Sonntag, 23. Dezember 2007

Weihnachten im Krankenhaus

Maria?“ – „Ja.“ – „Kommst Du bitte mit?“ Gesagt, getan. Und zwar gefolgt der Krankenschwester ins steril-weiße Behandlungszimmer der Notaufnahme in Hawera. Aber keine Angst, der Titel ist natürlich nur Effekthascherei und Augenwischerei. Alles halb so schlimm. Angefangen hat alles bereits letzte Woche, ständiges Wuchten der Fleischbatzen sollte nicht ungestraft vom Körper bleiben, ein leichtes Ziehen im linken Arm war die Folge. Mit ein bisschen Ruhe sollte das schon gehen, dachte ich, aber es muss ja immer anders kommen, als man denkt. Die letzten vier Tage Frei hat sich leider nicht viel an der Situation geändert, im Gegenteil. Jeder Kreisverkehr wurde zur Qual, angesichts der Tatsache, dass unser Blusterfisch keine Servolenkung hat, ist das ein überaus hässliches Gefühl. Die nächsten Arbeitstage hatte ich mir einen Verband angelegt und ein wenig Salbe aufgetragen, aber der Arm wollte sich dennoch nicht beruhigen. Ein Hinweis im Erste-Hilfe-Raum von Riverlands bot Schmerztabletten an, die der Hausmeister auch wohlwollend herausgab- anscheinend werden die wie Bonbons eingeworfen, dementsprechend war aber auch die Wirkung: keine. So hat mein Supervisor Drew drängelnd darauf bestanden, dass ich unbedingt zum Arzt gehe. Klasse Idee, Drew. Heute ist Sonntag. Egal, fahr doch einfach ins Krankenhaus. Also hab ich mich heut Mittag auf ins Krankenhaus gemacht, eigentlich ist heute erst unser dritter von vier Arbeitstagen, aber Drew hat sich nicht davon abringen lassen. Dabei ist unsere Personallage auf Arbeit alles andere als rosig: meine Arbeitskollegin (bei der wir letztens asiatisch Essen waren – lecker!) hat sich kurz verabschiedet und ist mal eben sich übergeben gegangen, der andere Rest kränkelt auf seine Art und Weise vor sich her. Während die einen körperlich zu schaffen haben, scheinen ein paar der Anderen leichte psychische Treffer weg zu haben. Am Band, wo Gehacktes verarbeitet wird (dort, wo auch Willi arbeitet), scheint es einige zu geben, die auch mal gern ohne Grund und Sinn aufs Fleisch einstechen bzw. einfach diabolisch lachen (bei beidem bekommt man Angst). Oder man wird fünfmal am Tag gefragt, wie denn selbiger ist. Man antwortet: „Er hat gerade erst begonnen. Mal sehen, wie er sich entwickelt.“ – „Es ist anstrengend“ – „Es ist immer noch anstrengend.“ – „Es ist wahnsinnig anstrengend.“ – „DER TAG IST VORBEI, DARREN!!!“ (Darren ist der Name unseres nicht ganz so geistig-fitten Mitarbeiters). Willi und ich benutzen bei unseren Gesprächen während der Pausen nur innovative Decknamen wie: „Irrer Nummer 1“ (der, der aufs Fleisch einhackt) und „Irrer Nummer 2“ (Darren).

Nun ja, jedenfalls musste ich mich durch tausende und abertausende Dokumente kämpfen, ehe man mich einem Arzt vorgestellt hat. Dieser hat mich flugs mit ein paar Schmerzmitteln versorgt, die hier liebevoll „Painkillers“ genannt werden, also „Schmerzkiller“. Dann noch schnell eine Schiene angelegt und für die nächsten Tage krankgeschrieben, sodass ich Weihachten nicht arbeiten muss und auch die nächsten arbeitsfreien Tage zum Auskurieren habe.

Jedenfalls wollte ich diesen Blog-Eintrag nur schnell dazu nutzen, Euch allen ein besinnliches Fest im Kreise Eurer Liebsten zu wünschen, sowie einen prallen Sack an Geschenken, wenigen Hieben mit der Rute und natürlich noch einen feuchtfröhlichen Rutsch ins Neujahr!

