...Diese Frage habe ich nun etwas eher als geplant zu Ohren bekommen. Eigentlich sollte ich das rhetorische Abklären des "zum Start Bereitseins" erst Mitte Mai vernehmen, wenn es wieder ins gute alte Deutschland geht. Doch irgendwie, ihr kennt die Chose, kommt immer alles etwas anders...
Hallo erstmal liebe Leser, diese kurze Einleitung soll einführen in meine Erlebnisse auf der Südinsel Neuseelands.
Angefangen am Zweiten diesen Aprils ging es mit dem Blusterfisch Richtung Wellington, wo ich anderthalb Tage verbracht habe, um festzustellen, dass es dort nichts zu sehen gibt. Sodann ging es per Fähre auf die Südinsel. Schon das kurze Erblicken der Touristenmassen löste bei mir urplötzlich imaginären Ausschlag aus. Mich fröstelte es.
Nun ja, die Überfahrt an sich ist nun weniger spektakulär, sage und schreibe drei Stunden dauert selbige. Nach dem Anlegen in Picton verließen dann die Massen fluchtartig das Schiff, auf in eine andere Welt, hetzend und drängelnd, wie man es sonst nur bei Schnäppchenangeboten im Supermarkt kennt. Furchtbar- ich war wieder für eine lange Zeit von Menschenmassen geheilt.
Ich fuhr als Erstes Richtung Norden, in den Abel Tasman National Park, mit seinen wunderschönen Stränden rund um die Golden Bay und übernachtete, schon recht weit im Norden der Südinsel, in Collingwood, einem kleinen verschlafenen Nest am Rande des Nationalparks. Trotz der anstrengenden Fahrt über beschwerliche Serpentinstraßen habe ich am Ende des Tages noch die Wanderschuhe geschnürt und mich zu einem kleinen Strandspaziergang mitsamt dem obligatorischen Muschelsammeln aufgerafft. Was Collingwood tatsächlich auszeichnet, ist das, was es nicht hat: Menschen. Mutterseelenallein und nur vom Wind gepeitscht konnte man den schier endlosen Strand entlangwandern und etwas Abstand vom Trubel der letzten Tage gewinnen.
Die folgenden Tage ging es weiter die Westküste entlang, wo es, um ehrlich zu sein, bis auf pfannkuchenartig aufeinandergehäufte Felsblöcke am Strand (Pancake Rocks) nicht wirklich viel zu sehen gibt. Interessant wurde es dann aber doch noch: der Highway, der entlang der Küste entlangverläuft, führt durch die Orte Franz Josef Glacier und Fox Glacier, ehe es landeinwärts über die neuseeländischen Südalpen geht. Diese beiden Orte stehen stellvertretend für die namensgleichen Gletscher, die aus den Alpen Richtung Küste auslaufen. Und hier schließt sich auch der Kreis zur Einleitung: angeködert von einem Absatz im Reiseführer wollte ich unbedingt einen Rundflug über die Südalpen machen, ein Rundflug über die beiden Gletscher sowie Neuseelands höhstem (Mount Cook) und zweithöchstem (Mount Tasman) Berg. Also nichts wie hinein ins Buchungsbüro in Franz Josef Glacier, nach kurzem Smalltalk war dann auch die Geldkarte gezückt und überwiesen. Ach ja, und wann geht der Flug? In einer halben Stunde? Ach, mmh, ja dann, ich hol bloß fix meine Kamera... Nach einem kurzen Trip zu einer außerorts gelegenen Buckelpiste mit dem Schild "Airport" standen dann sechs Hansel verlorenwirkend um eine kleine Propellermaschine herum. Unser Pilot, Tony, exakt genauso, wie man sich einen urigen Piloten vorstellt, ein wenig untersetzt, Vollbart, Hang zu flachen Witzen: "Es kann sein, dass ihr mich teilweise schlecht versteht, aber das liegt am lauten Motor. Wir bevorzugen jedoch, dass der Krach macht." -Hihi. Langsam wurde mir mulmig. Hast Du Dir das auch gut überlegt?
