Willi (einen lieben Dank hierfür nun auch virtuell, weiß auf blau) ließ sich das auch schnell und unkompliziert realisieren, nun bekommt der Blusterfisch keine Hitzewallungen mehr. Morgen wird auch der WOF (Warrant of fitness, entspricht in etwa unserem TÜV, jedoch nicht mit den gleichen strengen Reglementierungen) erneuert und ich erlebe hoffentlich keine weiteren unliebsamen Überraschungen mehr.

Nun zur Überschrift und was es damit auf sich hat: „Weihnachten die Zweite“ wirft nun ersteinmal ein großes Fragezeichen in den Raum. Tatsächlich jedoch haben Brenda und John in New Plymouth Besuch von Brenda's Schwester aus Australien bekommen und zu diesem Zweck sollte Weihnachten nachgefeiert werden. Wir waren dazu herzlich eingeladen und so sind wir mit einem kleinen Wichtelgeschenk vergangene Woche zum Weihnachtsfest im Februar erschienen. Es war eine gesellige Runde, mit einem leckerem Festschmaus und natürlich gab es auch ein kleines Geschenk für uns: Willi hat Getränkeuntersetzer mit dem Abbild des Mount Taranaki für seine Bar geschenkt bekommen und mich ziert seit dem eine wunderschöne Halskette mit dem Anhänger einer Pauamuschel, die an erlesenen Strandplätzen quer über Neuseeland gefunden werden kann. Diese Muschel hat die besondere Eigenschaft, dass sie mich fortan auf meinen Reisen „beschützen“ soll, insbesondere bei Reisen über das Wasser. Na dann, auf die Fährüberfahrt bin ich schon sehr gespannt.


Des Weiteren ein weiterer Umbruch in unserem Alltagsleben: wir sind umgezogen! Lange genug haben wir nun schon bei unserer Spargelfamilie hausen dürfen, seit Mitte November vergangenen Jahres. Da dies ein doch schon längerer Zeitraum ist und ein baldiges Weiterziehen spürbar in der Luft lag, suchten wir die Augen offen haltend nach einer baldigen Umzugsmöglichkeit. An der Warenausgabe auf Arbeit war dann auch ein Aushang zu finden, der genau dies offerierte. Gegen eine akzeptable Summe gibt's seitdem Essen, warmes Bett und Dach überm Kopf. Der Haken an der Sache: das neue Heim liegt mitten in der Pampa. Wirklich im Nirgendwo. Bis auf Arbeit fährt man ca. 20 Minuten, aber für drei Wochen nimmt man das in Kauf. Zur Untermiete sind wir bei einer älteren Frau mitsamt Hund und drei Katzen, neuseelandtypisch ist das Haus etwas „unaufgeräumt“ (mein Zimmer ist im Vergleich ein Sterilraum), da die meisten Kiwis nicht wirklich Wert auf ein geordnetes Heim legen. Dies mutet zunächst etwas chaotisch an, aber einmal daran gewöhnt ist man quasi „abgehärtet“ und reduziert sich in seinen Bedürfnissen auf das Wesentliche: Dusche, Kühlschrank, Bett. Weiterhin ist die Gutste, die mit Nachnamen übersetzt „Mondstern“ heißt, etwas esoterisch angehaucht, das Haus ziert etwas zuviel Nippes und in Anlehnung an den Namen findet man überall Dinge, die auf diesen hinweisen: Mond und Sterne. Na ja, ist schließlich nicht für lang, am 4. April geht meine Fähre, nach Wellington abreisen werde ich aber bereits am 2. April, die Stadt besichtigen und sicher gehen, dass ich die Fähre nicht verpasse.

Zuvor sind wir aber noch mehrmals zu Jenny & Dave eingeladen- einmal, um wieder eine legendäre Cocktailparty zu feiern und wenig später um gemütlich in kleiner Runde meinen Abschied zu „feiern“. Aprospos Abschied: ein mulmiges Gefühl, sich bald von allen Menschen, weniger nahestehenden aber auch mittlerweile zu Freunden gewordenen Mitmenschen verabschieden zu müssen. Wer an meine Abschiede in Dresden zurückdenkt, weiß, dass Abschiede feiern nicht gerade zu meinen Stärken gehört.

Wie dem auch sei, lasst Euch wie immer herzlich drücken und fühlt Euch neuseeländisch gegrüßt, Eure Maria

PS: In der Fotogalerie sind ein paar Bilder von unserem letzten Tagesausflug auf dem "Forgotten World Highway" ("Highway der Vergessenen Welt") zu finden. Viel Spaß beim Stöbern!
Und noch ein Video, welches belegt, dass Schafe eindeutig strunzblöde sind.