Lasst Euch lieb grüßen von Eurer

Tochter, Enkelin, Nichte, Urgroßcousine, Freundin, Torhüterin, Blusterfisch

Maria



PS: Letzter Blog-Eintrag nicht allzu lange her, siehe dazu gleich unter diesem hier!

Donnerstag, 20. Dezember 2007

Krankenakte Blusterfisch

Armer, armer Blusterfisch. Was hat er in den letzten Tagen über sich ergehen lassen müssen. Angefangen hat es eines Morgens, als er schon ein wenig hüstelte und nicht so recht starten wollte (für neu dazugestoßene Leser: Blusterfisch ist der Kosename für unser mittlerweile 21 Jahre altes Automobil)- für nähere Details wird der letzte Blog-Eintrag wärmstens empfohlen.

Jedenfalls hatte ich ja versprochen, erlösende Entwarnung zu geben, falls es dem Blusterfisch wieder besser geht. Das ist nun endlich der Fall, aber bis dahin war es ein weiter Weg. Es wurde rumgedoktert, Organe wurden entnommen, neue eingesetzt- dies klingt professionell, war aber doch eher Resultat aus Frankensteins Versuchskabinett. Marvyn, unser Gastgeber und passionierter Autobastler, gab uns den Rat, den Anlasser auszubauen (nachdem er einige andere Dinge ausgeschlossen hatte)- gesagt, getan. Was dann folgte, scheint wie eine Szene aus einem Film: „Rollt doch einfach den Hügel herunter, legt nen Gang ein und startet den Motor.“- Bitte? Das ganze Procedere nennt sich „Kickstart“ oder auch „Jumpstart“, man zündet nicht den Motor, sondern belässt den Autoschlüssel in der vorigen Position. Und Hügel gibt es in Neuseeland en masse, also das Auto vom Hof auf die Strasse gerollt, geschoben, schnell reingesprungen und alles so gemacht, wie anfangs empfohlen- und es hat tatsächlich funktioniert! Man stelle sich das vor! Wie im Film, man zieht sich mithilfe des Karosseriebügels am Fenster schwungvoll ins Autoinnere, klemmt sich hinters Steuer und fährt los (das ist mal Stil!). Lasst Euch sagen, fragende Blicke und Achselzucken der umstehenden Zaungenossen sind Euch sicher. Garantiert. Auf jeden Fall wurde so ein etwaiger Getriebe- oder Motorschaden ausgeschlossen, es konnte nur noch am Anlasser liegen. Den hat Marvyn dann auch gereinigt und die Zahnräder etwas angefeilt, aber nach erneutem Einbauen mochte der Motor dennoch nicht so recht starten (die Antwort unserer Gastgeber war typisch neuseeländisch: „Ach egal, zumindest könnt ihr immer noch schieben und kickstarten. Ist doch nicht so schlimm.“ – „Genau…“). Nach weiterem Ursachenforschen wurde dann auch fix die Batterie ins Auge gefasst, die mit ihren zwanzig Lenzen nun vermutlich ihre Lebensdauer überschritten hatte. Also das Auto in alter Gewohnheit vom Hof gerollt und in die Stadt gefahren, um eine neue Batterie zu kaufen (inzwischen waren wir richtig geübt, sind so auch zum Einkaufen gefahren, einer ist schnell in den Supermarkt gesprintet und hat binnen fünf Minuten alles eingekauft, während der andere im Auto gewartet hat, der Motor lief, und ab und zu Gas gegeben hat- wer will schon einen Van auf einem vollen Parkplatz anschieben und sich zum Obst machen?). Gut, also bei einer hiesigen Werkstatt die Batterie gekauft und eingebaut. Aber das wäre jetzt an dieser Stelle auch zu einfach gewesen, wäre der Motor sofort angesprungen. Nein, natürlich nicht. Was nun? Der Automechaniker hat uns gleich zu einer weiteren Werkstatt mit Spezialisierung auf Anlasser dirigiert, nur eine Straße weiter. Doch den Motor hatte ich mittlerweile abgestellt, wie vom Werkstatthof kommen? Richtig, schnell ein weiteres Auto vor unseren Blusterfisch gespannt, Abschleppseil gestrafft und angeruckt (das mit dem Schieben wollte nicht so recht klappen, der Anlasser bzw. ein Teil der Zahnräder war vermutlich noch im Motor verkantet). Jedenfalls kann ich nun auch per Abschleppen den Motor starten, wobei ich dabei wieder Blut und Wasser geschwitzt habe, dem Vordermann nicht in den Kofferraum zu fahren. Herrje- sind dann gleich zur empfohlenen Werkstatt gefahren und haben einem echten Fachmann Einblick in unser Heiligstes gewährt. Er meinte nach einer fünfminütigen Analyse recht trocken, dass es der Anlasser ist (ach wirklich?) und er das bis zum Nachmittag repariert hätte. Nun ja, bis zur wirklichen Abholung sollte es noch bis zum nächsten Tag dauern, die bestellten Ersatzteile konnten erst über Nacht geliefert werden. Es stelle sich weiter heraus, dass das Urproblem die Zündung war (es wurde irgendwie immer mehr, die Krankenakte unseres Blusterfisches füllte sich unweigerlich zu einem kleinen Buch). Nach Zünden des Motors sollte der Schlüssel an und für sich wieder in die Schaltposition davor springen, das hat diese Zündung aber nicht mehr gemacht. Dies hat nun vermutlich dazu geführt, dass der Anlasser nach Antreiben des Motors weiterhin im Motor geblieben ist und sich so die Zahnräder rasant verschlissen haben- man hätte einen Anlasser nach dem anderen einbauen können, die defekte Zündung hätte sie alle umgehend ruiniert. Glücklicherweise sind die Gegenstücke der Zahnräder im Motor nicht weiter beschädigt worden – ein Wunder. Ende vom Lied: neue Zündung, neuer Anlasser, neue Batterie und unser Blusterfisch rauscht nun wieder über die Straßen wie eh und je. Gekostet hat uns der Spaß jeden umgerechnet 100€, das ist angesichts der „Schwere“ der Schäden noch recht vertretbar.