Tony jedenfalls bat nun alle nacheinander zum Einsteigen- bis ich plötzlich allein da stand. "Ach", witzelte er in seiner umwerfend charmanten Art, "Dich habe ich ganz vergessen.". Natürlich nicht, klein Maria durfte auf dem Co-Piloten-Sitz Platz nehmen. Fachmännisch wurde ich vergurtet, mit Kopfhören ausgestattet und meine elegant geschwungene Sonnenbrille verlieh mir den letzten Touch zum authentischen Co-Piloten. Nur mit der Einstellung haderte es etwas. "Ach du meine Güte", wurde es in meinem Kopf unüberhörbar lauter, nur noch vom rasend pochendem Herzen übertönt. Von den anderen Touri-Passagieren wegen des de Luxe-Sitzplatzes mit missgünstigen Blicken bedacht, hätte ich mich jedoch lieber an tausend andere Orte gewünscht. Es gab kein Zurück mehr.
Es war das fantastischste Erlebnis seit Langem. Es waren atemberaubende, absolut überwältigende Minuten über den Wolken, mein Sitzplatz ließ mir uneingeschränkte Blicke über alle Instrumente des Cockpits und die nahezu endlose Bergwelt zu. Traumhaft.
(Bilder folgen demnächst, bitte habt etwas Geduld).
Immer noch die sagenhafte Kulisse im Kopf habend, ging es weiter nach Haast, dem letzten Ort an der Westküste, bevor es über den Haast Pass über die Alpen geht. Und hier nimmt das sogenannte Insomnia-Trauma seinen Lauf. Bettfertig und bereit zum Schlaf habe ich noch schnell die Karte für die nächste Fahrt studiert, als plötzlich mehrere kleine Fliegen ins Innere des Blusterfischs strömten. Diese kleinen Knispen, genannt Sandfliegen, sind ziemlich lästige kleine Beissviecher, die gerade in der Dämmerung nach Blut lechzen. Dass der Van etwas undicht ist, habe ich während starken Regens bereits in Collingwood festgestellt. So war es nicht weiter verwunderlich, dass nun Sandfliegen, trotz geschlossener Fenster und Türen, zu mir hervordrungen. Doch auf einmal wurden es immer mehr: wie eine biblische Plage versammelten sich rund um den Van tausende dieser kleinen tanzenden Punkte. "Ich muss hier weg", schoss es mir durch den Kopf, egal wohin, einfach nur weg. Im Schlafanzug hinters Steuer geklemmt ging es per Bleifuss und einhändig die Straße entlang. Mit der anderen Hand wurden - soweit möglich - Sandfliegen totgeschlagen. Eine Sisyphus-Arbeit. Auf eine totgeschlagene Sandfliegen kamen zehn neue. Dass Sandfliegen eine derbe Plage auf der Südinsel sind, wusste ich bereits vorher, aber in diesem Ausmaß? Sicher nicht.
Weiter die Straße entlang, Richtung Haast Pass. Kurz vor Anbruch der Nacht den Pass der Alpen überkehren, das ist verrückt. Mein Gewissen machte sich wirklich Sorgen. Egal, nur weg von den Fliegen. Mein Gewissen beruhigte ich damit, dass ich, sobald ein kleiner Rastplatz gefunden war, dort übernachte. Gesagt, getan. Man glaubt es kaum, aber in meiner hysterischen Aufgewühltheit habe ich nicht tatsächlich den Himmel auf Erden gefunden?! Einen Campingplatz am Lake Wanaka, kurz hinter Haast Pass, mit Trinkwasserversorgung, Toiletten, Mülleimerchen und Van-Stellplatz direkt am See, eingerahmt von einem kleinen Wäldchen. Ein Traum, dachte ich mir. Preisfrage: Was kommt? Richtige Antwort: Der Schein trügt.
