Manche Dinge, liebe Leser, ändern sich nie - bzw. sind auch am anderen Ende der Welt nicht sonderlich anders.
So zum Beispiel die heißgeliebte Bürokratie. Ach, auf deutsche Ämter zu gehen gleicht einem unbeschreiblichen Gefühl. Sachbearbeiter/-innen, die ihren persönlichen Frust unverhohlen abladen, Strukturen, die sich gegenseitig in die Quere kommen, Öffnungszeiten, die sich nach Mittagspausen ihrer Mitarbeiter ausrichten und vor allem eins: warten.
Ein absoluter Traum, der bezeichnende Spruch: "Immer wenn ich ein Amt verlasse, möchte ich Terrorist werden" ist zwar ein wenig drastisch, bringt das allgemeine Empfinden jedoch schön pointiert zur Sprache. Wer aber nun denkt, das sei ein ganz spezielles Phänomen nur allein der Deutschen, der irrt gewaltig.
Im Zuge meiner Vorbereitungen zu diesem Neuseeland-"Abenteuer" habe ich so einige Behördengänge hinter mich bringen dürfen, die Erlebnisse stehen in den Anfangseinträgen dieses Blogs. Nun, da es wieder zurück in die Heimat geht, wiederholt sich der Bürokratiek(r)ampf. Im Detail heisst das: neuseeländische Steuererklärung. Hurra!
Hoch motiviert bin ich an die Sache herangegangen, nicht zuletzt gelockt von Sirenengesängen, die die komplette Rückerstattung aller bisher gezahlten Steuern versprachen, noch dazu sei die sogenannte Steuerrückerstattung auch noch bequem per Internet zu bearbeiten und dauere nicht die Welt. Kurzum: mir wurde das Blaue vom Himmel versprochen.
Sollte es ein böses Omen sein, dass es seit Tagen unentwegt regnet und der Himmel stets mit einer trist-grauen Decke überzogen ist? (Noch dazu ist es eiskalt, ich will Sommer - jetzt!).
Jedenfalls wurde Jon in Bell Block um Rat gebeten, durch ständige Beherbergung von WWOOFERn (willing workers on organic farms - freiwillige Arbeitskräfte, die unentgeltlich auf Farmen arbeiten und im Gegenzug Verpflegung und ein Dach überm Kopf erhalten) wird er schon die richtigen Tipps parat haben.
Das notwenige Formular kann man online ausfüllen und in wenigen Schritten hat man sein Ziel erreicht.
Es scheiterte schon am Punkt 2 des Formulars. Bitte geben Sie Ihre DLN-Nummer an. Hä? Die was? Mmh, Jon hatte auch keine Ahnung und so wurde kurzerhand die Hotline angerufen. Ansageroboter! Ah, natürlich bleibe ich in der Leitung, auch wenn es mehrere Minuten dauern kann. Kein Problem, ich bin ja von Natur aus geduldig.
Stunden später erklärte mir dann eine besänftigende Glockenstimme, dass meine DLN-Nummer erst noch erstellt werden müsse und das beansprucht leider einen ganzen Tag - ergo: bitte rufen Sie morgen wieder an.
Habe ich dann auch gemacht, die Dame nun am Hörer reagierte verdutzt auf meine Anfrage bezüglich der DLN-Nummer. "Wie, Sie haben gestern schon angerufen? Nee, eine Nummer seh ich hier nirgends. Hat die Kollegin von gestern leider vergessen. Aber kein Problem, rufen Sie einfach am Montag wieder an. Ach, und Sie brauchen noch ein weiteres Formular. Und diesem hängen Sie dann bitte noch ein Beleg an, dass Sie das Land auch tatsächlich verlassen." - Aha. Schön zu wissen.
Heute habe ich wieder zum Telefon gegriffen, das Kind in mir freute sich wie zu Weihnachten: "Heute gibts die DLN-Nummer! Juhu!".
Komischerweise schien halb Neuseeland die Nummer der Hotline zu wählen, ich schloss innige Freundschaft mit dem Ansageroboter ("Die Leitung ist leider überlastet, wenn Sie möchten, bleiben Sie in der Leitung und nehmen etwas längere Wartezeiten in Kauf oder rufen Sie einfach später nochmal an"), lernte die Texte der Musikschleife auswendig, versorgte mich mit Kaffee, las interessiert Zeitung und stöberte im Internet.