Nun denn, ich hoffe der kleine Ausflug in Automobilkunde hat Euch nicht zu sehr gelangweilt und ihr bleibt mir weiterhin als treuer Leser erhalten :)

Ansonsten haben heute wieder vier Tage Frei begonnen, angesichts der schlauchenden Arbeit im Schlachtgewerbe sind die auch dringend notwendig. Fahren morgen nach Waitara, das Haus der Eltern von unserem Supervisor Drew besuchen, wo uns ein Einzug offeriert worden ist. Weiterhin werden wir am Donnerstag unser, wie bereits im letzten Blog-Eintrag erwähnt, typisch asiatisches Abendessen haben. Apropos Arbeit bei Riverlands: gestern wurde anlässlich Weihnachtsfeier in den nächstgelegenen Pub geladen- Freibier und Barbecue. Das Bier ist nach der elfstündigen Schicht auch sehr gut vom Körper aufgenommen worden, wobei das Bier hier eher mit leicht trübem Wasser zu vergleichen ist. Heute morgen war dann auch endlich (dieses „endlich“ kommt von Herzen) der letzte Tag zum Spargelstechen und das Feld wurde anschließend versiegelt (so eine Knochenarbeit, werde demnächst bei ThyssenKrupp mal anfragen, ob die noch Stahl brauchen- hätte welchen in meinen Oberschenkeln). Dennoch, erst einmal erholen und ausspannen, eventuell sogar am Strand, und Energie für den Weihnachtsmarathon tanken.

Bis dahin, liebste Grüße aus Taranaki (so heißt die Region, in der wir uns befinden), natürlich wie immer verbunden mit ein paar Sonnenstrahlen ins kalte Deutschland!