Nach der ganzen Sandfliegen-Anstregung bin ich also schnell nochmal ins klare Bergseewasser gesprungen (ja, es war verdammt kalt, aber das war mir egal) und wieder zum Schlaf ins Bettchen, welches ja immer im Hinterteil des Blusterfischs dabei ist, eingemummelt. Nun döste ich nun langsam in andere Sphären, als ich ein Rascheln vernahm. Einbildung. Rascheln verstärkte sich. Was zur Hölle ist denn nun schon wieder? Doch nicht etwa...? Ich, mein Nervenkostüm zum Zerreißen gespannt, raus aus dem Van, die Hinterluke aufgerissen und meinen Essenbeutel geschnappt, auf den Vordersitz geschleudert und wieder ins Bett gelegt. Plötzlich raschelte es im Beutel, der aber nun auf dem Fahrersitz lag. Reflexartig die Taschenlampe gekrallt und geleuchtet: ein langer, zum Ende auslaufender Schwanz verschwand blitzartig unter dem Vordersitz. Nein! Nicht noch ein Nagetier im Van! Also, in letzter verzweifelter Konsequenz, den Essenbeutel geschnappt und in den Schlafsack zwischen meinen Füßen eingeschlossen. "Da kommst du verfressener Nager nicht mehr ran", triumphierte ich siegessicher. Aber wohl an meinen Schlaf. Das arme kleine süße Mäuschen, dass nun drohte den qualvollen Hungertod zu sterben, gibt sich seinem Schicksal nicht einfach so hin: nein, es forscht in jeder Ecke des Blusterfischs nach Essbarem, wühlt in jedem Beutelchen und raschelt. Und raschelt. Wenn man schon so sensibilisiert ist, steht man bei so einem "Konzert" im Bett. Insofern das im höhenbeschränkten Van überhaupt möglich ist. Das Mäuschen weigerte sich in den nächsten Stunden vehement, den Van zu verlassen. Mir war indes vollkommen schleierhaft, wie es überhaupt eindringen konnte. Nun war es aber einmal drin und suchte eifrig weiter. Es reagierte nicht auf akustische Reize (ohrenbetäubendes Klatschen meinerseits), optische Reize (extremes Blenden mit der Taschenlampe), noch auf liebes Bitten und Betteln. Um herauszufinden, dass einzig und allein das "Erdbebenszenario" (heftiges Ruckeln und Wackeln des Vans) die Maus zur Flucht überreden konnte, vergingen mehrere Stunden kostbaren Schlafs und ich sah am nächsten Morgen dementsprechend "attraktiv" aus.
Ja, und so bestreitet man seine Reise weiter gen Süden, immer mit kleinen Hochs und Tiefs. Landschaftlich ist gerade der äußerste Süden sehr schön anzusehen, besonders die Gegend um Haast Pass und weiter ins Fjördland (Südende), wo auch mehrere Szenen von der einschlägig bekannten Kino-Trilogie rund um einen Kleinwüchsigen mit massiver Fussbehaarung gedreht worden sind.
Mittlerweile bin ich schon wieder auf meinem Weg die Südinsel zu verlassen, die Fähre zurück auf die Nordinsel ist auch schon gebucht. Momentan befinde ich mich in Christchurch und nächtige in einer sechsköpfigen Mädels-WG (ist eigentlich gar nicht so schlimm, wie es sich anhört) und brauche mich, wenigstens im Augenblick, nicht über Sandfliegen oder Mäuse zu ärgern.
Der Blusterfisch, das sei hier kurz angemerkt, hat in den letzten Tagen seinen 200.000 Kilometer-Geburtstag gefeiert und zur Belohnung gehts morgen in die Werkstatt. Er ruckelt beim Beschleunigen ab und zu, ein auf den Weg nach Christchurch befragter Mechaniker meinte, da müssen lediglich ein paar Schräubchen hie und da ausgewechselt werden. Hoffen wir, dass der Mechaniker der Werkstatt, in die ich morgen meinen treuen Weggefährten übergebe, das genauso sieht.