Zugegebenermaßen bin ich ein wenig erschrocken, als eine reale Stimme mich begrüsste. Ja, ich würde gern meine DLN-Nummer in Erfahrung bringen. Doch dann brach eine Welt für mich zusammen: "Gute Frau, für Sie kann keine DLN-Nummer erstellt werden, da Sie weniger als 12 Monate in Neuseeland verbracht haben. Weiter ist es für Sie leider nicht möglich, das Steuerrückerstattungsformular im Internet auszufüllen." - Ich rang um Fassung. Und erklärte ihr, dass ich bereits mehrere Male angerufen habe und dort meine Nummer versprochen bekommen habe, meine Güte nochmal. Nach kurzem Gezeter der nächste Schock: ich brauche noch ein Formular (jetzt waren es drei). Freundlich und höflich, aber bestimmt, erklärte ich ihr, dass hier doch irgendwas im Busch ist. Jedesmal, wenn ich anrufe, kommt ein Formular hinzu?! "Ja, aber jetzt haben Sie alle Formulare, die Sie brauchen!", versicherte sie mir eindringlich. Kapitulierend wiederholte ich die mehrseitigen Formulare und ließ mich bestätigen: Also, ich fülle IR3-2008, IR50 und IR886 aus und sende das dann zu Ihnen, ist das soweit korrekt? Ist es, gab sie zurück und entschuldigte sich mehrmals dafür, dass ich durch was auch immer total konfus gemacht worden bin.
Zum besseren Verständnis: IR3-2008 umfasst sechs Seiten, IR50 zwei und IR886 fünf Seiten. Das wird ein Spass.
Momentan steht es 1:0 für den neuseeländischen Behörden-Goliath, aber ich kämpfe weiter und halte Euch auf dem Laufenden.
So zum Beispiel die heißgeliebte Bürokratie. Ach, auf deutsche Ämter zu gehen gleicht einem unbeschreiblichen Gefühl. Sachbearbeiter/-innen, die ihren persönlichen Frust unverhohlen abladen, Strukturen, die sich gegenseitig in die Quere kommen, Öffnungszeiten, die sich nach Mittagspausen ihrer Mitarbeiter ausrichten und vor allem eins: warten.
Ein absoluter Traum, der bezeichnende Spruch: "Immer wenn ich ein Amt verlasse, möchte ich Terrorist werden" ist zwar ein wenig drastisch, bringt das allgemeine Empfinden jedoch schön pointiert zur Sprache. Wer aber nun denkt, das sei ein ganz spezielles Phänomen nur allein der Deutschen, der irrt gewaltig.
Im Zuge meiner Vorbereitungen zu diesem Neuseeland-"Abenteuer" habe ich so einige Behördengänge hinter mich bringen dürfen, die Erlebnisse stehen in den Anfangseinträgen dieses Blogs. Nun, da es wieder zurück in die Heimat geht, wiederholt sich der Bürokratiek(r)ampf. Im Detail heisst das: neuseeländische Steuererklärung. Hurra!
Hoch motiviert bin ich an die Sache herangegangen, nicht zuletzt gelockt von Sirenengesängen, die die komplette Rückerstattung aller bisher gezahlten Steuern versprachen, noch dazu sei die sogenannte Steuerrückerstattung auch noch bequem per Internet zu bearbeiten und dauere nicht die Welt. Kurzum: mir wurde das Blaue vom Himmel versprochen.
Sollte es ein böses Omen sein, dass es seit Tagen unentwegt regnet und der Himmel stets mit einer trist-grauen Decke überzogen ist? (Noch dazu ist es eiskalt, ich will Sommer - jetzt!).
Jedenfalls wurde Jon in Bell Block um Rat gebeten, durch ständige Beherbergung von WWOOFERn (willing workers on organic farms - freiwillige Arbeitskräfte, die unentgeltlich auf Farmen arbeiten und im Gegenzug Verpflegung und ein Dach überm Kopf erhalten) wird er schon die richtigen Tipps parat haben.
Das notwenige Formular kann man online ausfüllen und in wenigen Schritten hat man sein Ziel erreicht.