Eure Maria


Ein paar Bilder noch als Nachtrag:

Strand von Waitara


Abendstimmung, Spargelfarm

Sonntag, 9. Dezember 2007

Rotkäppchen allein auf weiter Flur.

Meine Lieben, seit dem letzten Eintrag ist ja schon eine kleine Weile ins Land gegangen, dies war aber einfach der Tatsache geschuldet, dass wir neuerdings arbeitstechnisch sehr eingespannt sind.

Denn seit ca. zwei Wochen sind wir Angestellte bei Riverlands Ltd., einer Fleischverarbeitungsfirma mit Spezialisierung auf Rind. Unser Supervisor Maui rief uns natürlich nicht wie vereinbart an, um uns das Ergebnis des Drogentest mitzuteilen, und so sind wir auf eigene Faust zu Riverlands gefahren und haben mal deutsche Pünktlichkeit demonstriert. Dies hat auch ordentliche Eindruck geschunden und außerdem fiel der Drogentest negativ aus und das hieß für uns: angestellt. Der Übergang von „Drogentest i.O“ zur anschließenden Arbeit verlief äußerst fließend, um 10 Uhr früh am gleichen Tag fanden wir uns bereits am Arbeitsplatz wieder. Und zwar ohne Einführung und ohne Arbeitsschutz (ich würde an dieser Stelle mal behaupten, des deutschen Beamten liebstes Kind heißt neben Gleitzeit Arbeitsschutz). Man stelle sich dies einmal in einem deutschen Lebensmittelbetrieb vor! Einfach von der Straße weg an den Arbeitsplatz! Herrje! Nun aber mal ein paar Sätze zu den Verhältnissen und Modalitäten: zu Beginn des Arbeitstages kleidet man sich mit Overall, Gummistiefeln, Handschuhen, wasserabweisender Schürze, Ärmelüberzügen, Kopfhaube, darüber farbige Kopfhaube und Ohrschützern ein. (Als Schlachter kommen dann noch Kettenanzug und spezielle Handschuhe dazu). Mit diesen Utensilien ausgestattet, geht es in die Umkleiden. Lasst Euch an dieser Stelle sagen, dass der Männer-Frauen-Anteil bei ca. 50%-50% liegt (was man gar nicht denkt), aber bei Betreten der Frauenumkleide durchaus der Eindruck entsteht, dass das „Hinter-Gittern“-Frauenknast-Team sich hier in der Drehpause aufhält. Oje. Die Rinder durchlaufen zuerst den „Slaughterfloor“ (Schlachthaus), dann geht es weiter in den „Boning Room“, wo dann nun das Letzte aus der Kuh rausgeholt wird. Und schließlich werden die diversen Fleischstücke dann im „Packing Room“ verpackt, dort, wo auch wir arbeiten.

Meine Arbeit besteht darin, im Team von drei Leuten am Fließband die Fleischpakete in Kartons zu verpacken. Das klingt leicht. Ist es aber nicht. Der Arbeitstag beginnt mit „Prime“ (es gibt keine 1-1 Übersetzung ins Deutsche dafür, es ist in etwa so etwas wie „Erstklassige Ware“), dann wird zu „Bull“ (Bulle) übergegangen und anschließend kommt „Cow“ (Kuh). Nun lasst mich das Ganze mal am Beispiel von Tetris erklären. Bei Tetris kommen die virtuellen Spielsteinchen von oben herabgerieselt, hier das Fleisch auf dem Band. „Prime“ ist in etwa der Fortgeschrittenen-Modus, man hat zu tun, schafft es aber noch mal kurz zu verschnaufen. Dies geht so seine 4-5h, dann kommt Bull. Und mit Bull ist es auch mit der neuseeländischen Gelassenheit vorbei. Kurz: es bricht Panik aus. Gibt es noch eine höhere Stufe als „Experte“ – hier wäre sie anzubringen. Es ist leider keine Seltenheit, dass die Fleischbatzen links und rechts einfach vom Band runterklatschen. So geschehen an meinem ersten Arbeitstag: erst ging es recht relaxt voran, dann wurde auf Bulle umgeschalten und das komplette Chaos brach aus. Mittlerweile schalte ich in solchen Momenten die deutsche Sorgfalt in mir einfach aus, die Fleischbrocken werden nur noch in die Kartons geschmissen. Anbei eine kleine Bemerkung: es lässt sich nirgends schneller das Fluchen auf neuseeländische Art und Weise erlernen, als während Bulle auf dem Band läuft. Nach weiteren nie enden wollenden Stunden wird dann auf Kuh umgestellt, was endlich wieder Ruhe einkehren lässt.