Dank aller Besserungswünsche sei auch nur noch schnell verkündet, dass es meiner kleinen Schnittwunde im Bein auch schon bedeutend besser geht, alles verheilt sehr gut und zügig, keine Infektion oder ähnliches.
Also gut, bis auf Weiteres verabschiedet sich Eure Maria wie immer mit den liebsten Grüßen gen Heimat!
Nachtrag, 11.04.08: Dem Blusterfisch geht es wieder besser, es waren lediglich die Zündkerzen, die erneuert werden wollten. Zuerst wusste der Mechaniker nicht, wo er ansetzten sollte und rechnete mir munter seinen Arbeitsaufwand vor- bis zu 250 Dollar. Vor Schreck stieß ich erstmal einen spitzen Schrei aus und verdrehte die Augen; um dann aber in der nächsten Sekunde das hilflose Rapunzel zu spielen, welches gerettet werden will. Er konnte gar nicht anders als zu beteuern, dass er sein Bestes versucht. Hat geklappt, Preis geviertelt, Rapunzel glücklich.
Hallo erstmal liebe Leser, diese kurze Einleitung soll einführen in meine Erlebnisse auf der Südinsel Neuseelands.
Angefangen am Zweiten diesen Aprils ging es mit dem Blusterfisch Richtung Wellington, wo ich anderthalb Tage verbracht habe, um festzustellen, dass es dort nichts zu sehen gibt. Sodann ging es per Fähre auf die Südinsel. Schon das kurze Erblicken der Touristenmassen löste bei mir urplötzlich imaginären Ausschlag aus. Mich fröstelte es.
Nun ja, die Überfahrt an sich ist nun weniger spektakulär, sage und schreibe drei Stunden dauert selbige. Nach dem Anlegen in Picton verließen dann die Massen fluchtartig das Schiff, auf in eine andere Welt, hetzend und drängelnd, wie man es sonst nur bei Schnäppchenangeboten im Supermarkt kennt. Furchtbar- ich war wieder für eine lange Zeit von Menschenmassen geheilt.
Ich fuhr als Erstes Richtung Norden, in den Abel Tasman National Park, mit seinen wunderschönen Stränden rund um die Golden Bay und übernachtete, schon recht weit im Norden der Südinsel, in Collingwood, einem kleinen verschlafenen Nest am Rande des Nationalparks. Trotz der anstrengenden Fahrt über beschwerliche Serpentinstraßen habe ich am Ende des Tages noch die Wanderschuhe geschnürt und mich zu einem kleinen Strandspaziergang mitsamt dem obligatorischen Muschelsammeln aufgerafft. Was Collingwood tatsächlich auszeichnet, ist das, was es nicht hat: Menschen. Mutterseelenallein und nur vom Wind gepeitscht konnte man den schier endlosen Strand entlangwandern und etwas Abstand vom Trubel der letzten Tage gewinnen.
Die folgenden Tage ging es weiter die Westküste entlang, wo es, um ehrlich zu sein, bis auf pfannkuchenartig aufeinandergehäufte Felsblöcke am Strand (Pancake Rocks) nicht wirklich viel zu sehen gibt. Interessant wurde es dann aber doch noch: der Highway, der entlang der Küste entlangverläuft, führt durch die Orte Franz Josef Glacier und Fox Glacier, ehe es landeinwärts über die neuseeländischen Südalpen geht. Diese beiden Orte stehen stellvertretend für die namensgleichen Gletscher, die aus den Alpen Richtung Küste auslaufen. Und hier schließt sich auch der Kreis zur Einleitung: angeködert von einem Absatz im Reiseführer wollte ich unbedingt einen Rundflug über die Südalpen machen, ein Rundflug über die beiden Gletscher sowie Neuseelands höhstem (Mount Cook) und zweithöchstem (Mount Tasman) Berg. Also nichts wie hinein ins Buchungsbüro in Franz Josef Glacier, nach kurzem Smalltalk war dann auch die Geldkarte gezückt und überwiesen. Ach ja, und wann geht der Flug? In einer halben Stunde? Ach, mmh, ja dann, ich hol bloß fix meine Kamera... Nach einem kurzen Trip zu einer außerorts gelegenen Buckelpiste mit dem Schild "Airport" standen dann sechs Hansel verlorenwirkend um eine kleine Propellermaschine herum. Unser Pilot, Tony, exakt genauso, wie man sich einen urigen Piloten vorstellt, ein wenig untersetzt, Vollbart, Hang zu flachen Witzen: "Es kann sein, dass ihr mich teilweise schlecht versteht, aber das liegt am lauten Motor. Wir bevorzugen jedoch, dass der Krach macht." -Hihi. Langsam wurde mir mulmig. Hast Du Dir das auch gut überlegt?