Es scheiterte schon am Punkt 2 des Formulars. Bitte geben Sie Ihre DLN-Nummer an. Hä? Die was? Mmh, Jon hatte auch keine Ahnung und so wurde kurzerhand die Hotline angerufen. Ansageroboter! Ah, natürlich bleibe ich in der Leitung, auch wenn es mehrere Minuten dauern kann. Kein Problem, ich bin ja von Natur aus geduldig.
Stunden später erklärte mir dann eine besänftigende Glockenstimme, dass meine DLN-Nummer erst noch erstellt werden müsse und das beansprucht leider einen ganzen Tag - ergo: bitte rufen Sie morgen wieder an.
Habe ich dann auch gemacht, die Dame nun am Hörer reagierte verdutzt auf meine Anfrage bezüglich der DLN-Nummer. "Wie, Sie haben gestern schon angerufen? Nee, eine Nummer seh ich hier nirgends. Hat die Kollegin von gestern leider vergessen. Aber kein Problem, rufen Sie einfach am Montag wieder an. Ach, und Sie brauchen noch ein weiteres Formular. Und diesem hängen Sie dann bitte noch ein Beleg an, dass Sie das Land auch tatsächlich verlassen." - Aha. Schön zu wissen.
Heute habe ich wieder zum Telefon gegriffen, das Kind in mir freute sich wie zu Weihnachten: "Heute gibts die DLN-Nummer! Juhu!".
Komischerweise schien halb Neuseeland die Nummer der Hotline zu wählen, ich schloss innige Freundschaft mit dem Ansageroboter ("Die Leitung ist leider überlastet, wenn Sie möchten, bleiben Sie in der Leitung und nehmen etwas längere Wartezeiten in Kauf oder rufen Sie einfach später nochmal an"), lernte die Texte der Musikschleife auswendig, versorgte mich mit Kaffee, las interessiert Zeitung und stöberte im Internet.
Zugegebenermaßen bin ich ein wenig erschrocken, als eine reale Stimme mich begrüsste. Ja, ich würde gern meine DLN-Nummer in Erfahrung bringen. Doch dann brach eine Welt für mich zusammen: "Gute Frau, für Sie kann keine DLN-Nummer erstellt werden, da Sie weniger als 12 Monate in Neuseeland verbracht haben. Weiter ist es für Sie leider nicht möglich, das Steuerrückerstattungsformular im Internet auszufüllen." - Ich rang um Fassung. Und erklärte ihr, dass ich bereits mehrere Male angerufen habe und dort meine Nummer versprochen bekommen habe, meine Güte nochmal. Nach kurzem Gezeter der nächste Schock: ich brauche noch ein Formular (jetzt waren es drei). Freundlich und höflich, aber bestimmt, erklärte ich ihr, dass hier doch irgendwas im Busch ist. Jedesmal, wenn ich anrufe, kommt ein Formular hinzu?! "Ja, aber jetzt haben Sie alle Formulare, die Sie brauchen!", versicherte sie mir eindringlich. Kapitulierend wiederholte ich die mehrseitigen Formulare und ließ mich bestätigen: Also, ich fülle IR3-2008, IR50 und IR886 aus und sende das dann zu Ihnen, ist das soweit korrekt? Ist es, gab sie zurück und entschuldigte sich mehrmals dafür, dass ich durch was auch immer total konfus gemacht worden bin.
Zum besseren Verständnis: IR3-2008 umfasst sechs Seiten, IR50 zwei und IR886 fünf Seiten. Das wird ein Spass.
Momentan steht es 1:0 für den neuseeländischen Behörden-Goliath, aber ich kämpfe weiter und halte Euch auf dem Laufenden.


1 Kommentar:
Huh wie habe ich gelacht; oh sorry-keine Schadenfreude. Deine Formulierungen sind echt der Hammer, ein wahrer Lichtblick im Leben des deutschen Ingenieurs im frühen Morgennebel eines langen Arbeitstages! Die neuseeländische Bürokratie ist scheinbar auf dem besten Wege dir den Übergang in heimatliche Gefilde zu erleichtern; da fällt die Umstellung nicht ganz so schlimm aus...hihi. Also, hartnäckig bleiben und daheim gleich beim Spiegel zur Kolumne anmelden, Thema: Leidensfähigkeit des deutschen und neuseeländischen Steuerzahlers auf dem Weg in die Klapsmühle...
Aber bitte vorher noch den Flieger erwischen! Liebste hinterwäldlerische Grüße
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