Zwischendurch hat man drei Pausen und was man so zusammengewürfelt in der Kantine sieht- kurz: Knast. Zwielichtige Gestalten mit Oberarmen wie meine Oberschenkel, tätowiert, unrasiert, kantiges Gesicht, schlürfender Gang und schlechte Zähne. Man sitzt nun dort inmitten der Schnitzelakrobaten und Schnetzelästheten und versucht zu essen. Die Betonung liegt auf „versucht“, denn dies fiel in den ersten Tagen etwas schwer. Allein der latente Fleischgeruch mag ja noch gehen, aber das mitunter gegenübersitzende Tischgenossen noch Knochenknorpel und Fleischstücken am Arm kleben haben und der Durchschnittsoverall mit mindestens drei Litern Rindsblut getränkt ist- Guten Appetit. Aber mittlerweile geht auch das (der Hunger treibt’s rein).

Natürlich stechen wir aus der Menge wie bunte Hunde, als Europäer sowieso und außerdem wegen einem strahlend roten Häubchen. (Es gibt zwei Teams, Rot und Blau, und alle die im „Packing Room“ arbeiten, haben so ein Häubchen zu tragen. Da wir vier Tage à 10 Stunden arbeiten und die nächsten vier Tage frei haben, springt an unseren freien Tagen das blaue Team ein.). Daher kommt auch der liebevolle Name „Rotkäppchen“. Aber nicht nur wir stechen aus der Menge heraus, nein, es gibt auch noch eine Handvoll Asiaten, zu denen wir uns gleich gesellt haben. Unsere kleine asiatische Triade besteht aus – im Gegensatz zum Rest der in der Kantine sitzt – drei kleinen Muttis und ein bis zwei andere Asiaten. Und lasst euch sagen: die Muttis sind der Hit. Die eine hat von uns den Spitznamen „Erdhörnchen“ bekommen, die gesamte Pause nur am Lachen und Reden wie ein Schnellfeuergewehr. Ein Traum. Zum Glück arbeiten wir im Packraum mit zwei von den drei Muttis zusammen, alle natürlich gewohnt fleißig am Werkeln und immer erstaunlich gut informiert. So ist man stets im Bilde, wer gerade schwanger ist, was wo passiert und warum. Das hat so seine Vorteile.

Wie dem auch sei, so arbeiten wir seit ca. zwei Wochen schon bei Riverlands, an die Arbeit und andere Abläufe gewöhnt man sich so langsam und auch sonst hat sich ein wenig Routine eingestellt- sollte man meinen.