Tony jedenfalls bat nun alle nacheinander zum Einsteigen- bis ich plötzlich allein da stand. "Ach", witzelte er in seiner umwerfend charmanten Art, "Dich habe ich ganz vergessen.". Natürlich nicht, klein Maria durfte auf dem Co-Piloten-Sitz Platz nehmen. Fachmännisch wurde ich vergurtet, mit Kopfhören ausgestattet und meine elegant geschwungene Sonnenbrille verlieh mir den letzten Touch zum authentischen Co-Piloten. Nur mit der Einstellung haderte es etwas. "Ach du meine Güte", wurde es in meinem Kopf unüberhörbar lauter, nur noch vom rasend pochendem Herzen übertönt. Von den anderen Touri-Passagieren wegen des de Luxe-Sitzplatzes mit missgünstigen Blicken bedacht, hätte ich mich jedoch lieber an tausend andere Orte gewünscht. Es gab kein Zurück mehr.
Es war das fantastischste Erlebnis seit Langem. Es waren atemberaubende, absolut überwältigende Minuten über den Wolken, mein Sitzplatz ließ mir uneingeschränkte Blicke über alle Instrumente des Cockpits und die nahezu endlose Bergwelt zu. Traumhaft.
(Bilder folgen demnächst, bitte habt etwas Geduld).
Immer noch die sagenhafte Kulisse im Kopf habend, ging es weiter nach Haast, dem letzten Ort an der Westküste, bevor es über den Haast Pass über die Alpen geht. Und hier nimmt das sogenannte Insomnia-Trauma seinen Lauf. Bettfertig und bereit zum Schlaf habe ich noch schnell die Karte für die nächste Fahrt studiert, als plötzlich mehrere kleine Fliegen ins Innere des Blusterfischs strömten. Diese kleinen Knispen, genannt Sandfliegen, sind ziemlich lästige kleine Beissviecher, die gerade in der Dämmerung nach Blut lechzen. Dass der Van etwas undicht ist, habe ich während starken Regens bereits in Collingwood festgestellt. So war es nicht weiter verwunderlich, dass nun Sandfliegen, trotz geschlossener Fenster und Türen, zu mir hervordrungen. Doch auf einmal wurden es immer mehr: wie eine biblische Plage versammelten sich rund um den Van tausende dieser kleinen tanzenden Punkte. "Ich muss hier weg", schoss es mir durch den Kopf, egal wohin, einfach nur weg. Im Schlafanzug hinters Steuer geklemmt ging es per Bleifuss und einhändig die Straße entlang. Mit der anderen Hand wurden - soweit möglich - Sandfliegen totgeschlagen. Eine Sisyphus-Arbeit. Auf eine totgeschlagene Sandfliegen kamen zehn neue. Dass Sandfliegen eine derbe Plage auf der Südinsel sind, wusste ich bereits vorher, aber in diesem Ausmaß? Sicher nicht.
Weiter die Straße entlang, Richtung Haast Pass. Kurz vor Anbruch der Nacht den Pass der Alpen überkehren, das ist verrückt. Mein Gewissen machte sich wirklich Sorgen. Egal, nur weg von den Fliegen. Mein Gewissen beruhigte ich damit, dass ich, sobald ein kleiner Rastplatz gefunden war, dort übernachte. Gesagt, getan. Man glaubt es kaum, aber in meiner hysterischen Aufgewühltheit habe ich nicht tatsächlich den Himmel auf Erden gefunden?! Einen Campingplatz am Lake Wanaka, kurz hinter Haast Pass, mit Trinkwasserversorgung, Toiletten, Mülleimerchen und Van-Stellplatz direkt am See, eingerahmt von einem kleinen Wäldchen. Ein Traum, dachte ich mir. Preisfrage: Was kommt? Richtige Antwort: Der Schein trügt.
Nach der ganzen Sandfliegen-Anstregung bin ich also schnell nochmal ins klare Bergseewasser gesprungen (ja, es war verdammt kalt, aber das war mir egal) und wieder zum Schlaf ins Bettchen, welches ja immer im Hinterteil des Blusterfischs dabei ist, eingemummelt. Nun döste ich nun langsam in andere Sphären, als ich ein Rascheln vernahm. Einbildung. Rascheln verstärkte sich. Was zur Hölle ist denn nun schon wieder? Doch nicht etwa...? Ich, mein Nervenkostüm zum Zerreißen gespannt, raus aus dem Van, die Hinterluke aufgerissen und meinen Essenbeutel geschnappt, auf den Vordersitz geschleudert und wieder ins Bett gelegt. Plötzlich raschelte es im Beutel, der aber nun auf dem Fahrersitz lag. Reflexartig die Taschenlampe gekrallt und geleuchtet: ein langer, zum Ende auslaufender Schwanz verschwand blitzartig unter dem Vordersitz. Nein! Nicht noch ein Nagetier im Van! Also, in letzter verzweifelter Konsequenz, den Essenbeutel geschnappt und in den Schlafsack zwischen meinen Füßen eingeschlossen. "Da kommst du verfressener Nager nicht mehr ran", triumphierte ich siegessicher. Aber wohl an meinen Schlaf. Das arme kleine süße Mäuschen, dass nun drohte den qualvollen Hungertod zu sterben, gibt sich seinem Schicksal nicht einfach so hin: nein, es forscht in jeder Ecke des Blusterfischs nach Essbarem, wühlt in jedem Beutelchen und raschelt. Und raschelt. Wenn man schon so sensibilisiert ist, steht man bei so einem "Konzert" im Bett. Insofern das im höhenbeschränkten Van überhaupt möglich ist. Das Mäuschen weigerte sich in den nächsten Stunden vehement, den Van zu verlassen. Mir war indes vollkommen schleierhaft, wie es überhaupt eindringen konnte. Nun war es aber einmal drin und suchte eifrig weiter. Es reagierte nicht auf akustische Reize (ohrenbetäubendes Klatschen meinerseits), optische Reize (extremes Blenden mit der Taschenlampe), noch auf liebes Bitten und Betteln. Um herauszufinden, dass einzig und allein das "Erdbebenszenario" (heftiges Ruckeln und Wackeln des Vans) die Maus zur Flucht überreden konnte, vergingen mehrere Stunden kostbaren Schlafs und ich sah am nächsten Morgen dementsprechend "attraktiv" aus.
Ja, und so bestreitet man seine Reise weiter gen Süden, immer mit kleinen Hochs und Tiefs. Landschaftlich ist gerade der äußerste Süden sehr schön anzusehen, besonders die Gegend um Haast Pass und weiter ins Fjördland (Südende), wo auch mehrere Szenen von der einschlägig bekannten Kino-Trilogie rund um einen Kleinwüchsigen mit massiver Fussbehaarung gedreht worden sind.
Mittlerweile bin ich schon wieder auf meinem Weg die Südinsel zu verlassen, die Fähre zurück auf die Nordinsel ist auch schon gebucht. Momentan befinde ich mich in Christchurch und nächtige in einer sechsköpfigen Mädels-WG (ist eigentlich gar nicht so schlimm, wie es sich anhört) und brauche mich, wenigstens im Augenblick, nicht über Sandfliegen oder Mäuse zu ärgern.