Gestern wollten wir zu unserem letzten der vier Tage andauernden Arbeitsperiode fahren und stiegen ins Auto ein und fuhren los. Doch schon da tuckerte der Motor seltsam und gab auch sonst eigenartige Geräusche von sich. Merkwürdig, aber dies scheint wohl an der Kälte zu liegen, der zwanzig Jahre alte Motor muss wohl erst noch ein wenig warm laufen. So sind wir erstmal weiter gefahren, und ihr ahnt es schon was gleich passieren wird- kurz vor dem Highway besser mal links auf einen Parkplatz gefahren, da der Motor jetzt absolut so klingt, als ob man besser ganz schnell anhält und nach dem Rechten sieht. Herzrasen. Wir müssen auf Arbeit. Das Auto. Kaputt? Warum? Vollgetankt? Ja. Wie kommen wir auf Arbeit? Nochmal den Motor starten. –Dies ging schon gar nicht mehr, es folgte nur ein „Klick, klick, klick“ solange man den Schlüssel gedreht hielt. Verdammte … . Wäre eine Kekspackung in Maria-Reichweite gewesen- ich hätte sie wie damals, als wir an der Kreuzung in New Plymouth liegen geblieben waren, restlos aufgenagt. Haben uns aber gezwungen ruhig zu bleiben (ist mir nur bedingt gelungen) und sind erstmal zurück zur Spargelfarm gelaufen (wir allein auf weiter Flur). Sofort unseren Vorgesetzten angerufen und glücklicherweise hat uns Judy auf Arbeit gefahren, sodass wir gerade einmal eine halbe Stunde zu spät auf Arbeit angekommen sind. Was dann passiert, kann man sich nur schemenhaft vorstellen: eine derartige Welle der Hilfsbereitschaft rollte auf uns zu, wir wussten gar nicht, wie uns geschah. Dass mich Leute (die ich nur vom Gesicht her kenne) mit „Hi Mary, wie geht’s? Was macht das Spargelstechen?“ ansprechen, ist schon eigenartig genug. Aber wie aufopferungsvoll die Menschen uns an diesem Tag begegneten- unvorstellbar (Willi meinte daraufhin, dass wir doch öfters mal so eine kleine Panne haben sollten). Wir wurden von der einen Asiatin zum traditionellen Essen eingeladen, das Erdhörnchen hat uns wieder zurück nach Hause gefahren, ein Arbeiter hat uns noch eine DVD vorbeigebracht und unser Vorgesetzter Drew (ein Mischung aus Surfer Boy und Kumpel von nebenan) hat uns angeboten, seine Eltern mal zu fragen deren Haus in Waterua (ca. eine halbe Stunde von Arbeit entfernt) mit Surferstrand an uns zu vermieten- kostenfrei. Wahnsinn, sollte das klappen, ziehen wir bald um, Drew würde uns dann mit noch einem anderen Mitarbeiter auf Arbeit mitnehmen. Abends hat uns dann noch unser Gastsohn Joseph mit dem Jeep abgeschleppt. Klingt banal, ist es an und für sich eigentlich auch, aber Frodo brettert doch nicht etwa mit einer 60 (!!!) den Hügel hinab! Das Abschleppseil ist 1,5m lang gewesen und ich mit Schweißausbrauch und zittrigen Fingern grapschte ständig nach der Handbremse (die Fußbremse geht nicht, muss wohl irgendwas mit der Hydraulik zu tun haben, dass wenn der Motor ausgeschalten ist, die Fußbremse nicht funktioniert- fragt mich bitte nicht). Jedenfalls haben wir dann den Blusterfisch wieder gut vor dem Schuppen geparkt und somit unser Nachtquartier sichergestellt. Abends gab es dann ein wohlverdientes Feierabendbier und Kopfschütteln beim Resümieren des Tages. Marvyn, der Gastvater und passionierter Autoschrauber, nimmt sich in den nächsten Tagen den kränkelnden Blusterfisch vor und bekommt ihn hoffentlich wieder repariert. Ansonsten haben wir aber eine Mitfahrgelegenheit auf Arbeit (Erdhörnchen)- sobald wir Genaueres wissen, gebe ich hier nochmal schnell Entwarnung (hoffentlich Entwarnung- drückt die Daumen, dass es nichts Größeres bzw. Kostspieliges ist).

Ja, ihr seht, es ist wohl oder übel immer eine Menge los, zu Weihnachten hätte ich gerne ein kleines Paket mit Ruhe unterm Baum.

Wie immer liebe Grüße in die vorweihnachtliche Heimat,

Eure Maria


PS: Rechts in der Leiste finden sich seit Neuestem die „Top-Ten-darauf-wird-sich-am-meisten-gefreut“ (bei Wiederkehr) und eine kleine Personencharakteristika, da ich beim Buchlesen nichts mehr hasse, als mich fragen zu müssen, wer welche Person war :)