Der Blusterfisch, das sei hier kurz angemerkt, hat in den letzten Tagen seinen 200.000 Kilometer-Geburtstag gefeiert und zur Belohnung gehts morgen in die Werkstatt. Er ruckelt beim Beschleunigen ab und zu, ein auf den Weg nach Christchurch befragter Mechaniker meinte, da müssen lediglich ein paar Schräubchen hie und da ausgewechselt werden. Hoffen wir, dass der Mechaniker der Werkstatt, in die ich morgen meinen treuen Weggefährten übergebe, das genauso sieht.
Dank aller Besserungswünsche sei auch nur noch schnell verkündet, dass es meiner kleinen Schnittwunde im Bein auch schon bedeutend besser geht, alles verheilt sehr gut und zügig, keine Infektion oder ähnliches.
Also gut, bis auf Weiteres verabschiedet sich Eure Maria wie immer mit den liebsten Grüßen gen Heimat!
Nachtrag, 11.04.08: Dem Blusterfisch geht es wieder besser, es waren lediglich die Zündkerzen, die erneuert werden wollten. Zuerst wusste der Mechaniker nicht, wo er ansetzten sollte und rechnete mir munter seinen Arbeitsaufwand vor- bis zu 250 Dollar. Vor Schreck stieß ich erstmal einen spitzen Schrei aus und verdrehte die Augen; um dann aber in der nächsten Sekunde das hilflose Rapunzel zu spielen, welches gerettet werden will. Er konnte gar nicht anders als zu beteuern, dass er sein Bestes versucht. Hat geklappt, Preis geviertelt, Rapunzel glücklich.


2 Kommentare:
Hi Maria-Mäuseschreck, zum Thema Sandfliegen könnte ich Einiges beisteuern... Gerade nach einer 24 stündigen Reise aus Myanmar wieder ins kuschlige kalte Deutschland zurückgekehrt, jucken die Stiche dieser Mistviecher immer noch gewaltig. Wir hatten einen wunderbaren Strand mit unzähligen dieser niedlichen kleinen Tierchen direkt vor unseren Hüttchen. Einige Gäste sahen sahen schon nach kurzer Zeit irgendwie mächtig nach Windpocken aus und auch mein armer Luxuskörper hat leider manches ab bekommen. Ich könnte Dir ja ein Fläschen Thanaka (Wunderheilmittel der Einheimischen) rüberbeamen! Ich sehe zwar lustig aus (man beschmiert sich mit weißer Paste - was da wohl drin ist?), aber es ist scheinbar das einzige Mittel, das wirklich hilft... Ach ja und eine grüne Baumschlange (angeblich nicht giftig) verirrte sich auch in mein Zimmerlein, wahrscheinlich auf der Suche nach der Maus, die es sich bei mir regelmäßig im Schrank gemütlich gemacht hat und nachts rumgetappst ist (aber ich hatte meine Kekse wenigstens gut im Kühlschrank versteckt!). Du merkst es schon, ich kann dich wirklich gut verstehen. Ich hoffe aber, Du hast trotzdem noch schöne Tage - also durchhalten!
Liebe Grüße die Burma-Tante
P.S. Bitte schnellstmöglich die Bilder vom Rundflug einstellen!!!!
Hi, hier noch mal die Old German Black Forest Representants: die Original-Touri-Karte vom Milford Sound ist eingetroffen! Suuupi - hab vielen Dank dafür, natürlich auch für die Infos zum Indian Summer. Da werden wir Dir doch gleich ein paar wärmende Frühlings-Sonnenstrahlen rüberschicken, damit die Eiszapfen an Deiner Nase abtauen... Also für die letzten Tage noch viel Sonne+Wärme, immer einen pannenfreien Untersatz unterm Hintern und noch schöne Erlebnisse!!! Lg Briti
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